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Fahrraddiebstahl vor Universität – Ein Twentyniner von Gary Fisher

Posted in Diebstahl by sicherheitwien on 16. September 2011

Das Studiensemester hat noch nicht begonnen und doch finden erste Vorfälle statt. (Foto: Oswald)

(Wien, im September 2011) Ganzjährig finden Aktionen statt, die in Wien das Fahrradfahren bewerben. Fahrradständer werden aus dem Pflaster gestampft. Radfahrlotsen von der Stadt Wien aufgenommen (400 Bewerber wollen es werden, die Besten werden genommen; Parteibuch zwecklos). Die Polizei steigt wieder aufs Fahrrad um (nach Auflösung der „Fahrradpolizei“ erfolgt deren Neugründung; auf der Wiener Donauinsel wurden schon zwei Uniformierte mit Rennrad gesehen). 2012 bekommt Wien die erste Fahrradgarage beim Westbahnhof als Unterstand für 1.100 Räder (derzeit läuft eine Umfrage, wie viel es dem Radhalter monatlich Wert ist; 2 Euro im Monat oder mehr?).

Das weiß auch Bernhard Groiss. Er ist fit, fährt Rad und hat eine Marke, die bei Insidern als Mutter aller Geländeräder bekannt ist: Gary Fisher gilt als der „Erfinder des Mountainbikes“. Der Mitarbeiter des Universitätsinstituts für Geografie ist begeisterter Radfahrer und er investierte in sein Bike. Er kennt die Komponenten, pflegt sie, weiß über sein Rad Bescheid.

Der Hausmeister des Universität bringt an der Steinsäule des NIG einen Aushang an. (Foto: Oswald)

Am 13. September 2011 traute er seinen Augen nicht. Als er an diesem Tag zwischen dreiviertel Eins Mittag bis halb Drei am Nachmittag in der Universität im Neuen Institutsgebäude (NIG) war, war sein Tag erledigt. Und zwar komplett. Als er nämlich zur Tür wieder heraus kam, war sein Edel-Fahrrad weg.

Die Fahrradstellplätze wurden erst vor wenigen Monaten vor dem Neuen Institutsgebäude (NIG) um eine Spur erweitert. Die Stellplätze auf der Straße kamen hinzu, um dem Mehraufkommen der Räder während der Universitätssaison Herr zu werden. (Foto: Oswald)

Er ist schwer geschockt und fahndet fieberhaft nach dem Urhebern. Denn das Gary Fisher 29 Zoll X-Caliber kostet gut und gern – je nach Detailausstattung: 1.500 Euro. Nach oben offen!

Gesamtschau Österreich – 4,9 % Aufklärungsquote

Traurige Tatsache: Die Aufklärungsquote in Österreich bei Fahrraddiebstahl streift jene bei Wohnungseinbruch wie eine befreundete Parallele. Heitere Seite: Bei einem Wohnungseinbruch ist der durchschnittliche Schaden (je nach Inventar) 20.000 Euro, bei einem Fahrraddiebstahl im Durchschnitt weit unter 1.000 Euro. Ernste Tatsache: Bei Fahrraddiebstahl ist – laut dem Ergebnis einer Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vom 4.April 2011 – nur „4,9 %“ Fangquote. Das heißt: 95 % aller Diebstähle bleiben für immer unaufgeklärt. In nackten Zahlen: Nur eines von 20 gestohlenen Rädern taucht wieder auf! Das liegt aber auch an der Grundeinstellung der Polizisten: Mangels extrem hohem Wert mancher Räder suchen sie erst gar nicht und verlassen sich auf Zufallsfunde. Es gibt hinter der Aufklärung von Fahrraddiebstahl in der österreichischen Polizei keine Systematik.

20.929 Diebstähle, davon 6.502 in Wien

Weitere Einbettung ins Gesamte: 2010 gab es österreichweit 20.929 Fahrraddiebstähle (minus 17 % zu 2009: 25.202; 2008: 24.348; 2007: 23.940; 2006: 23.812; 2005: 24.077), also ein Rückgang. Der VCÖ errechnete, dass alleine die gestohlenen Räder aus 2010 einer Länge entsprechen, die eine Wegstrecke von Wiener Stephansplatz bis nach Baden ergeben. Seit 2005 wurden 142.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Der Gesamtschaden beträgt 50 Millionen Euro. Wien gilt als Metropole des Raddiebstahls: 6.502 Räder wurden als gestohlen gemeldet (minus 22,4 % zu 2009: 8.376).

Versicherungsbetrug beliebt

Klar ist, dass in kaum einem Sektor der Versicherungsbetrug so blüht, wie beim Rad. Es gab schon Fälle, in denen ein Rad als gestohlen gemeldet wurde und der Bruder dann damit weiterfuhr. Die Nichtkennzeichnung der Räder ermöglicht es. Die Grauzone wuchert und bedürfte einer Systematik, die das eine (Versicherungsbetrug) verringert und das andere (Wiederfinden und Zuordnen) ermöglicht.

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Gary „Mister Mountainbike“ Fisher im O-Ton über sein Masterpiece:

Eine Demonstration des „29-er“ in Comic-Form. Der stürzende Tanzbär:

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)

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