Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Herausgeber fast ein Held – Einbruch im Wohnhaus

Posted in Einbruch by sicherheitwien on 5. Januar 2011

Der Rest war Dietrich-Arbeit. Im Bild das Chicago-Besteck. (Foto: Archiv)

(Wien, im Jänner 2011) Manchmal hat man Glück. Das Roulette drehte sich und die Kugel fiel nicht auf 14, sondern auf die im Casino angeblich beliebte Zahl 17. Es hätte auch 14 sein können. Am 5. Jänner 2011 fand nächtens ein Wohnungseinbruch im Haus des Herausgebers am Wiener Alsergrund statt. Wie blöd man ist, sieht man daran, dass man es nicht verhindert hat.

Beinahe-Zeuge, Beinahe-Held der Zeit

Man erkennt auch, dass es reiner Zufall ist, ob man einen Einbruch verhindern kann. Auf jeden Fall: Am 5. Dezember 2010 um 12 Uhr mittag war die Spurensicherung im Haus und die im Urlaub weilenden Wohnungsinhaber kurz da. Gestohlen wurden: Schmuck und Geld! Die Inhaber wohnen schon Jahre in dieser Wohnung im vierten Stock.

Besonders ärgerlich ist, dass der Herausgeber ganz knapp dran war, den Einbruch live wahrzunehmen. Aber eben nur ganz knapp. Knapp daneben, ist auch daneben. Denn: Üblicherweise leidet der Herausgeber an chronischer Schlaflosigkeit. Daher wartet er gerne auf seinen Zeitungsausträger, um sich mit dem Valium der Tageszeitunginformation vollzupumpen, damit man gut schlafen kann. Der Austräger kommt zwischen 3 Uhr 30 und 4 Uhr morgens und bringt den Packen Zeitungen. Üblicherweise wird abends alles registiert, was in der Nacht auf der Straße vor dem Haus oder gar im Haus passiert. Macht der Gewohnheit!

Luftschnappen um 1 Uhr morgens

Vor einmal halben Jahr zum Beispiel machte sich jemand unten beim Lift des Hauses gegen 1 Uhr morgens am Fahrradschloss des einzigen Fahrrades, das beim Lift angekettet ist, zu schaffen. Das Feine an gutem Gehör ist, dass man das vierzig Meter gegen den Wind hört. Vor allem wenn man eine starke Bindung zu seinem Fahrrad hat. Der Herausgeber machte das: Er ging um 1 Uhr morgens Luftschnappen. Er verließ seine Wohnung, begab sich einige Etagen zu Fuß nach unten zum Haustor. Wie er das tat, hörte er wie das Haustor zwanzig Sekunden vor seinem Ankommen ins Schloss fiel. Der Herausgeber stellte sich dumm und arglos und ging geradewegs aus dem Haus hinaus. So als hätte er das nicht bemerkt. Nicht ohne zu wissen, dass rechts beim nächsten Hauseingang jemand in der Dunkelheit steht. Als das mitternächtliche Luftschnappen begann, drehte sich der Herausgeber nach dreißig Metern Gehen und Luftschnappen kurz um, um die schöne Pracht seines Wohnhauses von Außen zu betrachten. Es ist eine Pracht anzusehen. Es ist die Hausnummer 7. In der Tat stand bei Hausnummer 5 jemand im Toreingangsflur im Schatten versteckt. Er reckte sein Gesicht kurz vor und zog es wieder hinter der Mauerkante zurück. Der Herausgeber tat so, als hätte er nichts gesehen. Immerhin: Das Rad wurde ihm nicht gezupft. Was solle man tun? Zum Unbekannten hingehen? Einen Bauchstich kassieren? Wozu? Es wurde nichts gestohlen. Der Herausgeber setzte seinen Spaziergang fort, ging von seinem Haus weg und vor zum Wachzimmer der Polizei. Dort sagt er, dass jemand sich im Haus versteckte. Die Funkstreife fuhr los, der Mann war leider schon weg. Man soll keinen Ehrgeiz daraus entwickeln.

Auskundschafter weggeschickt!

Einmal klappte das „Wegschicken“ der Auskundschafter aber. Halbes Jahr davor: Gegen 12 Uhr 30 unterhielten sich einen Stock unterhalb des Herausgebers zwei Personen angeregt. Junge Männer Mitte 20. Akzent: Georgisch. Zufällig kennt der Herausgeber aber alle im zweiten Stock: Das ältere Ehepaar, der Witwer, der seiner Frau noch immer nachtrauert, das Pensionistenehepaar aus Serbien und die türkische Familie mit zwei studierenden Kindern. Die zwei Georgier passten nicht ins Bild. Sie unterhielten sich leise, hörten in den Takt des Hauses hinein. Gute Auskundschafter müssen ein Haus mit der Seele fühlen. Sie brauchen Gefühl, ein Gehör, in welcher Etage sich gerade in der Mittagszeit (Stichwort: Mittagseinbruch) am Wenigsten oder am Meisten regt. Da der Herausgeber ein paar Worte Georgisch kennt, konnte er die Sprache zuordnen, aber niemandem im Haus. Es ist auch nicht bekannt, dass jemand im Haus mit Georgieren bekannt wäre. Man kennt die 25 Mitmieter. Das Lustige: Die beiden unterhielten sich eine geschlagene halbe Stunde im Stiegenhaus. Es war klassisches Auskundschaften. Wie atmet das Haus, wo und wann ist Bewegung. Man muss es von Innen fühlen, nicht von Außen. Das taten sie, als Studenten getarnt. Da aktuell keine Wohnung frei ist, suchten sie auch keine. Sie suchten ein Einbruchobjekt. Jedenfalls hatte der Herausgeber wenig Interesse an einem Bauchstich. Er rief die Polizei, die auch kam. Die Polizei kam hoch in den zweiten Stock und stamperte die beiden aus dem Haus. Der Herausgeber hörte das mit und stand bereits in den Stiefeln. Er tat so, als wüsste er von nichts, ging zum Haustor hinaus und ein paar Schritte spazieren. Er ging ihnen ein paar Straßen nach. Die beiden sahen aus wie Studenten, waren aber keine Studenten. Sie schimpften wie die Rohrspatzen beim Weggehen auf die „Polizzia“. „Polizzia, mafia!“

Einbruch am 5. Jänner 2011

Ein Jahr später fand dann endlich ein Einbruch statt. 5. Jänner 2011. Bis 3 Uhr morgen hätte er Herausgeber im dritten Stock alles gehört. Er war am Lesen und hört – wie jeder gute Revolutionär – dann „das Gras wachsen“. Bis 3 Uhr morgens war nichts. Schlafesstille im ganzen Haus. Um 2 Uhr stand der Herausgeber sogar noch einmal in den Stiefeln und ging noch einmal zur Lieblingstrafik Tremmel zum Zigrattenziehen. Doch um 3 Uhr morgen kam die große Müdigkeit, da der Eisenwert derzeit nur 25 statt 120 beträgt, der Peronäusnerv noch immer den rechten Fuß lähmt und die Leukozytose mehr weißes Blut produziert als gut ist. Wenn diese große Müdigkeit kommt, kommt der sehr sponate Tiefschlaf.

Obwohl der Einbruch im Haus des Herausgebers am 5 Jänner 2011 nur vier Meter vertikale Luftlinie und acht horizontale Meter entfernt stattfand, wahrscheinlich zwischen 3 Uhr und 6 Uhr morgens, hörte der Herausgeber nichts. Rein gar nichts. Kein Gerumple, keine Stimmen, keine Geräusche. Nichts.

Die Flügeltür der Wohnung 17 ist keine Sicherheitstür, aber stark gebaut. Jedoch: Mit veraltertem Schloss. Die Tür wurde nicht zerbrochen, das Schloss schon. Angeblich mit einem Nagel. Der Rest war Dietricharbeit. Und offen war.

Nachlässigkeiten

Wie nachlässig man selbst ist, zeigt, dass nicht einmal der Herausgeber wusste, dass die Wohnungsbesitzer auf Urlaub weilten. Man wird in der Großstadt nachlässig. Man weiß zu wenig, schaut zu wenig. Daher kommen Einbrüche zu Stande.

Die Polizei und Spurensicherung riet den Besitzern von Tür 17 am 5. Jänner 2011 um Mittag beim Gespräch, dass sie moderere Schlösser einsetzen. Die alten Schlösser taugen nichts, sind mit einem Nagelschlag offen. Die neuen taugen sehr wohl. „Gibt es in jedem Baumarkt“, so die Beamten von der Spurensicherung.

Fazit: Schmuck weg, Geld weg, Einbrecher weg. Quote der Aufklärung in Wien, zu der man der Polizei wenig Vorwurf machen kann: 4 – 6 Prozent. Schuld sind auch Nachbarn und Mitbewohner. Auch man selbst. Denn wenn man schon um 2 Uhr noch zum Zigarettenziehen geht, muss man die Augen offen lassen. Wenngleich man daraus keinen Ehrgeiz machen soll. Doch es war schade.

Roulettekugel lag auf 17 nicht 14

Diesmal rollte im russischen Roulette die Kugel auf 17. Knapp an 14 vorbei Man ist wieder einmal auf der Hut. 14 ist innenraumvideoüberwacht (mit besten Geräten von Elektro Conrad!) und mittlerweile auch haushaltsversichert. Doch das hilft auch nichts, wenn Inventar und Computerdaten weg sind. Den klassischen Einbrecher schert nicht, was er stieht, er löscht alles, verschachert es im Ausland.

Am 5. Jänner 2011: Noch einmal Glück gehabt. Es war nicht Tür 14, sondern Tür 17 dran. Der Ärger bleibt: Wäre der Eisenmangel nicht gewesen, der Peronäusnerv und die Leukozytose: Der Herausgeber hätte in seinem Wohnhaus Einbrecher sofort geschnappt und überwältigt.

Die Jänner-Tage

Die ersten Jänner-Tage sind heikel. Man erinnert sich zurück: Am 2. Jänner 2005 wurde ein Einbruch in das Haus des vormaligen Innenministers Ernst Strasser bekannt. Strasser war Schifahren, seine Frau in Australien. Diebe wollten seinen Tresor abtransportieren, das scheiterte, da der Transportrodel ein Rad abbrach.

Auch beim anderen vormaligen Innenminister, Karl Schlögl, wurde eingebrochen. Im Dezember 2010, allerdings nur im Büro.

Im Nachbarhaus des Herausgebers am Wiener Alsergrund, schräg gegenüber, räumten vor drei Jahren Einbrecher systematisch Wohnungen in jedem Stockwerk aus. Abfallend: Einmal war ein Einbruch im vierten Stock. Ein paar Wochen später im dritten, dann, weils so leicht geht, im zweiten und im Erdgeschoss. Es ist nicht bekannt, dass Sicherheitsbalken verstärkte Nachfrage hatten. Auch: Solidarität war wenig zu spüren. Leben in der Großstadt.

Einmal wurde einem Mann in der Straße der Herausgebers aus dem Innenhof der Vorderreifen seines Fahrrades gestohlen. Er kostete 600 Euro. Er erzählt heute noch davon.

Aktuell ist Urlauszeit. Viele der 805.000 Wiener Wohnung stehen nach wie vor leer.

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch)

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