Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Deutschland – Fahndungsdruck gegen Kinderpornografen

Posted in Bundeskriminalamt, Kinderpornografie by sicherheitwien on 18. Mai 2008

(Wien, im Mai 2008) Die größte Kommandoaktion der Polizei zum Kinderschutz im Internet rollt derzeit in Deutschland an: Kinderpornografen, Pädophilen und Web-Lüstlingen soll das Handwerk gelegt werden.

Seit Ende 2007 läuft die „Operation Himmel“, die 12.000 Internet-User im Ziel hat. Das hat nun ein Oberstaatsanwalt aus dem ostdeutschen Halle der Presse verraten – was polizeiinterne Misstöne in Deutschland ausgelöst hat. Ermittler, vor allem in Süddeutschland, befürchten, dass durch mediale Vorwarnungen relevantes Beweismaterial vernichtet wird.

Operation Himmel – Deutschland 2007 und 2008

Die Operation Himmel ermittelt in rund 70 Ländern hauptsächlich gegen Männer auf Grund von IP-Adressen, die in konkreten kinderpornografischen Seiten aufgetaucht sind. Es geht um Besitz, Weitergabe und gewerbsmäßigen Handel mit Fotos und Videos in Zirkeln, die das Informationsmedium Internet für Perversitäten missbrauchen.

Im Bundesland Bayern wurde gegen 2.000 Tatverdächtige ein Ermittlungsverfahren auf Grund von Tatverdacht eröffnet, wovon ein Drittel schon abgeschlossen sein soll. In Baden-Württemberg laufen Hausdurchsuchungen und Datenspiegelungen gegen 1.700 Personen, im Bundesland Sachsen-Anhalt gegen 300.

Aufgeflogen ist der Skandal, nachdem Ende 2007 “enorme Datenmengen” über den deutschen Provider Strato bewegt worden waren, berichtete die ARD auf ihrer Webseite. Ob Österreicher auch ins Netz gehen, ist noch geheim.

Kein Unrechtsbewußtsein

Seit die Rechner immer schneller, die externen Speicher immer kleiner, die Unverfrorenheit immer größer, die Tagesfreizeit immer mehr wird, nimmt die Internetkriminalität zu.

Es konnte noch kein Nutzer darlegen, warum er Kinderpornografie auf seinem Rechner hat. Einschlägige Gerichtsprozesse in Wien brachten selbst von intelligenten Männern nie mehr als jämmerliches Gestammel hervor.

Das Gebiet der Pädophilie ist zu wenig erforscht und durchsichtig gemacht. Die Gesetzesandrohungen für Kinderpornografie sind seit 2004 in Österreich verschärft worden (bei Gewerbsmäßigkeit bis zu 10 Jahre Haft).
Bei vielen Personen rangiert das Tatbild unter Kavaliersdelikt wie Telefonieren am Steuer.

Bärtige, Polizeiobere, Wissenschaftsbeamte

Man kann beobachten, dass dickbärtige Männer mit ungepflegtem Äußeren am Wiener Gürtel bis zwei Uhr Nachts im arabischen Internetshop sitzen und die mitgebrachte externe Festplatte mit Bildmaterial sehr jung wirkender Mädchen füllen. Bei Shopbetreibern gibt es kein Unrechtsbewußtsein, keine Zivilcourage, keinen Abwehrmechanismus. So wird das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Lustmolchen und Staatsorganen endlos gehen.

Manchmal horten selbst Staatsbeamte KIPO. Dann wird das Staatssystem im Auswahlsystem ad absurdum geführt. Wenn nicht mehr klar ist, wer im Staat in moralischer Festigkeit “oben sitzt” und führt und wer unten sitzt und folgt, heben sich die Regeln – ähnlich wie bei der Korruption – auf. Kürzlich wurde ein Polizeioberst des Besitzes von (geringen Mengen) KIPO überführt. Unter Nachsicht aller Taxen konnte man ihm noch glauben, dass er privat Columbo spielen wollte.

Am 30. Jänner 2007 um 22 Uhr wurde ein 45-jähriger Mitarbeiter des österreichischen Ministeriums für Wissenschaft im Wiener Internetcafé „Speednet“ von Polizisten an seinem Terminal von hinten auf die Schulter getippt. Verkehrskontrolle. Der Mann hatte soeben einschlägige kinderpornografische Seiten angezapft und Bildmaterial im vermeintlichen Schutz der anonymen IP-Adresse auf Datenträger gebrannt.

Qualitätskriterium “Stiller Alarm” in Webcafé “Speednet”

Dabei hatte er einen stillen Alarm ausgelöst, den es im Internetcafé “Speednet”, gibt. Beim Ministerialbeamten fanden sich zu Hause weitere hundert Speicherträger mit einschlägigem Bildmaterial, was einer zweistelligen Gigabytedatenmenge entspricht.

Gegenüber der Wiener Kriminaldirektion 1 und dem zuständigen Gruppeninspektor Brozek gestand er, dass er seit Ende 2005 Material einsammelte und ab Herbst 2006 distribuierte. Über Motive schwieg er. Der Mann arbeitet noch immer in österreichischen Wissenschaftsministerium.

In den letzten zwei Jahren gab es mehrere Aktionen gegen KIPO:

  • Anfang 2006 ging die Operation Penalty von Stuttgart aus. Man untersuchte 2.200 Anschlüsse in 82 Ländern auf allen 5 Kontinenten, die Bestellungen von Material aufgaben. Aus Österreich waren 55 IP-Adressen dabei. Im Zuge der Erhebungen fand man auch 1.000 Fotos auf dem Rechner eines Leitenden Kriminalpolizisten in Stuttgart.
  • Mitte 2006 begann die Operation Heidi, die von Wiesbaden ausging. Auch diesmal waren Österreicher in größerem Ausmaß an Ringgeschäften beteiligt. Laut Bundeskriminalamt Wien (BK) gab es maßgebliche Anzeigen gegen vier Wiener, drei Niederösterreicher, einen Steirer und einen Vorarlberger.
  • Die Operation Mikado löste im Herbst 2006 große Turbulenzen bei Datenschützern in Deutschland aus. Erstmals begehrte die deutsche Polizei über 14 Bankinstitute die Einsicht in Kreditkartenabrechnungen, da hunderte Buchungen auf ein Verteilerkonto auch von Deutschen flossen. Ein Teil der 22 Millionen Kreditkarten Deutschlands wurde geöffnet und 322 Verdächtige, die Überweisungen tätigten, angezeigt. Österreichbezug bestand bei dieser Operation keiner.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt, Kinderpornografie)

%d Bloggern gefällt das: