Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Stummers Freunde (bei der Polizei)

Posted in Ernst Walter Stummer, Praevention, Veteranen by sicherheitwien on 22. Dezember 2006

Am 2. August 2006 erhielt Ernst Walter Stummer einen Brief.
(Foto: Briefkopf)

(Wien, im Dezember 2006) Ex-Meistereinbrecher Ernst Walter Stummer, 68, Mann mit 19 Vorstrafen und selektivem Heiratskatalog, suchte bei der Polizei brieflich um Rat, wie er seine seit Jahren in Gründung befindliche Zeitschrift „Öffentliche Unsicherheit“ finanzieren soll.

Mag. Herwig Lenz vom Innenministerium schrieb zurück.

+++

GZ: BMI-ID1100/0173-II/BK/1.6/2006
E-Mail an Herrn Ernst Stummer
Ernst Stummer Sewuz
Mail: SEWUZ@gmx.at, 2. August 2006

Betreff:
– Informations- und Dokumentationsangelegenheiten, Auskunfts- und Beratungsleistungen
– Anfrage des KBM – Schreiben von Herrn Ernst Stummer Sewuz betreffend „Singlekatalog und Öffentliche Unsicherheit“

Sehr geehrter Herr Stummer!

Österreich ist eines der sichersten Länder nicht nur in Europa.

Das Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe im Bundeskriminalamt schätzt Ihren Einsatz für die Verbrechensvorbeugung sehr. Kriminalprävention kann nur gelingen, wenn sich alle Mitglieder der Gesellschaft daran beteiligen und sich darum bemühen.

Leider gehen immer noch zu viele Bürger davon aus, dass alleine die Polizei dafür zuständig ist, Straftaten zu verhindern und bleiben selbst völlig untätig. Dabei würde schon eine Verbesserung dadurch entstehen, wenn sich jeder informiert und z. B. durch den kriminalpolizeilichen Beratungsdienst beraten lässt. Wie Sie richtig erkannt und angeführt haben, bietet die Exekutive kostenlose Beratung in allen Bereichen der Kriminalprävention an – dieses Angebot wird leider immer noch zu wenig genützt – oft erst dann, wenn schon etwas passiert ist.

Auch Ihre Idee (ehemalige) Straftäter mit deren Tipps und Erfahrungen in Ihre Überlegungen und Projekte einzubeziehen, ist sehr begrüßenswert. Auch wir von der Kriminalprävention kooperieren mit Instituten, die Täterbefragungen durchführen und aus deren Expertisen leiten wir unsere Strategie ab.

Sie sprechen die soziale Situation der „Einbrecher“ und die Ausbeutung Strafgefangener an: Diesbezüglich darf ich Sie bitten, dass Sie sich an das Bundesministerium für Justiz wenden.

Uns ist natürlich auch klar, dass es verschiedene Ursachen gibt, warum jemand straffällig wird: Besonders wirken sich das soziale Umfeld und die Familienverhältnisse auf die Entwicklung eines Menschen aus. Wir vermitteln daher auch unseren Polizisten in Seminaren Kenntnisse in Psychologie und Soziologie, damit diese noch besser verstehen, warum manche Jugendliche so aggressiv reagieren, warum sie Diebstähle begehen und so gewalttätig werden.

Ihre Idee durch den Verkauf eines Aufklebers „Sozialgeschädigte“ zu unterstützen und dabei mit einer Institution wie der Kirche zusammenzuarbeiten, ist nachvollziehbar, jedoch mahne ich zur Vorsicht der Stereotype und Stigmatisierung.

Einbrecher müssen ablassen

Ihre Tipps betreffend Sicherung von Wohnungen und Häuser (Türen, Fenster, Keller, Licht, Bewegungsmelder etc.) sind absolut richtig, weswegen wir diese schon jahrelang promoten. Wenn sich alle daran halten, würde so mancher Einbrecher von seinem Vorhaben ablassen. Sie nennen Ihr Magazin „Öffentliche Unsicherheit“: In diesem Punkt würden wir vorschlagen, für die Bezeichnung ein positives Schlagwort zu wählen – das Thema Kriminalprävention sollte sich nicht auf den ersten Blick negativ im Kopf des Lesers manifestieren.

Abschließend bedanken wir uns bei Ihnen sehr herzlich für Ihr großes Engagement im Bereich der Kriminalprävention und ihren großen Einsatz. Leider sehen wir uns derzeit nicht in der Lage Ihre Projekte und Ihre wertvolle Arbeit finanziell zu unterstützen, da unsere Budgetmittel – gemessen mit den vielfältigen Aufgaben (Prävention und Opferhilfe) – sehr knapp bemessen sind und wir keine freien Mittel zur Verfügung haben.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft bei Ihrer Arbeit im Kampf gegen die Kriminalität und bedanke mich, dass Sie sich aktiv für die Sicherheit unseres Landes so einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Mag. Herwig Lenz

Eingestellt von Marcus J. Oswald (Ressort: Veteranen, Ernst Walter Stummer, Prävention)

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] (9. April 2009) Einbrecher i. R. Ernst Walter Stummer ab morgen beim Jobcoaching (9. November 2008) Stummers Freunde (bei der Polizei) (22. Dezember 2006) Stummer als Symbolfoto (13. Juni 2006) Stummers zweiter NEWS-Auftritt (18/2006) […]


Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: