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548 Verkehrstote 2010 – Tendenz fallend

Posted in Bundespolizei by sicherheitwien on 3. Januar 2011

Statistik ist rückläufig aber noch nicht bei Null: Die Verkehrstoten. (Quelle: BMI)

(Wien, im Jänner 2011) Jahreswechsel sind die Zeiten der Statistiker und Zahlentüftler. Es ist auch die Zeit des Kassasturzes beim Thema Verkehrssicherheit. Zu Jahresbeginn 2011 werden die Totentafeln in Tabellen gepresst und zu Grafiken verarbeitet.

Die Statistik der Verkehrstoten macht in Österreich das Innenministerium, da dieses Amt die Unfallstatistiken im heimischen Straßenverkehr genau dokumentiert. Damit zu zwei Tendenzen.

Erstens: Es gibt nach wie vor Verkehrsunfälle mit Toten. Das wird sich vermutlich nicht so schnell ändern und wenn, dann vielleicht mit der Durchsetzung des Elektroautos. Im E-Auto sehen Idealisten große Chancen. Die Frage der Geschwindigkeit löst sich dann von selbst. Elektroautos fahren tendenziell langsamer, sie haben weniger PS. Das Fahren würde sich auf das reduzieren, was es eigentlich ist: Ein Hilfsdienst für den Menschen, um von A nach B zu kommen. Das E-Auto könnte zu einer generellen Verlangsamung des Straßenverkehrs führen und damit zu noch weniger Unfällen. Man wird beim Reisen im Individualverkehr mehr Geduld und Umsicht brauchen. Doch das ist Zukunftsmusik.

Zweitens: Es gibt weniger Verkehrstote in Österreich als je zuvor. Diese Nachricht ist die gute Nachricht. Doch sie hat eine schlechte Seite. Das Weniger ist noch zu wenig Reduktion. Verkehrsunfälle mit Toten sind nach wie vor Schreckensereignisse, die viel Leid anrichten, Freundskreise zerstören, Familien erledigen. 548 Mal ist das in Österreich im Jahr 2010 im Straßenverkehr geschehen. Man merkt beim täglichen Durchblättern der Zeitungen, dass es weniger wurde, aber der Teufel schläft nicht. Er ist noch da. Reduziert auf blanke Zahlen ohne die Schicksale dahinter heißt die Zahl 548 den absoluten Tiefstwert seit der Messung der Verkehrstoten, also seit 40 Jahren.

Analyse und Details

Im Detail sind 548 Verkehrstote 13 Prozent weniger als im Jahr 2009 (nominell: 84 Personen weniger). Das ist der stärkste Rückgang seit 14 Jahren. Das ist erfreulich. Nur 1996 fand ein stärkerer Rückgang zum Vorjahr (1995) statt: Es waren 15,1 Prozent. 2010 sind bei 511 tödlichen Unfällen insgesamt 548 Personen verunglückt.

Das allerstärkste Jahr der Verkehrsunfälle fand 1972 in Österreich statt. Es war ein Horror-Jahr mit 2.948 Toten! Damit verglichen beträgt der Wert anno 2010 nur mehr ein Fünftel zu diesem schwärzesten Verkehrsjahr in Österreich. Das ist deswegen interessant, weil sich der Bestand der angemeldeten Fahrzeuge in Österreich seither verdoppelt hat!

Das Bundesministerium für Inneres hat sich eine Zielvorgabe gesteckt: Man will unter 500 kommen. Dieser Wert kommt von dieser Gleichung: 1999 beklagte Österreich das letzte Mal mehr als 1.000 Tote Verkehrstote (1.079). In der Folge merkte man einen Rückgang und entwickelte ab 2001 ein groß angelegtes „Österreichisches Verkehrssicherungsprogramm 2002 – 2010“. Dieses stand auf mehreren Pfeilern, darunter Überwachung und Kontrolle sowie Prävention und Bewusstseinsbildung. Man legte damals einen Grundwert mit 1.006 Toten fest und beabsichtige, diesen Wert in zehn Jahren bis 2010 zu halbieren. Das gelang noch nicht ganz, wurde aber mit 45 Prozent Reduktion ordentlich erarbeitet.

Unfallort: Bei Bundesländern nur in Kärnten Plus, sonst Rückgang

Die Länderstatistik aus 2010 ergibt dieses: Alle Länder haben den Fuß vom Pedal gelassen, nur Kärnten drückte drauf. Acht Bundesländer verzeichnen Rückgänge, am Stärksten Niederösterreich, allerdings auf hohem Niveau.

Die Details (Land/Verkehrstote 2010, Vorjahr 2009):

  • Burgenland 20 (24)
  • Kärnten 42 (40)
  • Niederösterreich 162 (189)
  • Oberösterreich 116 (122)
  • Salzburg 41 (62)
  • Steiermark 79 (91)
  • Tirol 39 (44)
  • Vorarlberg 22 (29)
  • Wien 27 (32)

Niederösterreich führt die Statistik der Toten an. Alle Länder bauten ab, nur Kärnten legte zu. (Quelle: BMI/2010)

Art der Vehikel

Welche Fahrzeuge 2010 verwickelt waren, zeigt die Statistik auf, es starben:

  • 288 PKW-Insassen
  • 23 Lkw-Insassen (davon 16 in Klein-LKW)
  • 71 Motorrad-Fahrer (davon 4 Quad)
  • 7 Autobus-Insassen
  • 18 Moped-Fahrer (davon 2 Quad)
  • 32 Radfahrer
  • 94 Fußgänger (davon 14 auf Schutzwegen)
  • 5 Traktor-Lenker/Mitfahrer
  • 3 Microcar-Lenker/Mitfahrer
  • 7 Sonstige

Einen Zuwachs gab es 2010 nur bei Bus-Reisenden im Vergleich zu 2009. Zu den absolut niedrigsten Werten brachten des die toten Pkw-Insassen, die Mopedfahrer, Radfahrer und Fußgänger (seit 2005 erstmals wieder unter 100 Leichen!). Ferner starben wenige Motorradfahrer (Zahl bewegte seit 1992 immer zwischen 84 und 112).

Altersgruppen

Zwei Altersgruppen haben bei den Verkehrstoten die Nase vor: Die „unter 30-Jährigen“ (176) und die „über 60-Jährigen“ (166).

Bei den Fußgängern sticht die Gruppe der Senioren heraus: 60 Prozent der Verkehrstoten waren über 60 Jahre alt. Vielfach ist Unachtsamkeit die Ursache.

Bei den Kindern gab es 10 Tote (0-14-Jährige). Das ist absolut gesehen seit 40 Jahren der Tiefststand (2009: 15, 2008: 12). Vier starben als PKW-Mitfahrer (drei davon im Kindersitz). Vier starben als Fußgänger, eines war Radfahrer-Kind, eines starb auf einer Arbeitsmaschine. Zwei Unfälle fanden auf dem Schulweg statt.

Art des Unfalls

Laut Statistik waren 186 der 548 Verkehrstodesfälle (36,4 Prozent) Alleinunfälle, an denen nur ein Fahrzeug beteiligt ist. Auto gegen Baum, Auto gegen Brückenpfeifer, Auto von Brücke und so weiter.

Zehn Personen starben in Straßentunneln (2009: sieben), davon fünf im sogenannten „hochrangigen Straßennetz“ wie Autobahnen und Schnellstraßen. Was beweist, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und sich in Ausnahmesituationen falsch verhält.

Besonders uneinsichtige Fälle geschahen 2010 wieder an Eisenbahnkreuzungen. 13 Unfälle mit 14 Toten gab es an Bahnübergängen (2009: 15). Davon kollidierten 12 Tote mit dem Zug auf Gemeindestraßen, drei davon bei Schrankenanlagen. Bei vier Unfällen hatte die Schrankenanlage „rot“ und der Lenker fuhr noch drüber. Zu spät!

Alk am Steuer (unfallkausal) lag bei 5,3 % Prozent aller Todesfahrten vor (2009: 5,6 Prozent).

Generell waren die meisten Ursachen: Rasen (36,2 Prozent), Vorrangverletzung (14,3 Prozent), Unachtsamkeit (11,0 Prozent), Überholen (10,2 Prozent), Fehlverhalten von Fußgängern (6,7 Prozent), Übermüdung (5,1 Prozent) und Herz-/Kreislaufversagen/Krankheit (1,8 Prozent).

Die meisten Verkehrsunfälle findet nicht auf der Autobahn, sondern auf Bundes- und Landstraßen statt. (Foto: Marcus J. Oswald)

Art der Straße

Von den 548 Verkehrstoten ließen 62 (2009: 65) ihr Leben auf Autobahnen, 16 (2009: zehn) auf Schnellstraßen. Das sind 14 Prozent aller Todesfahrten.

Das Gros geschieht woanderes: Bundesstraßen, ehemalige Bundesstraßen (229 Tote), Landesstraßen (143) und Gemeindestraßen (83). Private Güterwege (8) und sonstige öffentliche Verkehrsflächen (7). An Baustellen ereigneten sich 2010 fünf Todesfälle (2009: 8), davon 3 auf Autobahnen und Schnellstraßen.

Neun Unfälle (davon sieben auf Autobahn) führten zu Karambolagen mit neun Toten. Vier Personen starben durch Unachtsamkeit am Pannenstreifen. (2009: 14 Unfälle/16 Tote bei Vorausunfällen, davon 3 auf Pannenstreifen).

Tot zu Fuß

Vierzehn Fußgeher wurden auf Schutzwegen an Kreuzungen überfahren, davon sieben bei ungeregelten Kreuzungen und sieben bei Ampelkreuzungen. Ein Toter war ein „Rotgeher“. Er ging bei Rot und landete im Himmel. Die Zahl der Fußopfer bei Schutzwegen ist rückläufig (2009: 19 Tote).

Seitenmerkmale 2010

Andere Marker: 65 Tote waren nicht angegurtet. Fünf Todeslenker machten Fahrerflucht. Drei Todeslenker hatten keinen Führerschein. Drei Motorradlenker starben ohne Sturzhelm. Zwölf Mal brannte ein Auto nach dem Unfall. Das Geisterfahreraufkommen ist rückläufig: Es gab 2010 einen in der Steiermark, der starb (2009: 2). Der schwerste Unfall war 2010 ein Busunfall: Am 21. Februar starben in Niederösterreich sechs Personen.

Inland – Ausland

Die Quote Inländer zu Ausländer beträgt bei den Verkehrsopfern 86 zu 14. Von 548 Verkehrstoten waren 77 Ausländer (14 Prozent). Bei der Verursacherquote von tödlichen Unfällen verhält es sich 84 zu 16. Von den 511 Unfällen die zu 548 Toten führten, verursachten 79 Ausländer das Blechknäuel am Schlachtfeld Straße.

Man wartet auf die Abschaffung des Autos und das E-Auto. Dann wird alles anders.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundespolizei)

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