Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Stummer im ORF – „Im Zentrum“

Posted in Ernst Walter Stummer by sicherheitwien on 9. Mai 2009

Alter Einbrecher zeigt alte Methode: Das Türwippen. Mit durchgestrecktem Becken solange gegen die Tür drücken, bis sie aus dem Schloß springt. Was brachte ihm das? Zitat Privattagebuch, 1984: Von 1965 bis 1968 war ich in Stein wegen Einbruchsdiebstahls in Haft. Ich war nicht sehr lange in Freiheit, denn am 13.05.1969 wurde ich wieder eingesperrt und war bis 13.05.1972 inhaftiert. Ich kann sagen, dass ich mit einigen Unterbrechungen die meiste Zeit in Haft war. Endgültig entlassen wurde ich am 20.10.1983. Weitere Haften: 1985-1986, 1987-1994, 1996-1998, 1999-2002, 2002-2004.
(Foto: Sepp Zaunegger, am 15. Dezember 2003 für Blaulicht und Graulicht)

(Wien, im Mai 2009) TV-Tipp für alle Ernst Walter Stummer-Fans und solche, die noch nicht genug haben: Stummer ist am 10. Mai 2009 Diskussionsteilnehmer im Wiener Haas-Haus, wenn Ingrid Thurnher die Sendung „IM ZENTRUM“ zum Thema „Haltet den Dieb! Ist die Polizei machtlos gegenüber Einbrechern und Räubern?“ moderiert. Beginn ist um 21 Uhr 55 in ORF 2. Dauer: Eine Stunde.

Hohe Polizei…

Weitere Teilnehmer sind: General Franz Lang als Leiter des Bundeskriminalamts, Wolfgang Preiszler als Leiter des Einsatzkommandos Straßenkriminalität der Wiener Polizei, Ernst Walter Stummer als Einbruchsexperte früherer Tage, Florian Klenk als Einbruchsopfer und stellvertretender Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung Falter, Karl Brunnbauer als Initiator des Bürgervereins proNACHBAR aus Wien-Hietzing und Christian Grafl als Wiener Kriminologe und Forscher.

…und Kleinkrimineller

Ernst Walter Stummer wurde als Schmähkanone und Sahnehäubchen am Freitag telefonisch vom ORF eingeladen. Er möge am Sonntag um 21 Uhr 30 im Haas-Haus sein, denn die Sendung beginnt pünktlich und live um fünf vor Zehn. Der retirierte Einbrecher (immerhin bald 71 Jahre) will ein weißes Sakko anziehen. Es wurde ihm vom Journal heute (Samstag) morgen telefonisch angeraten, eine Krawatte umzubinden.

Ganze Woche

Derzeit herrscht Medienboom um ihn. Vor zwei Tagen kam ein Reporter der „Ganze Woche“ und ließ ein Band mitlaufen. Die Zeitschrift des verstorbenen Multimillionärs Kurt Falk (hinterließ 650 Millionen Euro) zahlte kein Infohonorar, schreibt aber zwei Seiten zum Wiener Original, das von 500 Euro Notstand im Monat lebt. Immerhin haben die „Ganze Woche“ und Ernst Walter Stummer eins gemeinsam: Das Büro in der gleichen Straße (Heiligenstädterstraße).

Hörfunk Ö1

Als Nächstes will der Hörfunk (Ö1) wieder eine Sendung mit Stummer machen. Wieder deshalb, weil erst vor zwei Monaten eine einstündige Sendung mit ihm lief („Lauf, Ernst, lauf“).

Im Alter kommen also die Medienehren. Resozialsierung (19 Vorstrafen, 30 Jahre Haft) wie sie sein soll.

+++Revue+++

Stummers Beuten. (Foto: Marcus J. Oswald)

Stummers (eher) sinnvollste Beuten

  • 1. Platz: 1 Gemälde Öl auf Leinwand von Rachel Ruysch („Pflanze mit Schlange und zehn Schmetterlingen“), Wert: 1 Mio ATS – Wien 7, Museumstrasse 3-5 – 12. September 1986
  • 2. Platz: 1 Gemälde von Rudolf von Alt („Hölblinghaus in Innsbruck“), Wert: 280.000 ATS – Wien 7, Museumsstraße 3-5 – 12. September 1986 – (beide Stücke wurde Professor Fellner gestohlen, ein Onkel des heutigen Sektionschefs Fellner im Justizministerium)
  • 3. Platz: 1 Standuhr, vergoldet, im Stil Napoleon des Dritten, Wert: 60.000 ATS – Wien 3, Zaunergasse 16 – 16. Jänner 1987 (dieses Stück wurde dem mexikanischen Botschafter der Atomenergiebehörde IAEA aus der Wohnung gestohlen)

Stummers (eher) sinnloseste Beuten

  • 1. Platz: 18 Kommunionskleider – Wien 1, Elisabethstraße 15 – 28. März 1987
  • 2. Platz: 200 Flugscheine der Air Canada – Hamburg – 3. Dezember 1975
  • 3. Platz: 26 Spielzeuglokomotiven – München – 16. November 1975

Stummers Sager. (Foto: Marcus J. Oswald)

Stummers Sager (Zitate entnommen den zahlreichen Aufzeichnungen; Archiv ist seit 2003 in Blaulicht und Graulicht-Archiv aufgegangen)

  • „Ich glaube, Kriminalität ist eine politische oppositionelle Ordnung.“ (Aufzeichnungen in Sonnberg, 2000)
  • „Natürlich will kaum ein ehemaliger Gefangener nach seiner Haft tatsächlich wieder Straftaten begehen. Aber aus der Ausgangssituation, in der er nach der Haft entlassen wird, steht er nach Verbrauch seines Entlassungsgeldes wieder genau dort, wo er vor seiner Haft stand und hat durch die Haft noch sehr viel mehr an Schulden und Verpflichtungen, die er schon vorher nicht erfüllen konnte. Was der Staat jetzt macht, ist eine „erfolgreiche“ indirekte Aufforderung, der ehemalige Gefangene soll wieder einbrechen, betrügen, rauben etc. gehen, damit die Arbeitsplätze von Justiz, Polizei, Rechtsanwälten, Richtern, Sozialarbeitern erhalten bleiben. Wir Gefangenen finanzieren eigentlich eine Justizindustrie! (Auszug aus Manifest „Wenn Täter Opfer des Staates und ihrer Organe werden“, Sonnberg 2000)
  • „- § 1 Das Recht geht nicht vom Volk aus, sondern von Interessensgruppen und deren finanzieller Substanz, die sich Meinungsmacher über PR-Agenturen, Vereine, Verbände, religiöse Organisationen leisten können.
    – § 2 Daraus folgt, dass fast jedes Gesetz ein Verbrechen gegenüber einer durch Mehrheit benachteiligten Interessensgruppe ist.
    – § 3 Gefängnisse gehören daher zuerst reduziert, in Therapieanstalten umgewandelt und dann abgeschafft.“ (Auszug aus „Manifest“)
  • „Die Arbeitszeit von Strafgefangenen in Österreich ist etwa die gleiche wie die der Normalbürger in Freiheit. Allerdings gibt es für Gefangenen keinen Urlaub und es wird 12 Monate im Jahr gearbeitet. Bei der Berechnung der Arbeitszeit müssten daher zumindest 13 Monate im Jahr berechnet werden, wenn man das Urlaubsmonat nicht als Überstunden doppelt berechnen könnte. Und warum soll man das nicht können? Die Justiz sperrt Rechtsbrecher ein und bricht selbst geltende Arbeitsrechte.“ (2000)
  • „Gefängnisse gehören spezialisiert: Rauschgiftsüchtige gehören in eigene Gefängnisse, wo sie auf ihre Sucht betreut und geheilt gehören. Das müsste vor allem das Interesse der Oligarchen bis abwärts zum Mittelstand sein, denn vor allem die vermögen ihren Kindern so viel Geld zu geben, dass sie süchtig werden können. Wie kommen ’normale‘ Gefangene dazu, dass sie durch den psychischen Druck in Haft und durch Beeinflussung ihrer intellektuell und materiell höherstehenden süchtigen Mitgefangenen süchtig gemacht werden und dazu animiert werden, als Freigeher und bei Ausgängen Rauschgift in die Haftanstalten zu schmuggeln!“ (2000)
  • „Andere hatten Frauen – ich bin halt Einbrechen gegangen.“ (Stummer vor Richter 1979)

Nur Zweckehe. (Foto: B&G)

Stummers Haften (aus den Akten zusammengestellt von Marcus J. Oswald):

Stummer 1968 - 30 Jahre alt. (Foto: Archiv)

1958 6 Monate bedingt für „Unzucht“ mit einem 13 jährigen Mädchen
1959 3 Tage – Fahrrad(pedal)diebstahl
1960 6 Monate – Auslageneinbruch
1961 3 Monate – Einbruch
1961 1 Monat – Einbruch
1962 4 Monate – Einbruch
1963 8 Monate – Einbruch
1964 8 Monate – Einbruch
1965 36 Monate – Einbruch (Haft in Stein)
1969 36 Monate – Einbruch (Haft in Stein)
1972 8 Monate – Zuführung zu Prostitution (Haft in Wien)
1977 72 Monate – internationale Einbruchsserie (Haft in Garsten)
1985 18 Monate – Einbruchsversuch in Linz (Haft in Linz)
1987 84 Monate – internationale Einbruchsserie (Haft in Stein)
1996 18 Monate – Einbruch (Haft in Sonnberg)
1999 30 Monate – Einbruch (Haft in Sonnberg)
2002 24 Monate – Einbruchsversuch (Haft in Wien-Simmering)
(plus 2 Zusatzstrafen/Widerrufe, die sich nicht mehr erheben lassen)
Summe: 362 Monate Haft
Seit 28. Jänner 2004: Straffrei!

Großzügig: Roland Friis. (Foto: Oswald)


11/2007 – Erster Freispruch überhaupt seit 1958 – Vorwurf Einbruch (Vtdg. Roland Friis) vor Wiener Schöffen. Auf Ersuchen des Herausgebers Marcus J. Oswald vertrat Strafverteidiger Roland Friis den Stummer kostenlos! Der Freispruch war eine gemeinsame Kraftanstrengung mehrerer Leute.

Am 28. Jänner 2004 wurde Ernst Walter Stummer entlassen und sah seither nie wieder ein Gefängnis von Innen! (Foto: Marcus J. Oswald)

+++

Weiterblättern (nur Wesentliches):
Nach acht Jahren – Verhandlung Stummer gegen Österreich am EGMR (25. Juni 2010)
Marcus J. Oswald und Martin Luksan über: Ernst Walter Stummer 1968 (13. September 2009, Lesestück aus: 2003)
Stummer im ORF – Im Zentrum (9. Mai 2009)
Einbruch in Golf Löwe (2007) – Verdacht lag auf Stummer (18. Mai 2009) – offline gesetzt
Stummer im Kurier (Doppelseite) (15. Mai 2009)
Ernst Walter Stummer – Rein kommt man überall (11. Mai 2009)
Stummer im Kino – Bei Diskussion (9. April 2009)
Stummer, Sommer, Leisch am Karfreitag für Abschaffung der Gefängnisse (4. April 2009)
Einbrecher i. R. Ernst Walter Stummer ab morgen beim Jobcoaching (9. November 2008)
Artikel zu Stummer im Fachorgan “Der Kriminalbeamte” – durfte nicht erscheinen (25. Mai 2007; mit PDF)
Stummers Freunde (bei der Polizei) (22. Dezember 2006)
Stummer als Symbolfoto (13. Juni 2006)
Stummers zweiter NEWS-Auftritt (18/2006) (27. Mai 2006)
Stummers Inserat auf Love.at (15. Jänner 2006)
Stummers Gastauftritt (in Oswalds Stamm-Trafik mit ATV) (24. Oktober 2005)
Sicherheitsvideo – Ernst Walter Stummer – Einbrecherking (22. Oktober 2005)
Stummers Fussball (18. Oktober 2005)
Stummers Geheimprostituierten-Katalog (9. September 2005)
Stummers Kinder (20. August 2005)
Stummers Hochzeit (4. August 2005)
Stummers 700 Frauen (14. Juni 2005)
Stummers Messeauftritt (20. Februar 2005)
Stummer gegen Republik Österreich (12. Februar 2005)
Stummers Marketingaktion (noch ohne Fotos!) (5. Februar 2005)
Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 3 (24. Juli 2003)
Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 2 (10. Juli 2003)
Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 1 (27. Juni 2003)
Brief an Stummer – Meine Spalte – Kolumne in Augustin (2003) (28. Mai 2003)

Marcus J. Oswald (Ressort: File Ernst W. Stummer)

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Nach acht Jahren – Verhandlung Stummer gegen Öesterreich am EGMR (25. Juni 2010) Stummer im ORF – Im Zentrum (9. Mai 2009) Einbruch in Golf Löwe (2007) – Verdacht lag auf Stummer (18. Mai 2009) – […]


Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: