Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Roland Horngacher gibt Stadtzeitung FALTER erstes Interview

Posted in Bundespolizei, Polizei Wien by sicherheitwien on 24. Juli 2006

(Wien, im Juli 2006) Es war das erste Interview, das Roland Horngacher, der Wiener Polizeigeneral und Oberkommandierende über 7.000 Polizisten nach Aufkommen der „Fendrich-Affäre“ gab, und nachdem sein Computer beschlagnahmt wurde.

Das Interview erschien in der Wiener Stadtzeitung „Falter“ in der Ausgabe 29/06 vom 22. Juli 2006.

Roland Horngacher wurde zur Fendrich-Affäre befragt und zur Tatsache, dass am 30. Juni 2006 sein Dienstcomputer (Laptop) beschlagnahmt wurde. Zum Zeitpunkt des Interviews (Montag, 18. Juli 2006) mit der Wochenzeitung war er soeben den ersten Tag „aus dem Urlaub“ zurück.

+++

Das Interview eröffnet mit der Frage, wie er sich am ersten Arbeitstag nach seinem Urlaub fühle, ob er noch erholt sei. Er antwortet mit: „Erholt, erholt. Soweit man das unter den gegebenen Umständen sein kann, ja.“

Befragt zur „Fendrich-Affäre“, wo es um „Weitergabe von Amtsgeheimnissen an Journalisten“ gehen soll, sagt er, dass eine „Schmutzkübelkampagne“ gegen ihn läuft. Die Anzeige (von Anwalt Manfred Ainedter) sei von „einem Anwalt mit eindeutiger Interessenslage“ eingebracht worden (dieser vertritt Reinhard Fendrich in einem Kokain-Vorwurf). Die Ergebnisse der „Untersuchung“ nach dieser Anzeige habe er „bis zum heutigen Tage nicht zu Gesicht bekommen“.

Er spricht von Intrigen gegen ihn, da er zuerst die Kriminaldienstreform 2002 umsetzte, die das „Kriminalamt Wien“ schuf, und in der Folge die Team04-Reform umsetzte. Horngacher: „Ich musste dabei Personal- und Sachentscheidungen treffen, die nicht jedem gefallen haben.“ Zugleich sagt er im Interview: „Ich habe mit dem Kollegen Geiger kein direktes Konkurrenzverhältnis gehabt. Das ist etwas, das künstlich produziert wird.“

Im Interview sagt er, dass das Nachrichtenmagazin „Profil“ seit „Anfang des Jahres“ (2006, Anm.) Artikel veröffentlichte, die nur „unter Verletzung des Amtsgeheimnisses“ zustande gekommen sein können. Polizeijurist Horngacher habe Anzeige auf Verleumdung eingebracht. Und auch eine Medienklage.

Im Interview arbeitet Horngacher den Unterschied zu Hofrat Geiger heraus, dem vorgeworfen wird, dass dieser eine Razzia verraten haben soll. Horngacher wurde ebenso vorgeworfen, er habe Journalisten und Fotografen bei Razzien „mitgenommen“ (vornehmlich „Kronen Zeitung“ und „Kurier“, zwei Wiener Zeitungen). Horngacher dazu: „Mein Rechtsanwalt (Dr. Ulrich Brandstetter, Anm.) hat mehrfach deponiert, dass es in der Frage der Teilnahme von Journalisten an dieser Sauna (FKK-Sauna Goldentime – siehe Berichte, Anm.) eine offizielle Genehmigung gegeben hat.“

Ob aus der Untersuchung seines Computer „etwas herauskommt“, will er nicht kommentieren. „Ich will darüber nicht spekulieren.“

Befragt zu seinem „autoritären Führungsstil“ und Methoden der so genannen „Prätorianergarde“, äußert sich Horngacher: „Die so genannte Prätorianergarde ist eine Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität. Ich kann nicht zulassen, dass harte Drogen de facto ungeniert angeboten werden. Ich weise entschieden zurück, dass der Waffengebrauch dieser Prätorianergarde schlampig dokumentiert wäre. Es gibt relativ wenig Missbrauchsvorwürfe. Und die Einsatzgruppe hat seit ihrem Bestehen immerhin 5.000 Festnahmen durchgeführt.“

Auf die Frage, ob in der Wiener Polizei „normales Arbeiten“ noch möglich sei: „Von mir geht das nicht aus. Ich habe nie Anzeigen gegen andere Kollegen erstattet. Ich glaube, es muss klargestellt sein, dass das anonyme Anschwärzen von Kollegen jenen, die das tun, nichts einbringt.“

Auf die Frage, ob ihm die Situation derzeit „viel Kraft kostet“, antwortet er: „Es ist unangenehm und nicht gerade substanzfördernd.“

+++

Nach diesem Interview vom 18. Juli 2006 tat er noch zwei Wochen Dienst und fuhr Anfang August 2006 erneut „auf Urlaub“. Diesmal nach Spanien. Auf seiner zweiten Urlaubsreise holte ihn jedoch am 9. August 2006 die Nachricht durch seinen Anwalt Brandstetter ein, dass er als Oberkommandierender der Wiener Polizei gänzlich suspendiert sei. Diesmal ging es nicht um die „Fendrich-Affäre“, sondern um mutmassliche Geschenkannahme.

Horngacher brach seinen Urlaub ab und stellte sich einem 8-Stunden-Verhör durch die Interne Abteilung des Innenministeriums, BIA.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundespolizei, Polizei Wien)

%d Bloggern gefällt das: