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Schlechte Zeiten für Obdachlose in Waschsalon Wash Point

Posted in Einbruch by sicherheitwien on 5. September 2011

Waschsalon Wash Point im 20. Wiener Bezirk in der Rauscherstraße 14. (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im September 2011) Schlechte Zeiten brechen für Wohnungslose im Waschsalon „Wash Point“ im 20. Wiener Bezirk in der Rauscherstraße Ecke Wasnergasse an. Der Salon wurde Opfer von Kriminalität und rüstet auf. Zudem ändert man die – bisher – großzügigen Öffnungszeiten.

Alles hat einen Anlass für den Niedergang der Großzügigkeit. Der Vorbesitzer ging vor eineinhalb Jahren in Pension und er hatte ein großzügiges Gemüt. Täglich kamen – teilweise bereits um 18 Uhr – Unterstandslose mit Plastiksäcken in den Waschsalson. Sie wollten jedoch nicht für 5 Euro 50 (4 Euro 50 bei mitgebrachtem Waschpulver) einen Waschgang durchführen, sondern sie ließen sich nieder. Um zu warten, bis er Tag endet.

Ende der Großzügigkeit

Der Vorbesitzer ließ das dulden. Sein Waschsalon an der Ecke zur Adolf-Gstöttner Gasse hatte rund um die Uhr die Tore offen. Eintreten konnte jeder. Das sprach sich herum und es wurde toleriert. Es gibt 45 Waschmaschinen und Trockner und daher fiel nicht ins Gewicht, ob ein paar Leute mehr auf den Schalensitzen aus Plastik eine halbe Stunde warteten (ein Waschgang dauert 33 Minuten). Um 18 Uhr trafen, je nach Witterung und Jahreszeit, die ersten Wohnungslosen ein. Die ersten legten sich ab 21 Uhr zur Nachtruhe. In der letzten Zeit begann bei manchen die Nachtruhe schon um 18 Uhr, auch das wurde toleriert. Es ist in vielen Waschsalons Wiens bis vor wenigen Jahren so gewesen, dass ein, zwei oder drei Obdachlose mit Sack und Pack ihr „Recht auf Schlaf“ nutzten und um spätestens sechs Uhr morgens wieder aufbrachen. Sie taten niemandem etwas und alle schauten weg.

Dann gingen vor eineinhalb Jahren die Vorbesitzer in Pension. Der neue Mann, ein etwa 55-jähriger, weißhaariger Türke mit großen schwarzen Dackelaugen ist auch kein Unmensch. Er ließ die alte Tradition am Leben, denn er konnte und wollte das Rad nicht neu erfinden. Seit es in Wien öffentliche Waschsalons gibt, gibt es das Fremdschlafen. Die Videoüberwachung störte das auch nicht, denn der Waschsalon „Wash Point“ ist seit langem videoüberwacht.

Einbruch in zwei Automaten Ende August

Dann kam die letzte Woche im August 2011. Hier geschah etwas, was der Besitzer mit den Dackelaugen nicht mehr tolerierte. Es geschah ein wilder Einbruch in seinen Waschsalon. In der Nacht betraten unbekannte Täter das Lokal. Sie drehten zuerst die Videokameras zur Wand weg und verhinderten Aufnahmen. Dann brachen sie mit massiver Kraft die beiden Automaten auf. Sie dürften nicht deutsch lesen können.

Seit jeher ist es in Wiener Waschsalons so, dass dort zwar ein warmer Platz zum Ausruhen ist. Doch Geld gibt es keines, da die Kassen zwei Mal am Tag geleert werden. Das Schild hängt schon Jahre lang. (Foto: Marcus J. Oswald)

Die Täter rissen mit voller Kraft den Kaltgetränke-Automaten an der Seite auf sowie den zentralen Automaten, der die Waschmaschinen ansteuert. Den Kaffeeautomaten ließen sie unberührt. Wahrscheinlich, weil der Einwurf dort nur 50 Cent ist und wenig Geld zu erwarten ist. Die Beute waren ein paar Münzen, die abends eingeworfen waren.

Die Täter wurden nicht gefasst und auch nicht videotechnisch gut genug aufgezeichnet. Für die Polizei in der Bäuerlegasse, die nur eine Quergasse weiter ein Wachzimmer hat, ist es ein gewöhnlicher Geschäfts-ED (Einbruchsdiebstahl in ein Geschäft). Für den neuen Besitzer mit den weißen Haaren und den dunklen Dackelaugen ist es mehr.

6.000 Euro Schaden und 2.000 für neue Videoanlage

Der Sachschaden beim Cola-Automaten ist so hoch wie ein neuer kostet: 6.000 Euro. Geliefert wird er morgen, 6. September 2011. Den zentralen Wäscheautomaten konnte er selbst wieder zusammenflicken. Neu ist nun eine neue Videoanlage. Auf die Frage, was kostet, antwortet er: „2.000 Euro.“ Ein Freund steht auf der Leiter und richtet die Videokamera aus. Der Besitzer mimt den Statisten und stellt sich in die Eingangstür. Der Freund auf der Leiter schaut auf den Funkmonitor, ob Kopf und Körper ganz drauf sind. Es passt.

Der Kaltgetränkeautomat (Bildmitte) wurde mit Brecheisen aufgerissen und teilweise aufgeschnitten. Damit ist er zerstört. Der Automat rechts steuert die Waschmaschinen an. Er wurde auch aufgerissen, aber wieder repariert. Ein neuer Cola-Automat kommt am 6. September 2011. (Foto: Oswald)

„Waren Sie versichert“, frägt das Journal nach. „Ja, aber die Versicherung zahlt nur, wenn man brauchbare Kamerabilder hat“, antwortet der Besitzer etwas zerknirscht. Er wurde kalt erwischt, war immer großzügig. Mit den Öffnungszeiten rund um die Uhr, zu den Obdachlosen und zu anderen. Auch wenn es schlimmer wurde, Stichwort Alkohol und Obdachlose und Frühschläfer unter den Wohnungslosen ab 18 Uhr, drückte er ein Auge zu. Das wird nicht mehr so sein.

„Es ist kein Wohnzimmer, sondern ein Geschäftsraum“, sagt er etwas frustriert. Bisher war es Wohnzimmer. „Wir müssen nun den Geschäftsraum anders sichern.“

Daher wird sich bald auch die Öffnungszeit ändern. „Es kommt eine Tür, die sich automatisch schließt.“ Bis 24 Uhr ist dann offen, danach hat niemand mehr Zutritt. Es ist wie bei einigen Bankfoyers in Wien, die selbst für Bankomatkartenbesitzer den Zutritt ab Mitternacht verwehren.

Neue Öffnungszeit

Mit der bald neuen Öffnungszeit bis 24 Uhr ist der weißhaarige Mann mit den dunklen Dackelaugen trotzdem noch großzügig. Andere sperren früher. Der – auch bei Unterstandslosen beliebte – Waschsalon S&S am Urban Loritz Platz 6 im 7. Wiener Bezirk schließt um 23 Uhr. Fremdschläfer gibt es dort seit der Umstellung vom Rund-um-die-Uhr-Betrieb auf fixe Öffnungszeiten vor ein paar Jahren nicht mehr.

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch)

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