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Österreichisches Bundeskriminalamt facebooked

Posted in Bundeskriminalamt by sicherheitwien on 29. Dezember 2009

Meilenstein: Das Bundeskriminalamt Wien ist seit 27. November 2009 im sozialen Netzwerk Facebook mit einer Seite beigetreten. Man will Informationen vor allem zu Prävention unter die Leute bringen. Erste Einträge mit Tipps begannen am 19. Dezember 2009. (Foto: BK am Joschi Holaubek-Platz)

(Wien, im Dezember 2009) Das hat sich Mark Zuckerberg nicht erträumt. Als er zarte 20 Jahre alt war, erwickelte der smarte Internautiker ein Online-Netzwerk, das Harvard-Studenten untereinander verbinden sollte. Fünf Jahre später wurde es eine Erfolgsgeschichte wie einst das Internet, das ganz zu Beginn auch nur einige Universitäten untereinander verbinden sollte. Was darauf folgte, wurde mehr als ein Bubenstreich einiger Informatiker und ist bekannt: Es beginnt die Ära-Post-Gutenberg, die komplette Digitalisierung der Welt.

Die großen Dinge wie das 2001 gegründete Wikipedia haben das Informationsverhalten verändert – die Seite hat 380 Millionen Zugriffe im Monat. Das 2004 gegründete Facebook schaffte heuer (also bald voriges Jahr) den Durchbruch – zirka 300 Millionen User haben einen Account, der es möglich macht, andere Profile zu lesen.

„Facebook“ strebt eine Milliarde User in den nächsten Jahren an und es hat eine andere Zielgruppe als die beiden anderen größeren sozialen Netzwerke studiVZ und netlog. StudiVZ will Studenten und Schüler vernetzen. Netlog ist vor allem unter Pubertierenden ein Renner, hier gehen das erste Mal 13-Jährige mit zarten Versuchen eines Online-Auftritts selbsttätig ins Netz. „Facebook“ ist die Plattform der erwachsenen Liga. Das Portal wird unterschiedlich genutzt, manche tun es politisch, andere privat. Jedenfalls ist Mark Zuckerberg Vorstandsvorsitzender und zu 30% Inhaber der Webplattform. Beteiligt sind auch Microsoft (1,6%) und ein russischer Software-Konzern namens Digital Sky Technologies (5%). Der aktuelle Wert des Unternehmens wird auf 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Bundeskriminalamt Wien im Facebook

Nun ist das österreichische Bundeskriminalamt mit einem „Facebook“-Auftritt an die Schwelle der neuen Zeit getreten. Der Auftritt ist seit 27. November 2009 online, erste inhaltliche Einträge erfolgten knapp vor Weihnachten. Am 19. Dezember 2009 schreibt der Admin des Facebook-Auftrittes: „bei allen neuen dingen ist der dienstgeber anfangs vorsichtig. facebook wird früher oder später vermutlich auch zum dienstlichen alltag gehören, wie jetzt internet, e-mail etc. es dauert alles immer eine zeit. aber wir sind durch schaffung der bk-facebook-seite auf dem richtigen weg und du auf der richtigen facebook-seite! danke“.

Man will die Erwartungen weder dämpfen, noch zu hoch schrauben, sondern einen soliden Auftritt hinlegen, der nützlich für die „Fans“ und motivierend zugleich ist, die Information gezielt zu streuen. Das ist auch der Hintergrund eines solchen Auftrittes: Präventionsarbeit war bisher immer sehr personalintensiv und es ist ein Vieraugen-Geschäft. Der Präventionsbeamte erzählt und einer oder zwei Interessierte hören zu. Bei Facebook könnte sein, dass die Information durch das besondere „Verteilsystem“ ein Selbstläufer wird. Ist eine Information oder ein Tipp gefällig aufgebaut und gut zu lesen, verteilen es viele User über ihre eigenen Briefkästen an Freunde, die wiederum „Fans“ der Bundeskriminalamtsseite werden können.

Anschauliche Tipps gegen Christbaumbrand

Die erste „Welle“ an Information betrifft den Christbaumbrand. Jährlich geschehen sinnlose Feuerwehreinsätze und sterben sinnloserweise Menschen an Rauchgasvergiftungen, weil sie nicht aufpassen, wenn sie ein „offenes Feuer“ mit zehn, fünfzehn Kerzen an einem dürren Tannenbaum veranstalten. Das wäre zu verhindern und es sind einfache Tipps. Das Bundeskriminalamt stellt auf Facebook aber auch ein eindrucksvolles Kurzvideo zur Verfügung. Es zeigt, dass es exakt 46 Sekunden braucht. Schlägt der Funke an einem Christbaum einmal über, steht 46 Sekunden später das ganze Zimmer in Vollbrand. Da gibt es keine Rettung mehr. [„Blaulicht und Graulicht“-Tipp wäre ergänzend: Handfeuerlöscher im Autogeschäft kaufen (30 Euro) und bereithalten. Wenn es brennt, reichen auch zwei volle Wasserkübel nicht aus!]

Weiters gibt die Facebook-Seite saisonale Präventionstipps zum Thema „Schidiebstahl“, „Wohnungseinbruch zur Winterurlaubszeit“ und „Taschendiebstahl“ von Geldbörsen und Bankomatkarten. Es sind einfach gehaltene Tipps und deswegen sind sie richtig. Das Leben artet in Routine aus, man macht vieles automatisiert und wird schlampig. 2009 wurde laut Polizei „Jahr des Einbruchs“. Nie zuvor wurde es Dieben so leicht gemacht. Daher ist die Facebook-Seite ein richtiger Ansatz, neue Zielgruppen zu erreichen und zu motivieren. Die Schi nicht in den Schnee zu stecken, wenn man beim Glühwein sitzt (sondern in den Hotelkeller sperren!). Die Wohnungstür nicht nur ins Schloss fallen lassen (sondern zwei Mal – oder besser vier Mal mit zwei Schlössern – absperren!). Geldbörsen im öffentlichen Verkehr immer in der Innentasche einer Jacke tragen (nie in Rucksack oder Handtasche, sowie Codes getrennt von der Brieftasche aufbewahren!). Es sind kinderleichte Tipps und dennoch: Der Mensch ist ein Routinewesen, das schlampig wird und seine Habe nicht mehr sichert. Er muss wie ein kleines Kind auf die einfachsten Sicherungsmassnahmen immer wieder hingewiesen werden. Das hat die Facebook-Seite vor.

Link: Facebook-Profil – Bundeskriminalamt Österreich

[Interner Nachtrag: Die Seite „zieht“. Die BK-Facebook-Seite hatte am 29. Dezember 2009 um 4 Uhr 17 erst 232 „Fans“ und um 22 Uhr 14 schon 904 „Fans“. Das ist ein beachtlicher Sprung.]

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt)

Eine Antwort

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  1. […] nein, nicht uniformiert, nein, in Zivil. Und ganz amikal. Man kann sich noch gut erinnern, wie das österreichische Bundeskriminalamt seinen „Facebook“-Auftritt im Dezember 2009 seinen Start machte. Mit dem Du-Wort: „wir sind durch schaffung der […]


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