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Stummers Hochzeit

Posted in Ernst Walter Stummer, Veteranen by sicherheitwien on 4. August 2005

Stummer: Unter der Haube!
(Foto/1975: Archiv Oswald, Repro: MJO)

(Wien, im August 2005) Stummer ist unter der Haube. Der Wiener Einbrecherkönig (1.500 Einbrüche) in Unruhe, Ernst Walter Stummer, 66, hat am 4. August 2005 im Standesamt Wien-Währing den Bund fürs Leben geschlossen. Es ist seine zweite Ehe.

Die erste Einfahrt in den Hafen der Liebe wagte er 1999 im Alter von 61 Jahren. Dieser Bund war weder ein Bündchen, noch Gisele. Die Russin Anna Stoljaskaia, eine 28-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften, weilte mehr in Moskau als Wien. Obwohl ihr Stummer alle Heim- und Her-Flüge zahlte, war 2002 Scheidung. Er sah seine „Gattin“ in drei Jahren netto sechs Monate. Die damalige „Russin in Wien“ ist heute mit einem Russen in Wien verheiratet. So wächst Österreich. Und: Österreich wächst weiter.

Zweite Ehe

Die nunmehrige Frau Stummers stammt aus den Phillipinen und ist ebenso 28 Jahre alt. Maribel Marantan aus Pudtol heißt ab 4. August 2005, 14 Uhr 10, Maribel Stummer.

Die Trauung fand im kleinen Rahmen statt. Herr Stummer, Frau Suzanne (Trauzeugin und Freundin der Braut), Frau Maribel (Braut), Frau Maribik (Freundin der Freundin der Braut), Herr Vontatsch (Trauzeuge) und Herr Oswald, Haus-, Hof-, Hobby- und Heiratsfotograf.

Unternehmer Vontatsch - Überraschungstrauzeuge: Ich habe einen Stammtisch im Sacher! (Foto: Marcus J. Oswald)

Oswald wurde degradiert. Um 11 Uhr rief Stummer noch an und äußerte Bedenken zur Hochzeit. Kommen Medien? Warum sagte seine Schwester ab? Er hatte Fracksausen. Er wollte noch einmal minutiös erklärt wissen, was eine „Eheannullierung“ ist. Oswald meldete auch Bedenken an, da die künftige Frau um 38 Jahre jünger ist. Um 11 Uhr des 4. August 2005 war Oswald noch Trauzeuge, wie das einen Monat lang ausgemacht war. Als er um 13 Uhr 30 im Standesamt ankam, war plötzlich der Unternehmer Vontatsch Trauzeuge und Oswald nur Fotograf. Und es war vielleicht das Beste, was an diesem grauen Tag passieren konnte.

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. 13 Uhr 58, noch zwei Minuten. (Foto: Oswald)

Stummer mit Trauzeugen und seiner Frau (2. v. re.). Elf Tage nach der Hochzeit stellt sich heraus, dass sie in den Phlillipin mit einem asiatischen Mann zwei Kinder hat. Vor der Hochzeit gaukelte sie Stummer monatelang vor, sie sei ungebunden und kinderlos. (Foto: Oswald, 4. August 2005 aus dem Standesamt Währing in der Martinstraße)

„Auf Wunsch des Brautpaares wurde auf eine Traurede verzichtet. Daher darf ich gleich zum rechtlichen Teil kommen. Ich frage Sie, Herr Ernst Stummer: Sind Sie bereit, mit Frau Maribel Marantan in die Ehe einzutreten? (Antwort: Ja.) Und ich frage Sie, Frau Maribel Marantan: Sind Sie bereit, mit Herrn Ernst Stummer in die Ehe einzutreten? (Antwort: Ja.) Dann treten Sie bitte vor, um die Ringe auszutauschen.“

Ich frage Sie, Herr Ernst Stummer: Sind Sie bereit, mit Frau Maribel Marantan in die Ehe einzutreten?
(Foto: Marcus Oswald, 4. August 2005 Amtshaus Wien-Währing)

Und ich frage Sie, Frau Maribel Marantan: Sind Sie bereit, mit Herrn Ernst Stummer in die Ehe einzutreten? (Foto: Marcus Oswald, 4. August 2005 Amtshaus Wien-Währing)

Blitzhochzeit, bedeutsames Schweigen und skeptische Blicke. (Foto: Marcus J. Oswald)

Nach nur fünf Minuten ist die Hochzeit besiegelt. Stummer freut sich ehrlich. Die Freude der Frauen ist gespielt.
(Foto: Marcus Oswald, 4. August 2005 aus dem Amtshaus Wien-Währing)

Es ging sehr schnell. Keine langen Worte, keine Erklärungen, kein Gerede „bis dass der Tod Euch scheidet, in guten wie in schlechten Tagen, in Krankheit und Gebrechen“, wie man das in amerikanischen Spielfilmen Marke „Hollywood“ immer wieder hört. Kein Wort von Treue, Einehe, Verantwortung und Pflichten. Standesamtliches Heiraten ist eine Vertragssache. Fast juristisch glatt. Man unterschreibt ein Papier. Sonst nichts und bekommt eine Flügelmappe der Stadt Wien.

Ring 1, Ring 2, der Kuss

Der Ring als Symbol. Stummer freut sich, Maribel tut überrascht.

Der Ring als Symbol. Wofür eigentlich? (Foto: Oswald)

Der Kuss, genannt auch: Bilabialer Lippenschluss in der unteren Gesichtshälfte. Noch will er nicht so glatt gelingen. Auch von wechselseitiger Umarmung ist wenig zu sehen. Es wird der letzte Kuss überhaupt in dieser Ehe sein, die von Seiten der Frau als Scheinehe angelegt war. Elf Tage nach dieser Hochzeit gestand sie ihrem nichtsahnenden Ehemann, dass sie nicht frei, sondern in Asien mit einem Lebensgefährten zwei Kinder im Alter von 8 und 12 Jahren hat.
(Foto: Marcus J. Oswald, am 4. August 2005 aus dem Amtshaus Wien-Währing in der Martinstraße)

Ernst Stummer wirkt an diesem Tag erleichtert und glücklich. Er ahnt nichts vom Betrug seiner Frau, die ihm wesentliche Dinge vorenthalten hat. Die Damen und Freundinnen der Braut wissen alles, spielen aber gut Schauspiel. Echt ist an diesem Tag nur das Lachen von Stummer und das Foto, auf dem es abgebildet ist.
(Foto: Marcus J. Oswald, 4. August 2005)

Doch wie ging die ganze Sache weiter? Die Trauung war kurz. Um 14 Uhr 20 das Abschlussfoto. Die Gruppe fuhr mit dem Lift nach unten und verließ das Bezirksamt Währing.

Amtlich: Zwei Leute sind Mann und Frau. Doch die Ehe ist das Papier nicht Wert, auf dem sie festgehalten ist.

Junges Glück?

Dann geschah folgendes: Trauzeuge Vontatsch, der in Eisen macht, verabschiedete sich sofort. Er war geschäftig. Die Braut und ihre beiden Freundinnen gingen in ein Restaurant Essen. Stummer ging nicht mit. Er hatte für ein Essen zu Hause eingekauft, aber seine Neo-Frau wollte Essen gehen. Er will Kosten senken und hat nach wie vor ein gespreiztes Verhältnis zur Gastronomie: „Die Wirte sollen einmal was arbeiten“, empfiehlt er bei solcher Gelegenheit. Er ist keiner, der länger als 30 Minuten freiwillig im Wirtshaus sitzt. So drehte ihm seine frisch Angetraute, ohne interne Besprechung unter Neo-Brautleuten und ohne ein Wort zu sagen, vor dem Standesamt den Rücken zu und begab sich mit den beiden Freundinnen zur Straßenbahn.

Dialogarmut

Alle fuhren zwei Stationen in die gleiche Richtung, auch Stummer und ich. In der Straßenbahn gab es kein Gespräch zwischen „den Stummers“. Kein einziges Wort! Das liegt auch daran: Maribel Stummer kann noch kein Wort Deutsch. Ernst Walter Stummer stieg bei der Station „Währinger Gürtel“ unter den Stadtbahnbögen aus. Ohne Verabschiedung von seiner Ehefrau. Ich hörte kein „Wir sehen uns in einer Stunde“, kein „Bis bald“ oder „Ich komme nach“. Stummer war keineswegs schlecht gelaunt, auf niemanden böse, sondern wie immer: Emotional neutral bis unbeschwert glücklich mit sich selbst und hoffnungslos nachlässig im verbalen Umgang.

Eine halbe Stunde nach Beginn der Hochzeit sitzt er allein in der U-Bahn. Ohne Frau, die nicht mitfuhr. Ihm kam das nicht ungewöhnlich vor. Hätte es aber. (Foto: Oswald, 4. August 2005)

Als Stummer ausstieg, läutete sein Telefon. Ein Kunde rief an, der einen Partnerkatalog kaufen will. Stummer hatte sowieso vor, sofort ins Büro zu fahren. Zuvor wollte er noch einen Blick in den Schnäppchenmarkt „Moneypoint“ werfen. Währinger Gürtel, andere Straßenseite. Die Straßenbahn 41 mit seiner Neo-Frau und den Freundinnen war mittlerweile schon abgefahren. Es kümmerte ihn nicht. Es war ohnehin nur sein Hochzeitstag. Er querte die Straße und sondierte bedächtig den Markt.

20 Minuten nach Eheschließung: Alleine im Moneypoint. (Foto: Oswald)

Im „Moneypoint“ kaufte er dann nichts. Die Reise ging mit der U-Bahnlinie 6 in Richtung Spittelau.

Noch ein Stück zu Fuß: Ernst Walter Stummer. (Foto: Marcus J. Oswald)

Beim Büro angekommen, waren die Eindrücke aus dem Standesamt schon wieder vergessen. Am Vortag der Eheschließung übernachtete die nunmehrige Gattin ohnehin nicht bei ihm zu Hause. Die Neo-Frau will auch in seinem Büro nicht mitarbeiten, sondern bei Mc Donalds eine Arbeit beginnen.

40 Minuten nach Eheschließung sitzt Ernst Walter Stummer wieder in seinem Einzimmerbüro SEWUZ in Döbling.
(Foto: Marcus J. Oswald)

Es ist geschafft. Die Frage ist: Was. Er ahnte noch nichts vom Betrug durch seine frisch angetraute Ehefrau. Als sie ihm elf Tage später von den wahren Verhältnissen erzählte, war Stummer sehr enttäuscht. Er hat diese Niederlage bis heute nicht überwunden. Die Ehe wird komplett sexlos bleiben und er wird eineinhalb Jahre später die Scheidung einreichen. Die Ehe wurde nie vollzogen. (Foto am Tag der Hochzeit, 4. August 2005: Marcus J. Oswald)

FORTSETZUNG UNTER: Stummers misslungene Hochzeitsnacht (Story folgt!)

Marcus J. Oswald (Ressort: Veteranen, Ernst Walter Stummer)

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2 Antworten

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  1. […] Weiterführende Infos zu Ernst Walter Stummer am Schwesternportal „Ruhe und Ordnung“ unter diesem Link. (Unter anderem: „Stummers Hochzeit“) […]

  2. […] [->siehe auch: Stummers Hochzeit] […]


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