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Wiener Kriminalpolizei bekennt Farbe

Posted in Bundeskriminalamt, Personal by sicherheitwien on 15. Januar 2011

Kandolo Embe: Spurensicherung Wien. (Quelle: Heute, 7. Jänner 2011)

(Wien, im Jänner 2011) Aus der Fernsehserie „Der Alte“ kannte und kennt man das schon lange: Dort war und ist seit 1997 die erste Assistenz der Gruppe Kress ein gewisser Axel Richter. Ihn spielt Pierre Sanoussi-Bliss, ein Mann afroamerikanischer Herkunft. Er war aber nicht der erste „schwarze“ Assistent des Chefinspektors Kress: Von 1986 bis 1997 assistierte ein gewisser Henry Johnson, den der Afrodeutsche Charles Muhamad Huber spielte. Huber ist heute in Bayern CSU-Unterstützer und Politiker. Genug der Fernsehgeschichte. Gesagt werden kann nur: Es wurde seit 1986 – zumindest im Fernsehen – vorbereitet.

Wider das Vorurteil

In Wien hat man gegenüber Schwarzafrikanern insoweit Vorbehalte, weil eine mächtige Zeitung seit 15 Jahren sehr aktive Suchtgiftberichterstattung macht. Das große Boulevardblatt nimmt jeden noch so kleinen Vorfall in die Zeitung auf. Wenn das 15 Jahre lang geschieht, kommt man nicht umhin, von einer „Prägung“ zu sprechen. Es fällt schwer, nicht jeden „Schwarzen“ als nigerianischen Dealer zu sehen. Vorurteile, die man hat, wieder abzubauen, ist Schwerstarbeit. Dass es natürlich nicht so ist, dass jeder dunkelpigmentierte Mensch ein Dealer ist, steht auf der anderen Seite. Trotzdem haben es Afrikaner besonders schwer, zu gesellschaftlicher Akzeptanz zu kommen.

Stiefkind Afrika

Der Herausgeber dieser Seite hatte selbst einmal ein Stiefkind, das deren Wiener Mutter mit einer afrikanischen Zufallsbekanntschaft in Brüssel zeugte. Das Mädchen war, als er es kennenlernte (2002), gerade einmal zwei Jahre alt. Damals war schon klar, dass das Kind wohl nie Bezirksvorsteherin von Wien-Währing werden kann, auch nicht Parlametarierin und auch kaum Direktorin einer Volksschule oder einer großen Firma. Warum? Weil es anders aussieht, weil es Vorbehalte gegen die schwarze Hautfarbe gibt und weil die Repräsentationsmuster in der österreichischen Gesellschaft dagegen sprechen. Damals war dem Herausgeber dieser Seite auch klar, dass Kinder mit Migrationshintergrund dann eben besondere Kenntnisse brauchen, besonders viele Sprachen sprechen und besondere soziale oder musische Eigenschaften haben müssen, damit sie sich dem alltäglichen Rassismus entziehen oder ihn auf Grund ihrer Fähigkeiten gar nicht aufkommen lassen.

Schwarzafrikaner in gesellschaftlichen Führungspositionen sind in Österreich selten bis nicht vorhanden. Die meisten, die es schaffen, sind aber tatsächlich Menschen mit positiven Eigenschaften. Sie haben Tatendrang, Mut und Leistungswillen. Insgesamt: Sie wollen etwas für die Gesellschaft tun.

Revierinspektor Kandolo Embe (LKA Wien)

So bekennt auch die Kriminalpolizei Wien Farbe: Kandolo Embe war schon Revierinspektor in Wien-Donaustadt und dort im Einsatz. Seit Sommer 2010 ist er nun bei der Kriminalpolizei für Spurensicherung mitverantwortlich. Er geht mit dem Tatortkoffer und zieht Fuß- und Fingerabdrücke. Der Mann aus dem Kongo mit Wiener Wurzeln spricht perfekt Wienerisch.

Was auf einen anderen Beitrag führt, den die Blaulicht-Journale schon vor langer Zeit geschrieben haben. Es handelt sich bei Kandolo Embe um den selben Mann, der einmal in der Justizwache in Stein gearbeitet hat. Er war damals der „erste schwarze Justizwachebeamte“ in Stein. Einer von 380 und er hatte es nicht gerade einfach, sich im straffen Kader der Mannschaft zu behaupten. Nach etwas mehr als zwei Jahren verließ er die Justizwache in Richtung Polizeidirektion Wien Rossauer Lände. Dort kam er dann in der Donaustadt zum Einsatz und ist nun Fachkriminalbeamter in der Tatortgruppe im Landeskriminalamt.

Hier zum alten Beitrag: Justizanstalt Stein gewinnt Farbe (21. Jänner 2005)

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Das Thema Schwarzafrikaner ist weit. Hier noch drei Beispiele für Afrikaner in Wien (und Restösterreich), die es durchaus zu etwas gebracht haben.

Patrick Addai aus Senegal, wohnhaft Leonding bei Linz. Autor unter anderem der Kinderbücher Soll ich einen Elefanten heiraten, fragte der Frosch und Worte sind schön, aber Hühner legen Eier. (Foto Oswald: Kritische Literaturtage Wien 2010, 17. Dezember 2010)

Der Oberösterreicher Mag. Patrick Addai ist Buchautor und schrieb in den letzten acht Jahren neun Kinderbücher, die er im eigenen Verlag Adinkra vertreibt.

Emeka Emeakaroha, Feuerhauptmann von Ober-Grafendorf und der Altobmann der Bundesvereinigung der Kriminalbeamten unterhalten sich bei der Weihnachtsfeier im Hotel Intercontinental Wien am 27. Jänner 2006. (Foto: Marcus J. Oswald)

Scheckübergabe: Der Verein der Kriminalbeamten spendierte am 27. Jänner 2006 1.000 Euro für ein Brillenprojekt in Afrika. Im Bild vlnr Altobmann des Vereins (Kassier), Mag. Dr. Emeka Emeakaroha, Sylvia Kössler, designierter Neo-Obmann CI Karl Lehner (verstorben). (Foto: Oswald, 27. Jänner 2006, Hotel Intercontinental)

Ein anderes Beispiel ist Mag. Dr. Emeka Emeakaroha. Er ist Magister und Doktor, zudem Feuerwehrhauptmann von Ober-Grafendorf (NÖ). Der erste schwarze Feuerwehrhauptmann Österreichs. Er macht daneben karitative Arbeit für Afrika und erhielt bei der Weihnachtsfeier der Kriminalbeamtenvereinigung im Jänner 2006 einen Scheck in der Höhe von 1.000 Euro.

Demonstration für Seibani Wague: Dr. Di-Tutu Bukasa (links). (Foto: Marcus J. Oswald, 12. November 2005)

Auch Dr. Di-Tutu Bukasa ist Akademiker. Er ist zudem Herausgeber der Zeitschrift „Die Bunte“ in der Rotenlöwengasse. Das Heft erscheint alle zwei Monate und beschäftigt sich mit Menschenrechtsfragen.

Dies sind drei Beispiele für Schwarzafrikaner in Österreich, die gewiss nicht Drogendealer sind, sondern andere Aufgaben haben.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt, Personal)

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