Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Rassismus bidirektional – ZARA Report 2010

Posted in Aus den Vereinen by sicherheitwien on 16. August 2011

Der Zara-Rassismus Report enthält 104 alltägliche Fälle der Diskriminierung und gute Ratschläge aus gutbürgerlicher Warte der Betrachtung, mit denen man die Welt heilen will. (Foto: Oswald)

(Wien, im August 2011) Den Verein ZARA gibt es nun schon eine Weile und man versteht sich als Apotheke, die Impfstoff und gute Ratschläge gegen Rassismus verteilt. Der Verein wurde 1999 von einer Frau gegründet, die sich einmal von der Wiener Zeitschrift „Augustin“ interviewen ließ und dabei kam heraus, dass sie vermutlich mehr Bücher in ihrer Wohnung stehen hat als der Herausgeber dieser Seite.

Es müssen eindeutig humanitäre, philantropische Gründe gewesen sein, dass sich das Gründungsteam vor 12 Jahren zusammen fand und einen Verein eröffnete. Bei den philantropischen Gründen ertappt man sich selbst immer wieder, indem man, unantastbar und ungerührt, gelangweilt und angewidert, emotional zurückhaltend, aus der höheren Warte eben, den Dreck der Gesellschaft aufliest, sammelt und dokumentiert, um daraus Rückschlüsse über die Verwerflichkeit der Menschen und ihrer Lebensstile zu finden, um eventuell, tut man es mehrere Jahre lang, eine Theorie daraus zu bauen.

Besieht man sich das Foto, das von der Zara-Gründerin im „Augustin“ veröffentlicht wurde, diese luftige, weite Altbauwohnung mit den hohen, hellen Bücherwänden, entsteht der Eindruck: Es ist ein bürgerlicher Blick des und der Gebildeten auf den kleinen Alltag, die kleinen, engen Herzen und die Kleingeisterei des Kleinbürgers.

Man mag sich eben nicht

Wie sonst kommt man 1999 auf die Idee, Straßenpöbeleien minutiös zu dokumentieren, die Alltagsrassismus enthalten? Die Absicht ist, eine größere Linie aus den Puzzleteilen zu erhalten, eine Richtung, um am Ende „beweisen“ zu können, dass 1. das Alltagsverhältnis der Menschen zueinander verschlampt ist, 2. das Alltagsverständnis zueinander reserviert bis verhasst ist und 3. diese Richtung der gegenseitigen Abgrenzung im Lebensraum „falsch“ ist. Das ist, kurz umrissen, das Ziel des Vereins ZARA. Man dokumentiert den Dreck und will ihn ausmisten. Das ist ein unerreichbares Ziel.

Dennoch hat der Verein in der Wiener Luftbadgasse (eine Parallelstraße zur Gumpendorferstraße) im 6. Wiener Bezirk auch einen Anwalt beschäftigt, der die gröbsten Beleidigungen rassistischer Natur in manchen Musterfällen einklagt oder in einen kurzen Schriftsatz zur Anzeige bringt. Im durchschnittlichen Fall ist der Verein ein Papiertiger und Zettelkasten, der vermutlich wie der Herausgeber dieser Seite, 16 Tageszeitungen am Tag bezieht, systematisch liest, ausschneidet, abhängt, scannt, zu digitalen Mappen macht und – wartet.

Monitoring

Wachsamkeit, egal in welchem Lebensbereich, hat die Ruhe zur Voraussetzung. Erst wer ruht, hat das Vermögen, im Ernstfall wach zu sein. Im Kern sind Vereine wie ZARA also keine aktivistischen Vereine, sondern Wächtervereine, Monitoring- und Dokumentationsstellen, die aus dem ruhenden Pol des Archivs und der nun 12-jährigen Arbeit durchaus kleine Qualitäten der Routine in der Betrachtung des niederen Lebens erarbeiteten. Wer 12 Jahre den niederen Alltag der kleinen Leute beratend, zuweilen sanktionierend begleitet, weiß über gewisse Umstände sicher Bescheid.

Jährlich kommt der „Anti-Rassismus-Bericht“ heraus und auch 2010 wurde auf 80 Seiten die Sammlung fortgesetzt. Darin finden sich die Tätigkeiten des Vereins in Nacherzählungen. Kern der Fälle sind Diskriminierungen, die täglich im öffentlichen Raum (Straße, Gehsteig, U-Bahn, etc.) geschehen und die der Verein auch nicht abschaffen kann.

Große Illusionen

Es sei denn, alle Menschen gingen zur Universität (was bei einer österreichweiten Akademikerquote von 4% nicht der Fall ist), jeder verdiente genug Einkommen, um davon leben zu können (was bei einem Median von 1.250 Euro schwer möglich ist), jeder führe eine glückliche Zweierbeziehung (was bei einem Singlehaushaltsanteil in Wien von 42 % nicht der Fall ist), jeder sei gesund (in Österreich leben 900.000 Depressionskranke und viele andere Sieche). Und so weiter.

Es gibt zahlreiche Ausschließungsgründe, allesamt sozialer Natur, die verantwortlich sind, nicht im Einklang mit Gesetzen, Anstand, hoher Moral, vielleicht gar dem „lokalen Staat“ (in dem man sich zufällig gerade befindet) oder dem weithin unbekannten Artikel 1 der Menschenrechtskonvention (eh schon wissen: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“)

Nachweisfetischismus

Wer die sozialen Umstände des radikalen Denkens, des rechtsradikalen Denkens, des religionsradikalen Denkens, des angsterfüllten Denkens und Sprechens außer Acht lässt, macht es eben wie ZARA: Man dokumentiert kleine Alltagsfälle. Und versucht sie punktativ zu lösen. Dieser Nachweisfetischismus kann auch zu einer Paranoia führen.

Denn zu lösen ist Rassismus nicht punktativ. Eine „Anti-Rassismus-Beratung“ (bei „Zara“) ist keine Beichte im Heiligen Stuhl. Temporäre Absolution bringt nichts. Das Leben mit seinem Schmutz, dem Geldmangel, der Existenznot, den Krankheiten, Schicksalsschlägen und Niederlagen geht weiter und holt die Menschen am selben Tag nach der Beichte wieder ein. Daher sind die Arbeiten solcher Vereine wirkungslos und für die sprichwörtliche Katz‘, da man die Fundamente der Gesellschaft ändern müsste, um ein Ergebnis zu erzielen.

Report

Trotzdem liegt der ZARA-Report 2010 vor. Er verfolgt das Ziel, dass hochtrabende Richtlinien der EU oder heimischer Behörden, allerlei abstrakte Gesetze Österreichs eingehalten werden. Der Verein sichtet die Meldungen und macht bei dem einen oder anderen Fall eine „Maßnahmenbeschwerde“ (gegen die Polizei), eine „Richtlinienbeschwerde“ (gegen Behörden, die im Verdacht stehen zu diskriminieren), man will „die Rechten stoppen“, den „Verhetzungsparaprafen“ aktivieren, „hate speech“ im Internet eindämmen. Dass man mit der obskuren „Gleichbehandlungsanwaltschaft“ zusammenarbeitet wirft dann wieder ein extrem schlechtes Licht auf ZARA, besteht dieser Verein im Bundeskanzleramt doch aus ausschließlich weiblichen Mitarbeitern, die keinen Mann zulassen. Man wamst auch fröhlich an das BVT, indem man der Ansicht ist, dass eine Behördenzusammenarbeit für einen Verein gut ist. In Wahrheit ist es das Gegenteil von unabhängig.

Aus diesem Grund ist „ZARA“ selbst sehr oft Zielscheibe von Angriffen und so macht der Prozentsatz jener dokumentierten Fälle des Jahres 2010 auch 4% aus, die den Verein selbst als Angriffsfläche betrachten.

Im folgenden zwei Auszüge, welche Fälle man dokumentiert. Der „Rassismus“ richtet sich bidirektional aus: Einmal gegen einen Österreicher, einmal gegen einen Afrikaner. In Summe sind 104 Fälle im Report 2010 erfasst.

Fall Nummer 5:

Herr A. ist Österreicher. Im Mai geht er gegen 17 Uhr durch den Kongresspark im 16. Wiener Gemeindebezirk. Da es regnet, stellt er sich bei einem Pavillon unter. Aus einer Gruppe von etwa acht Jugendlichen, die sich auf Türkisch unterhalten, kommen zwei etwa 20 Jahre alte Burschen auf ihn zu. Ohne dass es zuvor zu einem Gespräch kommt, bezeichnen sie Herrn A. als „Scheiß Österreicher“. Der Platz gehöre Ihnen und er solle verschwinden. Da Herr A. einer Konfrontation ausweichen will, geht er weiter. Herr A. erstattet keine Anzeige, da dies seiner Meinung nach nichts bringe. Als er sich an ZARA wendet, wird ihm angeboten, den Fall an den zuständigen Bürgerdienst weiterzuleiten. Herr A. ist damit einverstanden. ZARA leitet den Sachverhalt wie besprochen weiter und erhält die Antwort, dass das zuständige „FairPlay-Team“ für den 16. Wiener Gemeindebezirk der Angelegenheit nachgehen wird. Zu Redaktionsschluss gibt es diesbezüglich keine Rückmeldung.

Fall Nummer 6:

Herr X. ist mit einer Frau äthiopischer Herkunft verheiratet, sie haben eine vier Jahre alte Tochter. An einem Samstag im April unternehmen sie gemeinsam mit einer Freundin der Tochter, die ebenfalls äthiopischer Herkunft ist, eine Fahrt mit einem Ruderboot auf einem Teich im Wiener Prater. Am Ufer vertreiben sich vier Jugendliche im Alter von etwa 12-16 Jahren die Zeit und rollen kleine Baumstämme ins Wasser. Als die Jugendlichen Herrn X. und seine Begleiterinnen entdecken, rufen sie: „N…[*]!“ und werfen mit Steinen nach ihnen. Herr X. rudert rasch außer Reichweite, woraufhin die Jugendlichen bald aufgeben und weitergehen. Herr X. meint, dass er die Situation nicht durch einen Polizeianruf „dramatisieren“ wollte, ersucht jedoch ZARA um Dokumentation des Vorfalls.

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DOWNLOAD des gesamten „Anti-Rassismus Report 2010“ über die Webpräsenz des Vereins ZARA – hier. (Dokumentengröße: 6.07 mb)

Marcus J. Oswald (Ressort: Aus den Vereinen)

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Erstes Jahr Verein „Safer Cities“ in Villach

Posted in Aus den Vereinen by sicherheitwien on 12. März 2011

Erstes Jahr um: Peter Komposch baute ab März 2010 in Villach den Verein Safer Cities auf. (Foto: safercities.at)

(Wien, im März 2011) Wer in Wien regelmäßig die „Kleine Zeitung“ (größte Bundesländerzeitung Österreichs) aus Graz liest, weiß, dass es in Villach seit exakt einem Jahr eine Privatinitiative gibt, die als unabhängige Plattform für mehr Sicherheit in der knapp 60.000 Einwohner umfassenden Stadt bieten will. Der Verein wurde am 3. März 2010 konsolidiert und am 12. März 2010 eingereicht. Am 24. März 2010 hat der Verein „Safercities“ erste Sitzung.

Gegründet im März 2010

Das war die Zeit, in der in Villach probeweise von Seiten der ÖVP auf eine Ordnungswache in der Innenstadt gedrängt wurde. Tatsächlich gründete nur zwei Tage später die Villacher ÖVP die Initiative „sicher furtgehen“, die zwei Monate bestand, aber vom Gemeinderat keine Deckung erhielt. Doch damit gab es in Villach im März 2010 plötzlich zwei „konkurrierende“ Initiativen, die parallel zur Polizei Aufklärungs- und Bewußtseinsarbeit machen wollten. Nicht ohne wechselseitige Kritik.

Safer Cities – parteifrei und unabhängig

Der Verein „Safercities“ hat mit der Parteiinitiative der ÖVP nichts zu tun. Es ist ein Privatverein rund um DI Peter Komposch und Mitstreiter. „Safercities“ will aus der Bevölkerung heraus ohne Effekthascherei helfen. Und auch mit anderen Vereinen in Verbindung treten. So erwartet man von einer Kooperation mit dem „Verein der Hausbesitzer“, dass sich mehr Bürger eine Alarmanlage einbauen. Dafür würde der „Verein Safercities“ Rabatte anbieten. Daneben bietet man Selbstverteidigungskurse an. Man begann eine Türsteherausbildung mit dem Wifi (2. Lehrgang 2011) und eröffnete eine Jugendplattform „sicher ausgehen“. Aktive im Verein nehmen Einladungen in Wien an, um Kontakte zu knüpfen. So trafen Vereinsvertreter am 18. Dezember 2010 den Obmann von „Pro Nachbar“, der in Wien eine ähnliche Initiative betreibt und laut eigenen Angaben 5.000 Vereinsmitglieder hat. Die komplette Tätigkeit des ersten Villacher Vereinsjahres ist hier im News-Thread nachzulesen.

Kleiner Deckungsbeitrag durch Mitglieder

Apropos Kostendeckung: Jahresmitgliedschaft im Villacher Verein kostet für Private 30 Euro und für Gewerbliche 100 Euro pro Jahr. Mit diesem Geld will man die Wachsamkeit der Bevölkerung und das Miteinander sensibilisieren und die Vereinsarbeit ausbauen. Diese fußt auf einem „Drei-Säulen-Konzept“: „Sicheres Wohnen“, „Sicheres Ausgehen“ und „Soziale Prävention“. Durch Vernetzung und viele Mitglieder will man in Villach diese Vorhaben umsetzen und Villach zu einer sicheren Stadt machen.

Man geht dabei nicht „auf Streife“ wie Privatsheriffs, wovon man im Verein „safercities“ nur dann etwas hält, wenn es „integrierte Massnahmen“ sind und nicht bloß kurzfristige, medientaugliche, weil sich Politiker sonnen wollen. Der Verein setzt auf „Beratung“ und „Gespräch“ mit Bewohnern, eine Art „kriminalpolizeilicher Beratungsdienst“ von einem Fachverein.

Dreijahresplan: Villach sicherer machen

Das erste Jahr ist vorüber und der Verein motivierter denn je zuvor. Man hat sich im März 2010 das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass was weitergeht in Villach. „In drei Jahren Trendumkehr beim Einbruch“ in Villach, „in fünf Jahren 50% aller Eigenheime mit Alarmanlage“, so die Zielvorgabe im Vereinskonzept. Ob das gelingt, kann man aus der Ferne schwer einschätzen. Es dürften vernünftige, enthusiastische Kräfte am Werken sein, die Beiträge durch Beratung leisten wollen. Der Verein hat mittlerweile einen dreijährigen Rahmenvertrag mit der Stadt Villach und man will EU-Projekte zum Thema Sicherheit (Ausbildung, Fortbildung) nach Villach holen und die Bevölkerung einbinden. Ehrgeizige Ziele, die den Obmann Peter Komposch und seine Helfer optimistisch in die Zukunft schauen lassen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Aus den Vereinen)

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