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Russisch für Kriminelle (und die mit ihnen zu tun haben)

Posted in Buch, Wissen by sicherheitwien on 16. Juni 2009

Mit diesem Buch (10,5 cm x 15 cm) steckt man russische Kriminelle in die Tasche. (Foto: Bucharchiv Oswald)

(Wien, im Juni 2009) Die Buchhändlerin lachte. Die Buchhändlerin in „Morawa“ in der Wiener Innenstadt lachte sehr, als sich der Herausgeber vor zwei Tagen ausgerechnet für ein kleines Büchlein interessierte, das man in jede Hosentasche stecken kann: „Russisch im Polizeialltag“. Die Buchhändlerin hat jede Menge „Russisch-Bücher“ in der Wörterbuchabteilung. Langenscheidt, Pons und andere Verlage setzen auf Russisch. Doch dieses eine ist rar. Es ist der Buchhändlerin in Erinnerung – und sie hat sogar eines lagernd. Dieses wird gekauft – um 10 Euro 90.

Russisch ist keine Weltsprache, aber im Vormarsch. Kürzlich berichtete ein Artikel der „Izvestia“ (dt. Nachricht), eine Zeitung mit nur 230.000 Auflage, die aber Führungskräfte informieren soll, dass die einzig globale Weltsprache „Englisch“ ist. Ein kalifornisches Unternehmen analysierte, dass derzeit eine Million englische Vokabeln in Umlauf sind. Damit ein Wort anerkannt und registriert wird, muss es zumindest 25.000 Mal in einem Text (Buch, Zeitung, Internet) verwendet worden sein.

Cyrillisch

Russisch ist schwierig, aber es ist zu lernen. Der Stiefvater des Herausgebers lernt mit knapp 70 derzeit russisch. Die Kriminellen können russisch und die Polizeibeamten in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht. Was tun? Einen Grundkurs machen? Dauert ziemlich lange. Besser ist das Taschenbuch der hessischen Dolmetscherin Albina Klement. Es hat nur 100 Seiten, Pocketformat und gliedert sich in drei Abschnitte:

  • „Der Lexikalische Teil“ (S. 4 – 50),
  • „Der Informationsteil“ (S. 52 – 60) und
  • „Die Kopiervorlagen“ (S. 76 – 100).

Sprachbarriere überbrücken

„Dieses Nachschlagewerk soll jedem Polizeibeamten bei seinem täglichen Dienst den Beistand zukommen lassen, welcher seine Arbeit bei Kontakt mit einer Russisch sprechenden Person erleichtert“, schreibt Klement im Vorwort. Weiter: „Gerade für den Bereich des Ersten Angriffs, dort wo noch keine Dolmetscher/in zur Verfügung steht, kann das Buch hilfreich sein und zur sprachlichen Unterstützung dienen.“

Klement war Dolmetscherin. Im Land Hessen (Deutschland) war sie auch Gerichtsdolmetsch und Lehrerin in einer Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden, mit dem Fachbereich Polizei. Sie unterrichtete auch für angehende Polizisten in Hessen russisch. Das Buch verfasste sie, weil der Kontakt zwischen Delinquenten und Polizisten immer schwieriger wurde. Sprachbarrieren machen die Ermittlungen zähflüssig.

Die Autorin wandelte sich von der kleinen Dolmetscherin zur Unternehmensberaterin. (Fotoauszug: Buch Russisch im Polizeialltag, Seite 1, Frankfurt 2006)

Für weitere Fragen zum Buch und zur russischen Sprache steht die Autorin 2006 laut Seite 1 im Buch auf der angegebenen Homepage www.sprachdienstehome.de zur Verfügung. Sagt sie. Gibt man diese Adresse 2009 ein, kommt es zu einem Redirect. Die Umleitungsautomatik führt zu einer Firma namens Mescor Deutschland, die sich eher mit Unternehmensgründungen befasst.

Wie auch immer. Im Büchlein sind interessante Worter kompakt erfasst. Einige Beispiele aus dem Alltag:

  • Zeigen Sie bitte Ihre Papiere! – Pokaschite, poschalusta, vaschi dokumenty!
  • Hören Sie mit dem Sprechen auf! – Perestante rasgovarivat!
  • Aufhören! – Perestante!
  • Ich rauche nicht! – Ja ne kurju!
  • Haben Sie etwas gesehen? – Vy tschto-nibud videli?
  • Können Sie sich erinnern? – Vy smoschete vspomnit?
  • Wie war die Bekleidung? – Kak on byl odet?
  • Kann ich Ihnen helfen? – Ja mogu vam pomotsch?
  • Gehen Sie auseinander! – Rasojdites!
  • Zurück! – Nasad!
  • Verlassen Sie das Gebäude! – Vyhodite na ulizu!
  • Verlassen Sie das Zimmer! – Vyhodite is komnaty!
  • Verlassen Sie die Wohnung! – Vyhodite is kvartiry!
  • Verlassen Sie das Haus! – Vyhodite is doma!
  • Ruhig bleiben! – Spokojno!
  • Keine Panik! – Ne panikutje!
  • Nicht drängeln! – Ne tolkajtes!
  • Polizei! – Polizija!
  • Personenkontrolle! – Proverka dokumentov!
  • Zeigen Sie mir Ihren Pass! – Pokaschite mne Vasch pasport!
  • Bleiben Sie stehen! – Ostanovites!
  • Bleiben Sie ruhig! – Uspokojtes!
  • Heben Sie die Hände hoch! – Podnimite ruki wwerch!
  • Drehen Sie sich um! – Povernites!
  • Ich möchte Ihre Hände sehen! – Pokaschite mne Vaschi ruki!
  • Wo wohnen Sie? – Gde Vy schivjote?
  • Woher kommen Sie? – Otkuda Vy prijechali?
  • Bitte kommen Sie mit! – Idite, poschalusta, sa mnoj!

Im hinteren Buchabscnhitt wird ein kurzer Abriss über Russland und seine Geografie gegegen. Ferner enthält das Buch im Infoabschnitt mehrere farbige Ansichten, wie ein Reisepass der „Russischen Föderation“ und der Führerschein ausssieht. Ganz hinten sind „Kopiervorlagen“ enthalten, Beschuldigtenvernehmung, Zeugenvernehmung, Sachverhaltsbögen – auf deutsch und russisch.

Insgesamt ein interessantes Büchlein, klein und lehrreich. Das Lernen der russischen Sprache bleibt nicht erspart. Die Buchhändlerin im Morawa in der Wiener Innenstadt hat indessen schon neue Exemplare nachbestellt.

Es liegt immer am Kriminellen, ob er aussagen will oder nicht. (Fotoquelle: Russisch im Polizeialltag, S. 100)

Marcus J. Oswald (Ressort: Wissen, Buch)

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