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Katzenmutter als Betrügerin verurteilt – Phänomen Tierhortung

Posted in Betrug, Strafprozesse by sicherheitwien on 14. September 2009

Kein Fall von Tierhortung, denn Tierparks oder sogenannte Streichelzoos dürfen Tiere zeigen. Im Bild das Kaupizieneräffchen im Tierpark Wels. (Foto: Oswald)

(Wien/Graz, im September 2009) Am Landesgericht Graz wurde am 11. September 2009 eine Frau nach Betrug verurteilt. Es ist eine „Katzenmutter“, die ihre Tierärztin betrogen hat. Es ging um 4.000 Euro offene Rechnungen für Katzen.

Das wäre noch nicht berichtenswert, jedoch: Die Grazerin hat 300 Katzen. 20 schlafen bei ihr im Bett. Jedes dieser Katzenviecher hat einen Namen und die 54-Jährige will sich alle merken. Es ging aber nicht um die Namen Schnurli, Petzi und Bärli 1-27, sondern darum, dass die Frau nur von 600 Euro Arbeitslosenunterstützung lebt. Eindeutig zu wenig Kapital. Allein die Katzenfutterkosten machen 350 Euro pro Woche (!) aus. Die Frau lebt daher auch von Spenden und vom Unterhalt des Exmannes. Das alles geht in riesige Mengen Katzenfutter auf. Und in Tierarztkosten.

Anzeige durch Tierärztin

Die Ärztin zeigte die Frau wegen offener Rechnungen aus dem Jahr 2008 an. Die Staatsanwaltschaft Graz ging davon aus, dass die Frau wusste, dass sie die Rechnungen nicht zahlen konnte und dennoch den Facharzt laufend mit den Pelztieren aufsuchte. Es setzte eine Strafe: Zehn Monate bedingt auf drei Jahre, da eine Schadenswiedergutmachung im Gerichtssaal mit 2.000 Euro sofort erfolgte!

Animal Hoarding (Tierhortung)

Bei diesem Thema geht es nicht um Tierliebe, sondern um Tierhortung. Das ist ein neuer Begriff, der, so wollen es Psychologen, in die Kategorie der Krankheiten etabliert gehört. Immer wieder finden Feuerwehrleute oder Polizisten vor allem in städtischen Wohnungen einen ganzen Zoo an Tieren. 50, 60 Kanarienvögel in einer 60 Quadratmeter-Wohnung im engen Käfig sind keine Seltenheit mehr. Dazu ein paar Nager und Katzen und Hunde. „Tierhortung“ wird als psychische Krankheit gesehen, die über Tierliebe und Tierpflege hinausgeht.

„Tierhorter“ sind Spezialausgaben von Menschen, die mehr mit Tieren reden als mit Menschen. Statt in die Trafik des Herausgebers zu kommen und eine halbe Stunde gesunden Schmäh zu führen, reden sie zu Hause mit dem Pudel oder mit der Riesenschlange.

Tierhorter sind verschuldet, isoliert und genießen Macht über Viecher

Die Wiener Zeitung brachte kürzlich zu diesem Phänomen einen interessanten Artikel. Darin wird ein Psychiater (Siegfried Kasper, MedUni Wien) so zitiert: „Menschen, die sich allein gelassen fühlen, genießen es, wenn zumindest die Tiere von ihnen abhängig sind.“ Tierhorter zeichnet noch etwas aus: Sie sind meist schwer verschuldet, weil die Futtermassen ihre Pension oder ihr Einkommen auffressen. Wie im oben genannten Straffall aus Graz fließt mehr als das Einkommen allein für Tierfutter weg. Echte Tierhorter denken nicht daran, dass sie die Tiere weggeben. Im Gegenteil! Manche beginnen mit Zucht und Verkauf des Nachwuchses – um das Futter für die anderen Tiere zu finanzieren. So entsteht ein kranker Kreislauf. Oder wie es eine Psychotherapeutin (Elisabeth Vykoukal) nennt: Ein Paralleluniversum. Die Isolierung von Menschen wird – ähnlich beim Messie mit Sammeln von Gegenständen – mit dem Sammeln von Tieren kompensiert.

Tierhaltung im Rudel deutet auf psychische Krankheit – Paralleluniversium!

In Wien hat die Tierombudsstelle (TOW) mit solchen Phänomenen Erfahrung. Käfige mit 70 Federviechern in Kleinstwohungungen, Schlangen und Schildkröten in der Badewanne, ein Rudel Katzen in Wohnungen. All das geschah schon. Früher erstattete die Behörde der MA 60 (Veterinäramt) Anzeige. Heute geht man in Wien den milderen Weg und nimmt die Tiere nur ab, ohne in den meisten Fällen Anzeige zu erstatten. Da man das Phänomen „Tierhortung“ kennt und als Krankheit definiert.

Manchmal kann die Tierliebe aber auch in „Betrug“ ausarten. Siehe oben.

Marcus J. Oswald Ressort: Betrug, Strafprozesse)

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