Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Chinesen als Falschmünzer überführt – Euromünzen

Posted in Betrug, Deutschland, International by sicherheitwien on 4. April 2011

Vier Chinesen in U-Haft: 29 Tonnen Euro-Münzen wieder in Verkehr gebracht.

(Wien, im April 2011) In Frankfurt am Main ging der Polizei ein interessanter Fang ins Netz. Am 30. März 2011 wurden nach Razzien fünf Männer in Untersuchungshaft genommen, darunter vier Chinesen zwischen 28 und 45 Jahren. Sie sollen einen Millionen-Betrug mit Falschmünzen aufgezogen haben. Es geht um 29 Tonnen Metall im Nennwert von sechs Millionen Euro. Das berichtet das Düsseldorfer „Handelsblatt“ in seiner Ausgabe vom 1. April 2011 auf Seite 37. Die größte deutsche Finanzzeitung spricht auch davon, dass dadurch die deutsche Bundesbank geschädigt worden sein soll.

Die Bande soll aus insgesamt sechs Personen bestehen, die im Kern die Tat planten und ausführten. Am Rande seien auch Mitarbeiter der Lufthansa involviert. Zumindest eine Stewardess wurde bereits Anfang 2010 dabei ertappt, als sie mit einem schweren Koffer voller Kleingeld, alles 1-Euro und 2-Euro Münzen nach Deutschland einreisen wollte. Mehrere Tausend Münzen schleppte sie herum.

Schon damals hätten die Glocken läuten sollen. Denn der Hintergrund ist: Die Tatverdächtigen haben, so die Polizei, in Deutschland zwischen 2007 und November 2010 rund 29 Tonnen Münzen im Wert von rund sechs Millionen Euro eingetauscht. Es war aber Altware. Denn die deutsche Bundesbank, die 47 Filialen hat, hat die Aufgabe, schadhafte Münzen aus dem Geldkreislauf herauszunehmen und zu vernichten. Das geschieht bei den 1-Euro und 2-Euro-Münzen damit, dass man den goldenen Münzkern vom silbernen Münzring trennt und das Metall als Altmetall verkauft. Über Umwege soll das Metall nach China gelangt sein.

Aus Alt mach Neu

Findige Betrüger setzten die Münzen in China aber wieder zusammen! In der zweiten Etappe war die Aufgabe der Bande, die Münzen nach Deutschland zu schmuggeln und hier wieder in Umlauf zu bringen. Dazu bediente man sich der Mitarbeiter der Fluglinie. Eine Person wurde betreten. Nähere Informationen zum Ermittlungsstand werden derzeit nicht mitgeteilt.

Laut Angaben der „Bild“-Zeitung gab es in zehn Fililalen der Bundesbank Hausdurchsuchungen in Frankfurt und Umgebung, was die Bank umgehend dementiert. Die Bank sagt vielmehr, dass die Münzen nicht aus Deutschland stammen könnten, da man schadhafte Münzen seit 2007 mit einer Deformationsmaschine komplett platt macht.

Euro-Münzen aus Deutschland oder aus anderen EU-Staaten

Für die Staatsanwaltschaft Frankfurt gibt es laut „Handelsblatt“ nur zwei Möglichkeiten: Entweder stammen die 29 Tonnen Münzen aus der Zeit vor 2007. Oder sie stammen aus einem anderen EU-Land, in dem Münzen nicht platt gewalzt, sondern nur einmal durchstoßen werden und damit als vernichtet gelten.

Seit 1. April 2011 sitzen die fünf bisher festgenommenen Tatverdächtigen in Frankfurter Untersuchungshaft. In der Anklage werden unterschiedliche Delikte stehen: Schmuggel, Hehlerei, Fälschung von Wertzeichen, Geldfälschung, eventuell: Organisierte Kriminalität.

Daher lohnt es sich in einem alten Buch zu blättern. Was sagt Ernst Seelig in seinem „Lehrbuch der Kriminologie“ (1963, dritte Auflage, S. 103f.) dazu? Kapitel „Schmuggler und Schwarzhändler“:

„Seitdem die Staaten den freien Handel über die Grenzen oder im Inland durch Ein- und Ausfuhrverbote, Zollschranken, Monopole, staatliche Bewirtschaftung oder Kontrolle des Verwendungszweckes den mannigfachsten Bschränkungen unterwerfen, haben sich Gruppen des arbeitsscheuen Berufsverbrechertums darauf spezialisiert, durch Umgehung dieser Schranken ein oft sehr erhebliches Einkommen zu erzielen.

Während die Schmuggler, die unter Verletzung der Ein- und Ausfuhrverbote oder der Zollvorschriften Waren über die Grenze bringen und daher Bannbruch oder Zollhinterziehung begehen, in früheren Zeiten sich zu Banden zusammengeschlossen, die die Schmuggeltransporte zur Nachtzeit auf einsamen Gebirgswegen bewerkstelligten, findet der moderne Schmuggler Mittel und Wege, um mühelos ganze Waggonladungen (durch falsche Deklaration, Bestechung von Bahnorganen) der Kontrolle des Grenzverkehrs zu entziehen oder im normalen Reiseverkehr mittels Eisenbahn, Auto oder Flugzeug hohe Werte in verborgener Weise über die Grenze zu bringen.

Die deutsche Bundesbank sagt, dass die Münzen nicht aus China kommen, da man die eigenen Münzen seit 2007 komplett vernichtet hat. Daher könnte auch sein, dass man in anderen EU-Staaten beschädigte Münzen nur teilweise vernichtet und in Form von Organisierter Kriminalität Schmugglern anbietet.

Großer Coup – Mehrere Mitarbeiter

An einem Coup in dieser Quantität (29 Tonnen) müssen auf mehreren Ebenen Personen beteiligt sein. Zum einen Handwerker, die diese Münzen wieder zusammensetzen. Ob diese in China sitzen oder in Europa ist noch unklar. Dann braucht es Hauptorganisatoren, die derzeit in U-Haft sitzen. Diese koordinieren den Weitervertrieb. Es ist für sechs Personen unmöglich 29 Tonnen Münzen in den Handelsumlauf zu bringen. Hier müssen mehrere Leute beteiligt sein.

Beim falschen Hartgeld (Münzen) läuft der Absatz wie bei falschen Banknoten. Erschwerend ist, das wussten schon Hans Gross und Friedrich Geerds, die Verfasser des „Handbuch der Kriminalistik“: Die Art der Ware.

Dazu ein kurzer Blick in die zehnte Auflage (1977), Band I (S. 315 f.): Die Kriminologen unterscheiden in zwei „Absatzmöglichkeiten“ von falschem Hartgeld. Es gibt „Absatz als Ware“ und „Absatz als Zahlungsmittel“.

Absatz als Ware – En gros

„Absatz als Ware“ erfordert den „bösgläubigen Käufer“, also einen, der weiß, dass es Falschgeld ist und der es in Pausch und Bogen zu günstigeren Konditionen als zum Nennwert ankauft. Umgangssprachlich nennt man diese Person den „Hehler“. Der Hehler, der meist aus dem bürgerlichen Lager kommt, ist die Zwischenfigur zur kriminellen Welt. Er kauft das Geld günstig an und verbreitet es über andere Kanäle zum Nennwert.

Gut möglich, dass es bei der 29-Tonnen-Aktion in Frankfurt Zwischen-Hehler gab. Aber sie wurden noch nicht verraten. Dann wäre die China-Aktion eine Auftragsaktion, bei der es Produzenten (die Chinesen) und Vertriebspersonen (vielleicht: deutsche Hehler) gibt.

Absatz als Zahlungsmittel – En detail

Der „Absatz als Zahlungsmittel“ ist vor allem bei Hartgeld kompliziert und aufwendig. Geschieht diese Methode, geht es im Grunde nur um das Wechselgeld. Man kauft ein und lässt sich möglichst viel Wechselgeld erstatten. Die Differenz ist der Reingewinn. Da kriminelle Organisationen aber rasch Gewinn machen wollen und nicht Produkte für den täglichen Gebrauch mit dem Sparstrumpf kaufen wollen, wird diese Methode sehr selten angewendet. Sie ist unpraktisch. Möglich ist sie nur bei Trafiken oder kleinen Geschäften, die schlechte Lichtverhältnisse haben. Die Wechselspanne bleibt gering. Bei 29 Tonnen Münzen wäre der Aufwand sehr groß.

Gegen die Methode „Absatz als Zahlungsmittel“ spricht, so Hans Gross und Friedrich Geerds in ihrem Handbuch der Kriminalistik, die Praxis des Eintauschvorgangs. Sie wird meist von „Einzelgängern“ umgesetzt. Diese haben meist nur eine Banknote (respektive: eine Falschmünze) bei sich, damit sie nicht als Besitzer oder Vertreiber von Falschgeld betreten werden können.

Agieren Personen zu zweit, was gelegentlich vorkommt, hält sich der Zweite im Hintergrund. Der Täter, der das Geld wechseln will, hat wiederum nur eine Banknote (respektive: Falschmünze) bei sich, kann aber beim Komplizen im Hintergrund rasch nachfassen.

Bei 29 Tonnen falschem Hartgeld ist – aus kriminalpraktischen Gründen – nicht davon auszugehen, dass der „Absatz als Zahlungsmittel“ in Frage kommt. Mehr kann man davon ausgehen, dass der „Absatz als Ware“ im Vordergrund steht und die Arbeit eine Auftragsarbeit für deutsche Hehler ist.

Dass auch Bankmitarbeiter ihre Finger als Mitwisser im Spiel hätten, wie oft bei Bankbetrug der Fall, dementiert die deutsche Bundesbank aufs Schärfste.

Marcus J. Oswald (Ressort: Betrug, International, Deutschland)

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Harald J. – ein alter Bekannter – Polizei sucht Geschädigte wegen Wohnungsbetrug

Posted in Betrug, Opferaufruf by sicherheitwien on 30. September 2010

Harald Jäckl - wieder in Haft! Vorwurf Wohnungsbetrug. (Foto: Polizei)

(Wien, im September 2010) Der mittlerweile 61-jährige Wiener Harald J. mit dem gefärbten schwarzen Haar und den auffrisierten Augenbrauen ist ein alter Bekannter der Wiener Polizei. Die Haare wurden schütter, doch er färbte sie auch in der Justizanstalt Hirtenberg regelmäßig. Im „Modul 1“ der Wohngruppe der JA Hirtenberg hatte er 24 Stunden die Zellentüren offen, einen eigenen Türschlüssel und einen schön eingerichteten Wohnraum für sich ganz alleine samt Kabelfernsehen und PC und jede Menge Ausgänge im Monat (sieben Tage). Er war in der Anstaltsbibliothek beschäftigt, las Bücher, trug sie aus und war in seinem Kopf bereits 2008 mit neuen Coups beschäftigt. Denn er musste auch überleben, dachte er sich.

Im Juni 2001 war Harald Jäckl handelsrechtlicher Geschäftsführer im Card Casino in Drobollach am Faakersee. Sein Mitgesellschafter war Peter Fichtenbauer von der FPÖ, heute Justizsprecher der Parlamentspartei. Am 6. März 2002 begann für Harald Jäckl eine Haft, die erst Ende 2009 enden sollte. (Foto: Firmenbuchauszug 6. Juni 2001, Archiv)

Harald J. saß eine siebenjährige Haftstrafe wegen zwei Fällen des Schweren Gewerbsmäßigen Betruges von März 2002 (LG Wien 114 Hv 117/02i – vier Jahre, LG Wien 112 Hv 2/06v – dreieinhalb Jahre, dazu eine Sache vom LG Wiener Neustadt von einem Monat) bis Ende 2009 „am Stück“ ab. Es ging um Casinoprojekte, Caféhausprojekte, Kredite. Vor seiner Haft war er mit dem späteren NR-Abgeordneten der FPÖ Peter Fichtenbauer Gesellschafter in einem Card Casino in Kärnten gewesen. Im November 2009 wurde Harald Jäckl in die vage Freiheit entlassen. Er kaufte sich von seiner Rücklage einen guten Anzug und setzte sich ins beste Wiener Café.

1998 in JA Josefstadt viele Monate in Haft

Bereits 1998 drehte Harald J. seine Runden in der Justizanstalt Josefstadt mit dem Salzburger Sexklubbetreiber Lechner, der das Kunststück zu Stande brachte in Berlin und dann auch Wien das erste „Bordell für Frauen“ zu entwickeln. Ob es das Berliner noch gibt, entzieht sich der Kenntnis. Das Wiener heißt mittlerweile Exzess-Bar und ist ein normaler „Sauna-Club“ am Nussdorfer Gürtel nahe dem Bundeskriminalamt. Lechner kam kürzlich in die Schlagzeilen, weil das russische „Katzi“ des Richard Lugner in seiner Bar als Animierdame gearbeitet haben soll. (Was sie auch tat. Lugner bestreitet. Lechner hält sich bedeckt.)

Harald J. war in den 90er Jahren im Sexgeschäft rund um die Wiener Neustädter Szene tätig und er war damals lange Monate in Untersuchungshaft, weil nach Menschenhandel, Zuführung zur Prostitution und Betrügereien ermittelt wurde. Es dürfte nicht viel herausgekommen sein. Denn Mitte 1998 sah der Herausgeber dieses Journals Harald J. im blütenweißen (!) Doppelreiher-Anzug und mit weißem Sonnenhut gut sichtbar im Schanigarten des Wiener Innenstadtlokals „Daniel Moser“ in der Rotenturmstraße sitzen.

Doch Anfang der 2000er Jahre klickten abermals die Handschellen. Es wurden sieben Jahre Haft, die er in den letzten fünf Jahren (2005 – 2009) in Hirtenberg absaß. Es war die Zeit, als auch der Bruder von Werner Rydl acht Jahre Haft in Hirtenberg absaß und die AMIS-Betrüger Harald Loidl (Wäscherei) und Dietmar Böhmer, aber auch der Rotlicht- und Glücksspielunternehmer Harald Hauke (bis 2007, Hausfazi) in Hirtenberg zugegen waren.

Neuerliche Festnahme – Vorwurf Betrug!

Nun hat die Wiener Polizei Harald J. neuerlich festgenommen. Er steht im Verdacht, dass er eine einzige Wohnung, nämlich seine Gemeindebauwohnung mehrfach vermietet hat. 26 Geschädigte soll es bereits geben. Er traf die Personen – meist aus den Bundesländern – in einem Café in der Wagramer Straße und kassierte 400 Euro Vorleistung. Außerdem geht es um Investablösen für Möbel.

Außerdem betätigte sich J. als Kredithai und vermittelte Überbrückungskredite. Provisonslastig, versteht sich.

Die Wiener Polizei sucht nun weitere Geschädigte, die sich für Wohnungsmieten des Objektes Rugierstraße 26 (1220 Wien) mit ihm getroffen und Geldleistungen getätigt haben. J. wurde in seinem Stammcafé festgenommen, sei teilgeständig und bestreitet, die Masche auch mit einer Wohnung im 2. Wiener Bezirk umgesetzt zu haben. Da die Schadenssumme erst 10.000 Euro ausmacht, ist noch nicht von Schwerem Gewerbsmäßigem Betrug zu sprechen, da hierfür eine Schadenssumme von über 50.000 Euro nötig wäre. J. kennt das Gesetz und er ging auf Nummer sicher. Er sitzt seit zwei Wochen in der JA Josefstadt in Haft.

Opfer werden unter der Polizeidienststelle KK Nord (01/31310/67210) gesucht.

Marcus J. Oswald (Ressort: Betrug, Opferaufruf)

Katzenmutter als Betrügerin verurteilt – Phänomen Tierhortung

Posted in Betrug, Strafprozesse by sicherheitwien on 14. September 2009

Kein Fall von Tierhortung, denn Tierparks oder sogenannte Streichelzoos dürfen Tiere zeigen. Im Bild das Kaupizieneräffchen im Tierpark Wels. (Foto: Oswald)

(Wien/Graz, im September 2009) Am Landesgericht Graz wurde am 11. September 2009 eine Frau nach Betrug verurteilt. Es ist eine „Katzenmutter“, die ihre Tierärztin betrogen hat. Es ging um 4.000 Euro offene Rechnungen für Katzen.

Das wäre noch nicht berichtenswert, jedoch: Die Grazerin hat 300 Katzen. 20 schlafen bei ihr im Bett. Jedes dieser Katzenviecher hat einen Namen und die 54-Jährige will sich alle merken. Es ging aber nicht um die Namen Schnurli, Petzi und Bärli 1-27, sondern darum, dass die Frau nur von 600 Euro Arbeitslosenunterstützung lebt. Eindeutig zu wenig Kapital. Allein die Katzenfutterkosten machen 350 Euro pro Woche (!) aus. Die Frau lebt daher auch von Spenden und vom Unterhalt des Exmannes. Das alles geht in riesige Mengen Katzenfutter auf. Und in Tierarztkosten.

Anzeige durch Tierärztin

Die Ärztin zeigte die Frau wegen offener Rechnungen aus dem Jahr 2008 an. Die Staatsanwaltschaft Graz ging davon aus, dass die Frau wusste, dass sie die Rechnungen nicht zahlen konnte und dennoch den Facharzt laufend mit den Pelztieren aufsuchte. Es setzte eine Strafe: Zehn Monate bedingt auf drei Jahre, da eine Schadenswiedergutmachung im Gerichtssaal mit 2.000 Euro sofort erfolgte!

Animal Hoarding (Tierhortung)

Bei diesem Thema geht es nicht um Tierliebe, sondern um Tierhortung. Das ist ein neuer Begriff, der, so wollen es Psychologen, in die Kategorie der Krankheiten etabliert gehört. Immer wieder finden Feuerwehrleute oder Polizisten vor allem in städtischen Wohnungen einen ganzen Zoo an Tieren. 50, 60 Kanarienvögel in einer 60 Quadratmeter-Wohnung im engen Käfig sind keine Seltenheit mehr. Dazu ein paar Nager und Katzen und Hunde. „Tierhortung“ wird als psychische Krankheit gesehen, die über Tierliebe und Tierpflege hinausgeht.

„Tierhorter“ sind Spezialausgaben von Menschen, die mehr mit Tieren reden als mit Menschen. Statt in die Trafik des Herausgebers zu kommen und eine halbe Stunde gesunden Schmäh zu führen, reden sie zu Hause mit dem Pudel oder mit der Riesenschlange.

Tierhorter sind verschuldet, isoliert und genießen Macht über Viecher

Die Wiener Zeitung brachte kürzlich zu diesem Phänomen einen interessanten Artikel. Darin wird ein Psychiater (Siegfried Kasper, MedUni Wien) so zitiert: „Menschen, die sich allein gelassen fühlen, genießen es, wenn zumindest die Tiere von ihnen abhängig sind.“ Tierhorter zeichnet noch etwas aus: Sie sind meist schwer verschuldet, weil die Futtermassen ihre Pension oder ihr Einkommen auffressen. Wie im oben genannten Straffall aus Graz fließt mehr als das Einkommen allein für Tierfutter weg. Echte Tierhorter denken nicht daran, dass sie die Tiere weggeben. Im Gegenteil! Manche beginnen mit Zucht und Verkauf des Nachwuchses – um das Futter für die anderen Tiere zu finanzieren. So entsteht ein kranker Kreislauf. Oder wie es eine Psychotherapeutin (Elisabeth Vykoukal) nennt: Ein Paralleluniversum. Die Isolierung von Menschen wird – ähnlich beim Messie mit Sammeln von Gegenständen – mit dem Sammeln von Tieren kompensiert.

Tierhaltung im Rudel deutet auf psychische Krankheit – Paralleluniversium!

In Wien hat die Tierombudsstelle (TOW) mit solchen Phänomenen Erfahrung. Käfige mit 70 Federviechern in Kleinstwohungungen, Schlangen und Schildkröten in der Badewanne, ein Rudel Katzen in Wohnungen. All das geschah schon. Früher erstattete die Behörde der MA 60 (Veterinäramt) Anzeige. Heute geht man in Wien den milderen Weg und nimmt die Tiere nur ab, ohne in den meisten Fällen Anzeige zu erstatten. Da man das Phänomen „Tierhortung“ kennt und als Krankheit definiert.

Manchmal kann die Tierliebe aber auch in „Betrug“ ausarten. Siehe oben.

Marcus J. Oswald Ressort: Betrug, Strafprozesse)

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