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Geigendiebstahl – Finderlohn ausgesetzt!

Posted in Diebstahl by sicherheitwien on 1. Mai 2006

Ausgegeigt - Violine am Wiener Alsergrund gestohlen!
(Foto: Aushang an einem Baum. Repro: MJO)

(Wien, im Mai 2006) Wien ist Stadt der Musik. Am 26. April 2006 hat jemand seine Liebe zur Musik übertrieben. Es war freilich auch Unachtsamkeit im Kammerspiel.

Nach einer Probe im Probenraum in der Wiener Glasergasse 5, 1090 Wien, brach einer der Musiker am Abend zum Nachhauseweg auf. Er lehnte seinen Geigenkoffer, in dem sich die Geige und der Bogen befanden, an den Baum neben seinem Auto, das vor der Glasergasse 9 parkte.

Er stieg ins Auto und fuhr weg. Die Geige vergaß er am Baum lehnend. Erst am nächsten Tag kam er darauf, dass er die Geige nicht mehr hatte. Zu diesem Zeitpunkt lehnte die Geige freilich nicht mehr am Baum.

Geige ist wie eine Beziehung oder eine Geliebte

Die Geige ist nun seit fünf Tagen abgängig. Nun herrscht Katzenmusik. Jammer ist groß. Liebesentzug und Depression stellen sich ein. Geiger sind treue, monogame Menschen. Seit vier Tagen hängen an Bäumen und an Haustoren in der Glasergasse, die eine sehr berühmte Straße Wiens ist, Suchzettel.

In der Glasergasse gibt auch sonst noch Interessantes: Das Erich Fried-Gymnasium, das Asylheim der Diakonie, die Tremmel-Trafik, die Ordination des Präsidenten der Wiener Ärztekammer. Trendforscher John Nasbitt [Bio] wohnt in der Glasergasse.

„Mit einer Geige ist es“, sagt der Mann, der den Aushang verbreitet, „wie mit einer Beziehung.“ Man bringt sie, wenn man sie lange kennt, zum Klingen. Die Geige ist ein schwieriges Instrument, das man gut kennen muss. „Nun ist die Geige weg und das ist, wie wenn eine Beziehung beendet wurde, die man gar nicht beenden wollte.“

Ausgegeigt – Apruptes Ende einer Beziehung

Der Aushangschreiber Dr. Flo ist zuversichtlich, dass die Geige wieder auftaucht. Er hofft auf das Fundamt. Der Einwand des Herausgebers: Diebsgut, wenn es in falsche Hände kommt, wird per Post nach Südeuropa verschickt. Eine Diebstahlsgruppe in der Wiener Kriminaldirektion weiß ein Lied davon zu singen, dass man oft Täter findet, aber die Beuten längst in Mazedonien per Paketpost als Hausrat verbracht sind.

Erkennt man die Geige wieder? Der Mann mit dem Aushang bejaht. „Musiker sind in Wien eine verschworene Gemeinde“. Würde die Geige auf einem Flohmarkt als „Zigeunergeige um 300 Euro“ angeboten werden, wäre das von keinem Erfolg gekrönt. Er erinnert an einen „Flötendiebstahl“ bei den Wiener Symphonikern kürzlich. Auch da wurde das Instrument einige Tage später anonym wieder abgegeben. Das Stück war unverkäuflich.

Man hofft. Finderlohn gibt es auf jeden Fall.

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)

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