Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Trafikplünderungen durch Georgier

Posted in Einbruch, Fokus Wien, Gericht, Landesgericht Wien by sicherheitwien on 14. Januar 2005

Doppeltrafikeinbrecher UNIGADZE: Der bullige Mann, 32, gab an, dass er in Georgien die Grundschule absolvierte, danach eine Verteidigerausbildung. Richter Kucera: Welche Art der Verteidigung? Strafverteidigung? - Nein, Selbstverteidigung. (Foto: Marcus J. Oswald)

(LG Wien, im Jänner 2005) Warum plünderten Georgier im Advent 2004 zwei Wiener Trafiken? Gab es im Gastland zu wenig Lesestoff in georgischer Muttersprache? Wurden Sie unfreundlich bedient? Setzten Sie im Lotto groß und gewannen nichts? Der wahre Grund erhellte sich im rasch angesetzten Strafprozess am 13. Jänner 2005 gegen sechs geständnisfreudige Georgier nicht. Die stämmigen Männer saßen mit breiten Schultern drei Stunden auf zwei Anklagebänken wie kleine Buben, denen die Mutter Schimpfe erteilt hatte. Mit gesenktem Haupt und vornübergebeugt. Ohne Blickkontakt zum Richter. Irgendwie scheu, auch wenn die Unschuldsmiene nur gespielt war. Vom Prozess selbst verstanden sie kein Wort. Ein deutsch-georgischer Dolmetscher, rechts vom Richter, der am Nasenrücken die Metallbrille rutschen ließ, mit der er manchmal jonglierte, übersetzte jedes Wort.

Prozesse wie diese haben zu Beginn etwas Gespenstisches, am Ende Einschläferndes. Wenn die Luft im Gerichtssaal dünner wird, beginnen im dritten Spieldrittel, so das Beweisverfahren sich neigt, die Leute zu gähnen. Der ewig gleiche Sermon – Herr Rat fragt etwas, Dolmetsch übersetzt, Angeklagter antwortet georgisch, Dolmetsch übersetzt – bekommt etwas Mandalahaftes. Das wird sich in nächster Zeit nicht ändern. Obwohl die georgische Kriminalität in Österreich statistisch im vergangenen Jahr nachließ, lernen Georgier nach wie vor kein Deutsch, umgekehrt gibt es nur eine Handvoll Österreicher, die Georgisch lernen.

Anklägerin Petra Staribacher erinnerte mich an eine alte Studienbekannte: Diese war nie eine attraktive Frau, aber ehrgeizig. Mit der Zeit wurden die Liebschaften kürzer, ihre Gespräche hektischer, die Lippen immer dünner. Heute ist sie mollig und Mitte Dreißig wie die Staatsanwältin. Diese, eine von vier Frauen unter 19 Männern im Gerichtssaal, presste die Lippen drei Stunden fest zusammen. Das fördert die Konzentration. Diese brauchte sie, um dem Verfahren mit sechs fremdländischen Namen und fremden Biografien zu folgen. Sie meisterte das nicht schlecht. Ihr Strafantrag legte zwei Fälle auf den Tisch.

Trafikeinbruch am Alsergrund bei Erich Tremmel

Am 1. Dezember 2004 schlugen fünf Männer, von denen vier noch flüchtig sind (aktuell werden sie, wie mir der Richter hinterher im Telefonat von meiner Wohnung aus erzählte, mit kleinem Lauschangriff gesucht), in einer Nachtaktion ein körpergroßes Loch in die hölzerne Hintertür der Trafik in der Glasergasse 18. Sie wuchteten um zwei Uhr morgens die Tür auf, die einen eisernen Sicherheitsbalken hatte. Sie schnitten den oberen Holzquader heraus, zwackten mit Bolzenschneider zusätzliche Eisenverstrebungen durch. Davor rissen sie den Lichtsensor von der Nachbarwohnung herunter und warfen ihn in den Keller. Die Einbrecher arbeiteten zwei Stunden, packten in völliger Dunkelheit 1.000 (!) Stangen Zigaretten in 14 schwarze Müllsäcke und nahmen Fahrscheine, Wertzeichen sowie Geld mit. Schaden: 37.000 Euro. Außerdem stahlen sie die jeweils aktuellen Ausgaben der Brigitte und der deutschsprachigen Vogue . Am Lichtsensor fand man später Fingerabdrücke einer Frau. Die Diebe mussten beim Zu- und Abtritt drei geschlossene Türen überwinden: Hauseingangtor, knarrende Foyerschwingtür und die stabile Holzhintertür. Das geschah offenbar vollkommen unbemerkt.

Das Haus Glasergasse 18 ist ein Bürgerhaus am Alsergrund, das um 1900 erbaut wurde. Hier wohnen Langzeitmieter seit Jahrzehnten, familiär, man kennt sich untereinander, auch die Diplomatenfamilie. Der schwergewichtige Präsident der Wiener Ärztekammer, Brigadier Primar Walter Dorner, wohnt hier und betreibt seine Privatpraxis. Auf der Gasse befindet sich die Trafik, die bereits am 12. Dezember 2003 ausgeraubt wurde. Damals wurde Erich Tremmel die Pistole an die Stirn gesetzt.

Trafikeinbruch in Erdberg – in flagranti betreten

Am 11. Dezember 2004 räumten sechs Georgier, die nun geschlossen auf der Anklagebank saßen, eine weitere Trafik in Wien-Erdberg: Schaden: 17.000 Euro. In der Kölblgasse ging jedoch alles schief. Eine Zivilstreife hatte ein Näschen. Die Fahnder schoben ihren Wagen gegen die Einbahn zurück. Vor der Trafik in der Kölblgasse 17 liefen ihnen zwei Georgier direkt in die Arme. Einer kam in vollem Lauf auf den Beamten der WEGA zu, beide stürzten zu Boden, der Beamte verletzte sich am Knie. Vier Täter konnten in die Hohlweggasse flüchten, wurden aber gestellt. Richter Bernhard Kucera lobte im Prozess, dass eine Zivilstreife das Sextett auf frischer Tat betrat – „das geschieht selten heutzutage“.

Vor leeren Rängen (ich war der einzige Zuhörer) saßen sechs Männer, dahinter sechs Pflichtverteidiger, ganz hinten sechs Justizwachebeamte, vorne ein Richter, ein Dolemetsch, ein Schreiber, eine Staatsanwältin. Zwei Georgier wurden erst am 6. Dezember 2004 aus der Wiener Haft (Einbruch) entlassen. Fünf Tage danach folgte der gemeinschaftliche Trafikeinbruch. Auf die Frage von Richter Kucera, der durch seine Harry-Potter-Brille viel Neugier versprühte: „Warum schon nach fünf Tagen wieder ein Einbruch?“ gab es nur ausweichende Antworten: „Probleme in Georgien“, stammelte einer, „schwangere Frau in Georgien“, der andere. Einer zur Frage, warum er überhaupt mitmachte: „Großmutter in Georgien gestorben.“ Der andere: „Vater in Georgien Politiker und hat Probleme.“ Gleichzeitig deponierten alle sechs, dass „sie bald wieder nach Georgien“ zurück wollen. Das offen zur Schau gestellte Heimweh nach Mutter Russland würde Innenministerin Prokop gern hören, allein es waren Schutzbehauptungen, um dem akuten Haftübel zu entgehen. Alle sechs kamen nämlich als Asylsuchende nach Österreich, um in Österreich zu leben und nicht in Georgien. Doch das wäre jetzt höhere Psychologie.

Kennen gelernt hatten sie sich im Asyl Traiskirchen. Später hatten sie sich Wiener Mexikoplatz zusammen getan. An diesem donaunahen Umschlagplatz schlechter Ideen planten sie die Taten minutiös. „Das war keine Zufallstat im Vorbeigehen“, bemerkte Richter Kucera völlig richtig. Auch wenn es Kucera nicht explizit ausführte, ist festzuhalten:

Logistik der Einbrecher: Autos und Schlüssel

Für das nächtliche Betreten beider Zinshäuser, in denen die Geschäfte liegen, braucht man einen Sprechanlagenschlüssel. Für diesen hatten die Georgier, die erst seit Mitte 2004 in Österreich weilen, bereits gesorgt. Das zeigt nicht nur organisatorisches Geschick, sondern auch kriminelle Energie. Dann brauchten sie ein Informationsnetzwerk. Die Männer, die kein Wort Deutsch sprechen, konnten die Trafiken nicht selbst ausspionieren. Trafikant Erich Tremmel von der Glasergasse 18 erinnert sich (allerdings wurde er vom Gericht dazu nicht befragt), dass er Monate vor dem Einbruch, im Spätherbst 2004 regelmäßig Kundschaft aus dem nahe gelegenen Asylheim Glasergasse 27, 1090 Wien, hatte – ein aufgelassenes evangelisches Spital, in dem nun Antragswerber aus der russischen Föderation leben. Lange Zeit kamen wechselweise ein gutes Duzend Kunden, um Zigaretten zu kaufen. Plötzlich, nach dem 1. Dezember 2004, tauchte kein russisch-föderierter Asylwerber um Zigaretten mehr bei ihm auf.

Die Einbrecher waren gerüstet: Die Männer hatten Schneidewerkzeug mit und schwarze Säcke. Zudem zwei Autos. Vor der Trafik in der Kölblgasse 17 fanden die Beamten zwei Autos der Marke Fiat Tipo, die „voller Tschick“ (so Zeuge Bezirksinspektor Grasmut) waren. Zum Abtransport gefüllte Säcke lehnten noch im Stiegenhaus. Beim noch ungeklärten Einbruch in der Glasergasse 18 ist ebenso davon auszugehen, dass zwei Autos für die fünf Männer im Spiel waren. Die bis heute verschwundene Beute war zwei Mal so groß wie in der Kölblgasse und fünf ausgewachsene Männer mußten auch noch mitfahren. Jedoch müsste das jemandem aufgefallen sein, denn selbst Anrainern ist es in dieser Wohngegend abends unmöglich, auch nur eine einzige Parklücke zu finden.

Doppeltäter UNIGADZE nennt Komplizen nicht

Erstaunlich die Mobilität der Asylwerber mit Führerschein. Apropos Auto: Der Richter befragte natürlich alle Angeklagten, wovon sie leben. Alle sechs sagten einhellig, dass sie von der Hilfsorganisation Caritas unterstützt werden. Einer gab an, er beziehe „300 Euro monatlich von der Caritas“. Im selben Atemzug sagte er, dass er einen BMW 520 fährt. Es waren die kleinen Dinge, auf die man hören muss. Wir haben in Österreich tausende Leute, die sich von ihrem Einkommen keine monatliche Autoversicherung leisten können. Synchron dazu Asylsuchende, die BMW 520 fahren.

Ihr Motiv verschwiegen alle Angeklagten eisern. Auch zur Rollenverteilung kein Wort. Gab es einen „Aufpasser“ im Auto, „Haupttäter“ oder einen „Kopf“? Alle verneinten. Unisono sagten sie: „Nein: Alle machten alles.“ Das nennt man Häfensolidarität und gute Absprache – vermutlich getroffen im Wartezimmer beim Gefängnisarzt oder im Spazierhof.

Glatt gelogen wurde allerdings in einem Punkt: „Bestand am Tatort telefonische Verbindung?“, wollte Richter Kucera zum Einbruch Kölblgasse 17 wissen. „Nein, telefoniert wurde nicht“, lautete die Antwort. Nach dem Prozess fiel WEGA-Beamten Florian Macho, ein austrainierter Mann um die Dreißig Jahre und in hautengem, körperliche Vorzüge betonenden Winterpullover, mit dem ich zum Gerichtsausgang hinunter ging, dazu eine Bemerkung ein, die man richtig deuten muss: „Ich bin etwas enttäuscht, dass bei Gericht so schlecht nachgearbeitet wird. Wir wissen, dass am Tatort eifrig telefoniert wurde.“ Doch Staatsanwältin Petra Staribacher, verbissen vertieft in die Fülle georgischer Biografien, interessierte sich für solche Details nicht. Nicht, ob telefoniert wurde. Nicht, mit wem. Nicht, ob es Hintermänner gab. Nicht, wer die Abnehmer der Beute gewesen sein könnten. Nicht, ob Kontakte in Wiener Asylheime bestanden, die potenzielle Käufer der Rauchware sind. Bei Gericht zählt offenbar nur, dass Angeklagte gestehen und dann schweigen. Das Puzzle wird nicht zusammen gesetzt.

Herr UNIGADZE zum Beispiel ist von Beruf Bodyguard und Asylwerber in Österreich seit Ende April 2004. Er beteiligte sich im Advent 2004 an beiden Trafikeinbrüchen in Wien. Zum ersten Einbruch verriet weder seine vier Komplizen, noch wo die Beute blieb. Staatsanwältin Staribacher, der kriminologisches Handwerk eher fremd ist, kam nicht auf die Idee, schärfer nachzufragen, etwa unter Androhung eines härteren Haftübels. Einbrecher UNIGADZE grinste nur: „Ich kenne die vier Komplizen nicht. Nur einen nach dem Spitznamen, die drei anderen kenne ich nicht.“ Georgische Spitznamen halfen nichts. Man möge ihm also glauben, dass er am 1. Dezember 2004 zwei Stunden lang bei völliger Dunkelheit im 5-Mann-Teamwork eine Trafik ausräumte und die Namen seiner Komplizen gar nicht wußte.

Säuerliche Trafikanten als Zeugen

Die geschädigten Trafikanten reagierten als Zeugen sauer. Sie mussten ihre Adventzeit 2004 mehr mit Versicherungsvertretern als mit Kunden verbringen. Trafikant Karl Satzer aus Erdberg, ein Mann um die Fünfzig mit dunklem Schnäuzer, bekam am Tag des Einbruch seine Ware zurück. Zwei Autos mit Diebsgut wurden gelöscht, die Säcke wieder geleert. Er hatte keinen direkten Schaden. „Nur drei Stangen Zigaretten wurden von den Herren zertreten, weil sie drauf gestiegen sind“. Richter: „Die konnten Sie nicht mehr verkaufen?“ Satzer: „Nein.“ Bei Gericht war Satzer sehr gereizt. Auf Fragen von Richter Kucera, wie hoch sein Schaden sei, sagte er mehrfach: „Da muss ich meine Damen fragen.“ Er steht nicht selbst im Geschäft, hat Angestellte. Die rückerstattete Kurzzeit-Beute von 500 Stangen Zigaretten bestätigte er nach langem Blättern in seinen Unterlagen. Volumen: 17.000 Euro. Satzer bestätigte noch, dass die Einbrecher bei ihm nur im hinteren Lagerraum zugriffen und „hier Zigaretten nicht anrührten, die besonders hoch oben liegen, weil es seltene Marken sind“. Danach hatte er nicht mehr viel zu sagen. Er war noch immer wütend auf die Einbrecherbande, als er zur Saaltür hinaus ging, schlug er sie fast hinter sich zu.

Trafikant Erich Tremmel am 3. Dezember 2004 - Alles andere als happy. Der Sicherheitsbalken half nichts. (Foto: Marcus J. Oswald)

Bei Trafikant Erich Tremmel vom Alsergrund ist die Lage anders. Die Diebsbeute aus seinem Lokal tauchte bis heute nicht mehr auf. Zwar ersetzte ihm die Firma Tabaccoland, Zulieferer von 2.300 österreichischen Trafiken, die Rauchware binnen einer Woche. Doch die Versicherung Wiener Städtische, bei der er sein Geschäft in Höhe von 80.000 Euro versichern ließ, zahlte nur 24.000 Euro aus. Bis heute, sechs Wochen nach Einbruch, blieb er auf 13.000 Euro sitzen. Er nahm dafür einen Kredit auf und plant, gegen die Versicherung zu klagen. Denn obwohl in der 42-Seiten starken Versicherungspolizze kein Wort davon steht, dass „Fahrscheine Wertpapiere“ sind, stellt sich die Versicherung auf den Standpunkt, dass die Fahrscheine der Wiener Linien in einen Tresor einzusperren wären, da es „Wertpapiere“ seien.

Danach: Konflikt mit Wiener Städtische und Wiener Linien

Da der Einbruch am 1. Dezember 2004 stattfand, hatte Erich Tremmel noch rund 100 Wochen- und Monatskarten der Verkehrsbetriebe aus dem November im Wert von 8.000 Euro im Geschäft, die er Anfang Dezember, da unverkauft, in der Wiener Linien-Zentrale in Dezember-Karten eingetauscht hätte. Üblicher Ablauf. Doch da die Fahrscheine mit Monatsletztem gestohlen wurden und nicht wieder auftauchten, muss er sie selbst zahlen. Zudem ersetzte die Wiener Städische nur 1.500 Euro Bargeld „pauschaliert“, obwohl über 3.500 Euro Bar- und Wechselgeld gestohlen wurden.

Der 43-jährige Tremmel trägt diese Fakten bei Gericht vor. Er kam in Erwartung, etwas über den Verbleib der Beute zu erfahren. Richter Kucera, mit Wienerischer Einsicht: „Sie haben den Schlauch.“ Und: „Bei den Georgiern gibt es als Privatbeteiligter nichts zu holen.“ Blick zur Staatsanwältin, zu den Anwälten: „Noch Fragen an den Zeugen?“ „Danke.“ „Brauchen Sie eine Zeitbestätigung?“ „Nein, danke.“

So zog sich der Prozess drei Stunden. Richter Bernhard Kucera kam kürzlich vom Wiener Jugendgericht ans Landesgericht Wien. Im Telefonat fünf Stunden nach dem Prozess mit ihm, sagte er, was er mit dieser Information meint: „Es gibt am Landesgericht zwei Arten Richter: Jene, die schon immer hier waren und jene, die vom Jugendgericht herkamen. Ich war am Jugendgericht und wir haben uns lange gegen dessen Schließung gewehrt. Es war nicht zu verhindern. Wir kamen nicht freiwillig. Nun sind wir aber hier am Landesgericht, und ich ändere deswegen nicht meinen Charakter.“

Was meinte Richter Kucera damit? Warum erzählte er das? Was meinte er mit „deswegen ändere ich meinen Charakter nicht“? Ich bezog mich im Telefonat auf sein mildes Urteil. Üblicherweise, wenn Ausländer einen gemeinschaftlichen Einbruch begehen, gibt es am Landesgericht Wien entweder „für alle“ 15 Monate feste Haft oder für alle zwei Jahre. Je nach Vorleben. Richter Kucera wollte mir vermutlich sagen, dass er kein Blutrichter ist, der Strafmasse jahreweise ausschüttet. Das nahm ich auch nicht an, denn seine Prozessführung nahm sich Zeit für Dialog und Erklärung, wo es eigentlich nicht viel zu erklären gab. Es war eine straffe Vorsatztat, massiv und organisiert. Wenn eine fünfköpfige, und zehn Tage später, eine sechsköpfige Männerbande Trafiken mit roher Gewalt öffnet und ausräumt, kann man hinterher das Wort „reumütiges Geständnis“ nicht locker in den Mund nehmen.

Milde Strafen – Doppeleinbrecher erhält sechs Monate

Doch Richter Bernhard Kucera sprach nach fünfminütigem Rückzug in sein Kabinett differenzierte und milde Strafen aus. Alle sechs mussten in Gefängnis. Keiner musste Schaden wiedergutmachen.

Urteile im Detail: Zwei in Österreich vorbestrafte Georgier, die erst am 6. Dezember 2004 auf Bewährung in Wien entlassen wurden und innerhalb von fünf Tagen erneut als Einbrecher zuschlugen, erhielten 14 und 14.5 Monate unbedingt. Zwei unbescholtene Angeklagte kamen mit 12 Monaten teilbedingt davon, jeweils vier Monate unbedingt. Das jüngste Bandenmitglied, soeben volljährig geworden, erhielt 10 Monate (drei unbedingt). Doppeleinbrecher UNIGADZE, der bei beiden Einbrüchen aktiv war, doch zum Trafikeinbruch in der Glasergasse 18 beharrlich zum Verbleib der Komplizen und hohen Beute schwieg, erhielt 18 Monate teilbedingt, davon nur sechs Monate unbedingt. Alle Urteile rechtskräftig.

Die sechs Pflichtverteidiger, bezahlt von der Republik Österreich, waren zufrieden. Murren unter anwesenden Ermittlern. WEGA-Mann Florian Macho, hinterher beim Hinausgehen, ohne jede Illusion: „Man sieht sich in sechs Monaten wieder.“

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch, Fokus Wien, Gericht, Landesgericht Wien)

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