Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Wie sich Wiener vor Einbruch schützen (sollen)

Posted in Einbruch, Foerderung, Praevention by sicherheitwien on 3. Januar 2006

Wenn ein Einbrecher in eine Wohnung will, kommt er in eine Wohnung. Auch verkehrt herum, wenn er Außenzargen (links oben) wegbricht. (Foto: Sepp Zaunegger für B&G)

(Wien, im Jänner 2006) Man kann nicht sagen: Wien – die Einbruchsstadt. Man könnte sagen: Linz – die Einbruchsstadt, Graz – die Einbruchsstadt, Innsbruck – die Einbruchsstadt, Klagenfurt – die Einbruchsstadt, Zürich – die Einbruchsstadt, Bern – die Einbruchsstadt, Prag – die Einbruchsstadt, Budapest – die Einbruchsstadt, München – die Einbruchsstadt, Köln – die Einbruchsstadt.

Vom kriminiellen Hauptstädten Deutschlands (laut Kriminalstatistik), Hamburg, Berlin, Frankfurt ganz zu schweigen.

Auch Oswald brach schon ein – in eigene Wohnung

Jede Stadt ist anfällig für Einbruch. Besonders in alten Wohnungen. Alte Wohnungen haben Türen „wie aus Papier“, wie Einbrecher zu sagen pflegen. Man greift hin und sie ist offen. Der Herausgeber sperrte sich kürzlich aus seiner eigenen Wohnung beim Mülltragen irrtümlich aus. Er brauchte 20 Minuten, um wieder einzutreten. 18 Minuten gingen für die Suche eines Drahtes drauf. Zwei Minuten für die Einbruchsarbeit. Da um 1 Uhr in der Früh durchaus Lärm entstand, überraschte es, dass niemand etwas merkte.

Türen in Miet- und Zinshäusern sind die erste Hürde. Für jeden Einbrecher. Alles andere sind Spielereien, Schattierungen der kriminellen Energie, Fleißaufgaben: Seitenfenster, Lichtschacht, durch Keller, über Dach. Alles Alternativen, die Planung brauchen. Alternativen bedeuten Zeitverlust, Aufwand, Ablenkung vom Ziel. Kein Einbrecher will das.

Daher ist es am besten, wenn man die Wohnungstüre sichert. Neubauten in den Städten haben meist sichere Türen. Gefährdet sind Altbauten. Das erkannte nun die Stadt Wien, die in diesem Punkt Vorbildwirkung auf andere österreichische Städte haben will.

Stadt Wien fördert Sicherheitstüren mit bis zu 400 Euro

Die Stadt Wien fördert Mieter von Wohnungen. Wien hat laut Statistik Austria 806.000 Wohnungen. Nicht alle Wohnungen kommen in Frage: Sie müssen älter als 20 Jahre alt und zwischen 22 und 150 Quadratmeter groß sein. Dazu muss der Förderwerber Hauptmieter sein. Die Förderung gilt nicht für Kleingartenhäuser und Eigentumswohnungen oder Reihenhäuser. Ebenso nicht gefördert wird bloß der Austausch von Schlössern.

Das Schloß: Viele meinen, wenn Sie ein magnetisches Sicherheitsschloß haben, leben Sie sicher. Natürlich ist ein Magnetschlüssel duplikatresistent. Beten Sie aber, dass Sie ihn nie verlieren, denn er ist teuer! Natürlich bleibt eiserne Grundregel, dass man den Zylinder an der Außenfront der Tür abdeckt, damit der Einbrecher nicht den „Stempel“ (=Schloßnuss) ansetzen kann und ihn durch Hebeldruck in der Mitte abreißt. Der Zylinder darf keinen Millimeter vorstehen. Nur das verhindert, dass der Einbrecher alternativ den „Franzosen“ ansetzt (=Fixierzange) und das Schloß zweiteilt. Planer Zylinder nach Außen ist die Devise im Planspiel der Sicherheit.

Gefahrenquelle Flügeltür

Doch das beste Schloß hilft nichts, wenn Sie eine Flügeltür haben. Um diese zu sichern, müssen Sie wie ein Krimineller denken. Was täten Sie, um ungebeten einzudringen? Tür eintreten? Macht zu viel Lärm, funktioniert aber oft (nicht nur im Film). Ein Sicherheitsbalken hilft lokal, bekämpft aber nicht die Gesamtkrankheit der schwachen Tür. Balken sind nichts anderes als ein zweites Schloß, das horizontal in Kniehöhe sperrt. Ein Sicherheitsbalken kostet vom Fachmann 500 EUR. Tipp von B&G: Ernst W. Stummer montiert ab 100 EUR – so Sie bereits einen Balken herum stehen haben. Schwarz und ohne Rechnung.

Balken hilft nicht immer - Wenn Holz eingeschlagen wird wie bei Trafikant Tremmel. (Foto: Marcus J. Oswald, 3. Dezember 2004)

Doch Achtung! Als am 1. Dezember 2004 bei Erich Tremmel in der Trafik in der Glasergasse 18 im 9. Wiener Bezirk Einbrecher kamen, umgingen sie den Sicherheitsbalken und schlugen – scheinbar geräuschlos trotz Wohnungsnachbarn – die Holztafel am Hintereingang zur Trafik rechts oben aus.

Als im August 2004 bei Oswald Nachbarn der Ex-Freund zu seiner Ex-Freundin kam und um 5 Uhr morgens bat, sie möge ihn einlassen, was sie nicht tat, trat er ebenso links oben die längliche Holztafel mit zwei, drei Fausthieben durch und zwängte sich mit der ganzen Pracht des 1,90 großen Amateurboxerkörpers (er ist tatsächlich in einem Boxclub) durch die Tür und war bei seiner Freundin eingestiegen. (Nun gut, immerhin ist er der leibliche Vater ihrer beiden Kinder).

Als am 11. Dezember 2004 in der Clusiusgasse 9 im 9. Wiener Bezirk 200 Meter vom B&G-Büro um 3 Uhr 30 morgens im zweiten Stock ein Mann die afrikanische Genitalverstümmelungsaktivistin Waris Dirie besuchte, machte er es so: Er schlug zuerst am Haustor die Oberlichte ein, kletterte hinein, ging in den zweiten Stock und trat auch dort an der Wohnungstür die Holztafel rechts oben ein. Drinnen war er. Er war übrigens ein Ex-Freund der Dirie, die viele Freunde hat, wie man von Mietern, die bereits sechs Jahrzehnte im Haus wohnen und noch Friedenszins zahlen, erfahren kann. Ein Balken in Kniehöhe wäre nur eine halbe Lösung gewesen. Altbautüren sind mit wenigen kurzen Hieben Brennholz. Netter Schutz, aber keine Sicherheit.

Leider war Diries Wohnungstür nicht Ö-Norm 5338-zertifiziert. Das hätte den unliebsamen Gast rasch abgewehrt. Der kein Einbrecher, sondern nur einer ihrer Liebhaber war.

Sicherheitstüren sind Komplettlösungen aus einem Guss. Sie sind tatsächlich bester Schutz, daran besteht kein Zweifel. Sie müssen jedoch nach ÖNORM B-5338 oder – so ein deutscher Anbieter – nach DIN V ENV geprüft sein. Diese Türen haben eine Registriernummer. Es gibt 6 Klassen. Experten empfehlen Klasse 3 für den Wohnbereich, der ganz ordentlichen Schutz gegen körperliche und maschinellen Einfluss bietet. Mindestens fünf Minuten sei laut Polizeiexperten zum Öffnen dieser Tür nötig. Das ist totaler Schutz vor dem Gelegenheitsdieb, dem so genannten Stiegenläufer oder Schnallendrucker, und Schutz genug vor dem Möchtegern-Dieb, der gerade mal einen Schraubzieher bedienen kann. Gegen trainierte Hochleistungsprofis, die mit dem Hilti-Koffer unterwegs sind, ist das kein Schutz. Aber diese Spezialisten kommen sicher nicht zu Ihnen, so Sie eine kleine unscheinbare Altbauwohnung in Miete halten.

Genormte Sicherheitstüren kosten zwischen 1100 und 2800 EUR. Standard sind ein mechanisches Schloß samt Sicherungskarte für Nachschlüssel und Bandsicherung im Scharnierbereich, die ein Aushebeln mit dem „Geissfuß“ (=Kistenöffner) verhindert. Mit einer solchen Tür können sie ruhig schlafen. In allen Hotels dieser Welt.

Die Stadt Wien fördert diese Massnahmen. 1.700 Personen (Status: Ende 2005) nahmen die Förderung von 20 Prozent, maximal aber 400 EUR anteilig am Kaufpreis einer neuen Sicherheitstür, bereits in Anspruch. Eine weitere Finanzsspritze geben Versicherungen, wissen Experten hinter vorgehaltener Hand. Wer zugleich eine Haushaltsversicherung macht, kann noch einmal 10 Prozent Prämienrabatt aushandeln.

WOHIN FÜR FÖRDERUNGEN WENDEN?

Stadt Wien, Magistratsabteilung 50, Wohnbauförderung
per Email: post@m50.magwien.gv.at
Formloses Antragschreiben mit beigefügter Rechnung der Tür reicht aus.

Produktvorinformation etwa bei:

Zabranksy – Das Traditionsunternehmen (seit 1892) – direkt neben der Peep Raaberbahngasse

Adlo – ein slowakisches Unternehmen bearbeitet auch den Wiener Gebäude-Markt

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch, Prävention, Förderung)

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