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Harald J. – ein alter Bekannter – Polizei sucht Geschädigte wegen Wohnungsbetrug

Posted in Betrug, Opferaufruf by sicherheitwien on 30. September 2010

Harald Jäckl - wieder in Haft! Vorwurf Wohnungsbetrug. (Foto: Polizei)

(Wien, im September 2010) Der mittlerweile 61-jährige Wiener Harald J. mit dem gefärbten schwarzen Haar und den auffrisierten Augenbrauen ist ein alter Bekannter der Wiener Polizei. Die Haare wurden schütter, doch er färbte sie auch in der Justizanstalt Hirtenberg regelmäßig. Im „Modul 1“ der Wohngruppe der JA Hirtenberg hatte er 24 Stunden die Zellentüren offen, einen eigenen Türschlüssel und einen schön eingerichteten Wohnraum für sich ganz alleine samt Kabelfernsehen und PC und jede Menge Ausgänge im Monat (sieben Tage). Er war in der Anstaltsbibliothek beschäftigt, las Bücher, trug sie aus und war in seinem Kopf bereits 2008 mit neuen Coups beschäftigt. Denn er musste auch überleben, dachte er sich.

Im Juni 2001 war Harald Jäckl handelsrechtlicher Geschäftsführer im Card Casino in Drobollach am Faakersee. Sein Mitgesellschafter war Peter Fichtenbauer von der FPÖ, heute Justizsprecher der Parlamentspartei. Am 6. März 2002 begann für Harald Jäckl eine Haft, die erst Ende 2009 enden sollte. (Foto: Firmenbuchauszug 6. Juni 2001, Archiv)

Harald J. saß eine siebenjährige Haftstrafe wegen zwei Fällen des Schweren Gewerbsmäßigen Betruges von März 2002 (LG Wien 114 Hv 117/02i – vier Jahre, LG Wien 112 Hv 2/06v – dreieinhalb Jahre, dazu eine Sache vom LG Wiener Neustadt von einem Monat) bis Ende 2009 „am Stück“ ab. Es ging um Casinoprojekte, Caféhausprojekte, Kredite. Vor seiner Haft war er mit dem späteren NR-Abgeordneten der FPÖ Peter Fichtenbauer Gesellschafter in einem Card Casino in Kärnten gewesen. Im November 2009 wurde Harald Jäckl in die vage Freiheit entlassen. Er kaufte sich von seiner Rücklage einen guten Anzug und setzte sich ins beste Wiener Café.

1998 in JA Josefstadt viele Monate in Haft

Bereits 1998 drehte Harald J. seine Runden in der Justizanstalt Josefstadt mit dem Salzburger Sexklubbetreiber Lechner, der das Kunststück zu Stande brachte in Berlin und dann auch Wien das erste „Bordell für Frauen“ zu entwickeln. Ob es das Berliner noch gibt, entzieht sich der Kenntnis. Das Wiener heißt mittlerweile Exzess-Bar und ist ein normaler „Sauna-Club“ am Nussdorfer Gürtel nahe dem Bundeskriminalamt. Lechner kam kürzlich in die Schlagzeilen, weil das russische „Katzi“ des Richard Lugner in seiner Bar als Animierdame gearbeitet haben soll. (Was sie auch tat. Lugner bestreitet. Lechner hält sich bedeckt.)

Harald J. war in den 90er Jahren im Sexgeschäft rund um die Wiener Neustädter Szene tätig und er war damals lange Monate in Untersuchungshaft, weil nach Menschenhandel, Zuführung zur Prostitution und Betrügereien ermittelt wurde. Es dürfte nicht viel herausgekommen sein. Denn Mitte 1998 sah der Herausgeber dieses Journals Harald J. im blütenweißen (!) Doppelreiher-Anzug und mit weißem Sonnenhut gut sichtbar im Schanigarten des Wiener Innenstadtlokals „Daniel Moser“ in der Rotenturmstraße sitzen.

Doch Anfang der 2000er Jahre klickten abermals die Handschellen. Es wurden sieben Jahre Haft, die er in den letzten fünf Jahren (2005 – 2009) in Hirtenberg absaß. Es war die Zeit, als auch der Bruder von Werner Rydl acht Jahre Haft in Hirtenberg absaß und die AMIS-Betrüger Harald Loidl (Wäscherei) und Dietmar Böhmer, aber auch der Rotlicht- und Glücksspielunternehmer Harald Hauke (bis 2007, Hausfazi) in Hirtenberg zugegen waren.

Neuerliche Festnahme – Vorwurf Betrug!

Nun hat die Wiener Polizei Harald J. neuerlich festgenommen. Er steht im Verdacht, dass er eine einzige Wohnung, nämlich seine Gemeindebauwohnung mehrfach vermietet hat. 26 Geschädigte soll es bereits geben. Er traf die Personen – meist aus den Bundesländern – in einem Café in der Wagramer Straße und kassierte 400 Euro Vorleistung. Außerdem geht es um Investablösen für Möbel.

Außerdem betätigte sich J. als Kredithai und vermittelte Überbrückungskredite. Provisonslastig, versteht sich.

Die Wiener Polizei sucht nun weitere Geschädigte, die sich für Wohnungsmieten des Objektes Rugierstraße 26 (1220 Wien) mit ihm getroffen und Geldleistungen getätigt haben. J. wurde in seinem Stammcafé festgenommen, sei teilgeständig und bestreitet, die Masche auch mit einer Wohnung im 2. Wiener Bezirk umgesetzt zu haben. Da die Schadenssumme erst 10.000 Euro ausmacht, ist noch nicht von Schwerem Gewerbsmäßigem Betrug zu sprechen, da hierfür eine Schadenssumme von über 50.000 Euro nötig wäre. J. kennt das Gesetz und er ging auf Nummer sicher. Er sitzt seit zwei Wochen in der JA Josefstadt in Haft.

Opfer werden unter der Polizeidienststelle KK Nord (01/31310/67210) gesucht.

Marcus J. Oswald (Ressort: Betrug, Opferaufruf)

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