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Wiener Innenministerium baut Kampf gegen Internetkriminalität aus

Posted in Bundeskriminalamt, Cybercrime by sicherheitwien on 16. April 2011

Cybercrime auf dem Vormarsch. (Foto: Oswald)

(Wien, im April 2011) Für Cyber-Spezialisten heißt es nun: Ohren Anlegen oder Ohren Spitzen. Denn das Wiener Innenministerium rüstet zum Kampf gegen Internetkriminalität. Das zeigt sich in mehreren Ebenen.

Zum Einen wird derzeit im Bundeskriminalamt ein „Kompetenzzentrum für Cybercrime“ gebildet. Wie kompetent die Beamten sind, ist geheim. Allein die Gründung einer solchen Einheit zeigt aber, wohin der Hase läuft. In Zukunft: Nicht weit.

Kompetenzzentrum im Entstehen

Das „Kompetenzzentrum“ soll aus dem bisherigen „Büro für Computer- und Netzwerkkriminalität“ heraus wachsen. Diese Abteilung wurde im Jahr 2010 restrukturiert.

Daneben wurde unter dem Büroleiter Leopold Löschl im Jahr 2010 im Bundeskriminalamt das Referat „Mobile Device Forensic“ geschaffen. Dieses beschäftigt sich mit der Entschlüsselung der Daten auf den zahlreichen mobilen Endgeräten wie Handies, Navis, IPhones und SmartPhones und alle künftigen neuen Endgeräte, die der Markt anbieten wird. Hier geht es um Geodaten und Kontaktdaten, die man kompetent und rasch auslösen will, wenn es darum geht, Personen, Täterinnen und Täter zu lokalisieren.

Man hat nun drei Referate: Computerkriminalität, Netzwerkkriminalität, das neue Referat „Mobile Device Forensic“.

Mehr Personal

Bisher arbeiteten 13 Beamte in diesen Bereichen. 2011 soll aufgestockt werden und drei Techniker sollen hinzu kommen. Die Techniker sind für technische Fragen zuständig, die Polizisten für die Menschenermittlung. In Zukunft soll zwischen der Polizei und IT-Firmen der Kontakt verbessert werden, so Büroleiter Löschl. Derzeit gibt es eine Kooperation mit Microsoft Österreich, wo die Polizei Schulungen in den neuesten Trends im Sicherheitsbereich aus erster Hand erhält. Die Cyber-Kriminalisten arbeiten daneben mit Europol und Interpol zusammen, die „Vernetzung“ mit den Landeskriminalämtern ist noch ausbaufähig, so der Büroleiter im Bundeskriminalamt.

Eine Weisheit lautet, dass für Cyberkriminalität ein Internetanschluss reicht. Der Bankraub ohne Waffe via Netz ist zwar noch Zukunftsmusik, aber aus Sicht der Polizei muss bei Internetkriminalität aufgerüstet werden, weil die Täter kaum Spuren hinterlassen. Dass dabei auch unlautere Mittel wie der „Bundestrojaner“ zum Einsatz kommen, steht auf einer anderen Karte. Die Art der Ermittlung ist ein permanenter Tritt gegen die Tür der Grundrechte.

Es klingelt

Die Cyberkriminalität ist ein Boomsektor und Zukunftsfeld. 2009 gab es 49 Anzeigen wegen Hacking, 2010 immerhin 142. Anzeigen nach Internetbetrug stiegen von 38 (2009) auf 1.490 (2010). „Noch nicht einmal die Spitze des Eisberg“ sei das, meint der Büroleiter im BK.

Die Anzeigen haben zum einen mit Bewußtseinsbildung zu tun, zum anderen, dass Österreich eine Handypenetration von über 110 hat (also mehr Handies in Umlauf sind als Bewohner) und durch den mobilen Aufschwung immer mehr unreife Hände damit hantieren.

Handies ohne Firewall

Zudem hat sich noch nicht herumgesprochen, dass auch Handies eine Firewall brauchen und ein Ermittlungssektor ist daher der Schad-Software-Angriff auf solche Geräte, die dann Monatsrechnungen von 15.000 Euro und mehr erzeugen, was wiederum die Arbeitskammer freut, wohin die Geräteinhaber dann geknickten Hauptes pilgern.

Es sind keine Mega-Fälle, aber viele kleine. Alle sind aus dem Leben gegriffen. Während man gelernt hat die Wohnungstüre zu verriegeln, lässt der Durchschnittsuser sein Telefon, das ein kleiner Computer wurde, offen oder mit einem Passwort das „petzi“ oder „mausi“ heißt, für jedermann herumliegen. Das schafft Arbeit für die Polizeien. Weil es Leute gibt, die darauf warten.

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Zeitschrift Republik, Ausgabe Mai 2011, gibt Auskunft. (Foto: Archiv Oswald 1090)

Verwendete Quelle:

Republik. Magazin für Führungskräfte im öffentlichen Bereich. Ausgabe Mai 2011. – Nur im Abo beziehbar um 40 Euro pro Jahr.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt, Cybercrime)

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