Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Stresstest Polizei verlief positiv, nur rund zehn Prozent ausgebrannt

Posted in Bundeskriminalamt, Personal by sicherheitwien on 15. Juli 2011

(Wien, im Juli 2011) Einer Belastungsstudie zu Folge steht es um die Polizeibeamten in Österreich gut. Das Ergebnis wurde am 13. Juli 2011 vom Innenministerium in Wien vorgestellt. Die Studie sollte untersuchen, ob bei Beamten der Inneren Sicherheit Ausgebranntheit, modern, ein „burn out“ vorliegt. Die Sicherheitsakademie (SIAK) hat die polizeiinterne Analyse an 1.227 Polizisten (87 Prozent männlich) per Fragebogen nach sozialwissenschaftlichen Kriterien Anfang 2009 begonnen und nun abgeschlossen. Aus dem Rücklauf von 60 Prozent wurde eine Wahrscheinlichkeit auf alle Polizisten errechnet. Die Uni Graz und Uni Innsbruck prüften die Modalitäten.

Da die Studie nicht veröffentlicht wurde, sondern nur das Ergebnis, sind die Kriterien der beiden Fragenkataloge (einer nach „Arbeitsbelastung“, einer nach „Emotionale Stabilität“) nicht bekannt. Ein Unterschied zwischen Stadtpolizei und Landpolizei (regionale Differenzierung) wurde nicht gemacht. Das Durchschnittsalter aller Getesteten beträgt 40,5 Jahre.

30-41 Prozent der Polizisten fühlen sich gestresst

Das Ergebnis: 30 Prozent (Prüfmerkmal Arbeitsbelastung) bis 41 Prozent (Prüfmerkmal Emotionale Stabilität) aller Probanden sind „gestresst“ durch den täglichen Beruf im Paragrafendschungel und an der Front zum Menschen und seinen differenzierten Interessen.

5,6 Prozent (Prüfmerkmal Arbeitsbelastung) bis 10 Prozent (Prüfmerkmal Emotionale Stabilität) haben kritische Anzeichen nach „Ausgebranntheit“ (burn out), wobei ein statistischer Überhang bei den Männern gegeben ist. In Zahlen wären das 1.700 bis 3.000 Polizeibeamte, durchmischt aus allen Bereichen, also auch jene der Verwaltung (wo 10.000 Personen arbeiten).

59-61 Prozent der Polizisten sind topfit

Man kann die Studie auch anders lesen, nämlich positiv. Die gute Nachricht ist: 59 Prozent (Prüfmerkmal Emotionale Stabilität) bis 70 Prozent (Prüfmerkmal Arbeitsbelastung) weisen keine Belastungssymptome auf. Man kann sagen: 60 Prozent der Beamten sind fit. 30 Prozent sind geschlaucht. 10 Prozent sind fix und foxi und sollten eigentlich aufhören, sich etwas anderes suchen oder zum Psychologen.

Einfach gesagt: 60-30-10 sind gute Werte. Diese sind in kaum einem Großunternehmen vermutlich so gut gelagert: Zwei Drittel ziehen das Werkl, mehr als ein Viertel läuft gut mit und ein Zehntel muss mitgezogen, durchgetragen werden, weil sie keine Kraft mehr haben.

Eine Teamwork-Analyse ergab ferner, dass “94% der Befragten“ mit dem Teamgeist zufrieden sind. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, steht Kameradschaft ähnlich wie beim Militär ganz oben auf der Liste der Anforderungen. „Corpsgeist“ ist in der freien Wirtschaft so gut wie überhaupt nicht als „soft skill“, als soziale Begabung, gefordert.

94 Prozent sehen Teamkompetenz gut

Bei Einrichtungen der Inneren (Polizei) und Äußeren Sicherheit (Militär) stehen im Unterschied zur Wirtschaft das teamorientierte Arbeiten im Vordergrund. 94 Prozent, durch alle Alterstufen 21 bis 66 Jahre, bringen im österreichischen Polizei-Stresstest zum Ausdruck, dass ihnen das Arbeitsmodell im Team unter dem Arbeitsziel das Staatsganze zu sichern („Ruhe und Ordnung“ bei Polizei; „Feindabwehr von Außen“ bei Militär), schmecken. „94 Prozent der Polizisten sind zufrieden mit dem Teamwork“, so Claus Polndorfer von der Leitung Psychologischer Dienst im Innenministerium bei der Präsentation der Ergebnisse in Wien.

Die Polizeigewerkschaft ist mit dem Ergebnis unzufrieden. Das war zu erwarten, ist es doch ureigene Aufgabe der Gewerkschaft Mehr zu fordern. Würde man eine flächendeckende Umfrage unter 300.000 Beschäftigten der Textilindustrie machen, würde man ebenso feststellen, dass dort auch nicht alles in weiche Wolle gewickelt ist.

Gewerkschaft: Methode „nicht vertrauenswürdig“

Der Polizeigewerkschafter Walter Scharinger hängt seine Kritik am „Stresstest Polizei“ an einem Methodenfehler auf: Es fehlt in der Studie die Bundesländerunterscheidung, wodurch Wien nicht heraussticht und demnach kein Unterschied zwischen einem burgenländischen Polizisten und einem Wiener vorliegt. In Wien sieht Scharinger den „Burn Out“-Wert zumindest doppelt so hoch wie in den Regionen mit weniger Menschenmassen und besserer Luft.

„Diese Studie ist für uns nicht vertrauenswürdig“, sagt der Gewerkschafter. Sie sei ein „Kunstprodukt“, weil sie vom Innenministerium (SIAK) und von keiner unabhängigen Einrichtung gemacht wurde. Er wirft seinem Ministerium vor, dass man sich dort die Zahlen schöner herrichtet, als sie sind. Außerdem habe man eine Salzburger Erhebung aus dem Vorjahr ignoriert und auf den Kopf gestellt, die seitens der Polizeigewerkschaft das düstere Bild ergab, dass ein Viertel (23%) ausgebrannt sei. Der sprunghafte Anstieg an Gesundeten innerhalb eines Jahres sei nicht erklärlich. Dem wäre – klare Folge – nur durch Arbeitskreise (Sozialmediziner) und natürlich Personalaufstockung zu behelfen, was auch der zentrale Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger fordert.

Ministerium: Gesundes Unternehmen Polizei

Vergessen wird beim politischen Hickhack um die Frage, wer das größere oder größte „Burn Out“ hat und wie gesund oder siech ein 30.000 Mitarbeiter-Unternehmen Polizei ist, der Umstand, dass das Polizeibudget kontinuierlich steigt. Die vormalige Innenministerin ließ es bis 2014 ordentlich hinaufstufen (auf 2.5 Milliarden Euro) – und wird es als Finanzministerin nicht zurücknehmen. Zudem ließ sie einen 57-Punkte Plan ausarbeiten, an dem sicher munter gearbeitet wird. Es gibt genug zu tun, als über das eigene Unwohlsein zu jammern.

Damit eignet sich der am 13. Juli 2011 vorgestellte psychologische Stresstest nur für das Sommerloch der Boulevardzeitungen. Das Ministerium unter der neuen Innenministerin Mikl-Leitner zieht aus dem Ergebnis den Schluss, dass die Polizeitruppe gesund und nicht siechend ist. Das stimmt. Denn der Faktor 60-30-10 würde kaum von einem anderen Unternehmen erreicht werden. Wie sonst, gerechnet auf 4,3 Millionen Erwerbstätige, könnten rund 900.000 Depressive am Markt frei herumlaufen. Das ist der stets genannte Richtwert für Österreich. Zur Entschuldigung: Für diesen Wert gibt es keine Studie. Es sind gefühlte Werte der Lobbystellen wie Ärztekammer und einschlägiger PR-Agenturen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt, Personal)

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Josef Kerbl neuer Kriminalchef in Wien

Posted in Bundeskriminalamt, Personal by sicherheitwien on 7. April 2011

Josef Kerbl neuer starker Mann in Wien. (Screen: NÖN)

(Wien, im April 2011) Am 1. April 2011 ging der Chef des LKA Wien, Alfred Tikal, in Pension. In kürzester Zeit wurde eine Personalie entschieden, die großen Einfluss auf die Kriminalbekämpfung im an Einwohner größten Bundesland hat: Der Posten des Chefs des Landeskriminalamts wurde neu vergeben.

Mehrere Bewerber

Mehrere Leute haben sich um den einflussreichen Job gedrängt. Mit im Rennen waren auch die beiden Stellvertreter des vormaligen Leiters, Michael Mimra und Wolfgang Haupt. Karl Mahrer soll Haupt präferiert haben, wogegen das Blatt von Mimra auf Grund von „Differenzen mit Mahrer“ von Anbeginn schlecht gewesen sein soll. Letzter soll nun mit einem Generalmajorsposten im Bundeskriminalamt bedacht werden. Beworben hat sich auch ein Beamter aus dem Bundeskriminalamt, der das Referat Menschenhandel leitet. Gerald Tatzgern fiel aber durch.

Der neue Leiter des Landeskriminalamts Wien tritt bereits am 11. April 2011 seinen Posten an. Es warten große Aufgaben. Die Drogenkriminalität ist allgegenwärtig, die Straßenkriminalität (kleiner, großer Raub) und die Jugendkriminalität sind Dauerthemen an den Gerichten. Dazu schwankene Aufklärungszahlen bei Einbrüchen, Autodiebstähle durch Banden und neue Felder wie Internetkriminalität. Der Job ist aber gut entlohnt.

Lange Vorbereitung

Josef Kerbl ist knapp 50 Jahre alt, trat 1983 in die Wiener Polizei ein und wurde 1989 Kripo-Mann. Bis 1995 im Sicherheitsbüro wechselte er dann bis 2001 in die Stapo. Nach der Rückkehr ins Sicherheitsbüro war er auch als „Referatsleiter der Verhandlungsgruppen“ im Bundeskriminalamt tätig, was nach Sicherheitspolitik klingt und weniger operatives Geschäft ist. Er wurde also für höhere Aufgaben über die Einzelabteilungen hinaus vorbereitet. Wien hat derzeit rund 900 aktive Kriminalbeamte, deren neuer Leiter nun Josef Kerbl heißt.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt, Personal)

Wiener Kriminalpolizei bekennt Farbe

Posted in Bundeskriminalamt, Personal by sicherheitwien on 15. Januar 2011

Kandolo Embe: Spurensicherung Wien. (Quelle: Heute, 7. Jänner 2011)

(Wien, im Jänner 2011) Aus der Fernsehserie „Der Alte“ kannte und kennt man das schon lange: Dort war und ist seit 1997 die erste Assistenz der Gruppe Kress ein gewisser Axel Richter. Ihn spielt Pierre Sanoussi-Bliss, ein Mann afroamerikanischer Herkunft. Er war aber nicht der erste „schwarze“ Assistent des Chefinspektors Kress: Von 1986 bis 1997 assistierte ein gewisser Henry Johnson, den der Afrodeutsche Charles Muhamad Huber spielte. Huber ist heute in Bayern CSU-Unterstützer und Politiker. Genug der Fernsehgeschichte. Gesagt werden kann nur: Es wurde seit 1986 – zumindest im Fernsehen – vorbereitet.

Wider das Vorurteil

In Wien hat man gegenüber Schwarzafrikanern insoweit Vorbehalte, weil eine mächtige Zeitung seit 15 Jahren sehr aktive Suchtgiftberichterstattung macht. Das große Boulevardblatt nimmt jeden noch so kleinen Vorfall in die Zeitung auf. Wenn das 15 Jahre lang geschieht, kommt man nicht umhin, von einer „Prägung“ zu sprechen. Es fällt schwer, nicht jeden „Schwarzen“ als nigerianischen Dealer zu sehen. Vorurteile, die man hat, wieder abzubauen, ist Schwerstarbeit. Dass es natürlich nicht so ist, dass jeder dunkelpigmentierte Mensch ein Dealer ist, steht auf der anderen Seite. Trotzdem haben es Afrikaner besonders schwer, zu gesellschaftlicher Akzeptanz zu kommen.

Stiefkind Afrika

Der Herausgeber dieser Seite hatte selbst einmal ein Stiefkind, das deren Wiener Mutter mit einer afrikanischen Zufallsbekanntschaft in Brüssel zeugte. Das Mädchen war, als er es kennenlernte (2002), gerade einmal zwei Jahre alt. Damals war schon klar, dass das Kind wohl nie Bezirksvorsteherin von Wien-Währing werden kann, auch nicht Parlametarierin und auch kaum Direktorin einer Volksschule oder einer großen Firma. Warum? Weil es anders aussieht, weil es Vorbehalte gegen die schwarze Hautfarbe gibt und weil die Repräsentationsmuster in der österreichischen Gesellschaft dagegen sprechen. Damals war dem Herausgeber dieser Seite auch klar, dass Kinder mit Migrationshintergrund dann eben besondere Kenntnisse brauchen, besonders viele Sprachen sprechen und besondere soziale oder musische Eigenschaften haben müssen, damit sie sich dem alltäglichen Rassismus entziehen oder ihn auf Grund ihrer Fähigkeiten gar nicht aufkommen lassen.

Schwarzafrikaner in gesellschaftlichen Führungspositionen sind in Österreich selten bis nicht vorhanden. Die meisten, die es schaffen, sind aber tatsächlich Menschen mit positiven Eigenschaften. Sie haben Tatendrang, Mut und Leistungswillen. Insgesamt: Sie wollen etwas für die Gesellschaft tun.

Revierinspektor Kandolo Embe (LKA Wien)

So bekennt auch die Kriminalpolizei Wien Farbe: Kandolo Embe war schon Revierinspektor in Wien-Donaustadt und dort im Einsatz. Seit Sommer 2010 ist er nun bei der Kriminalpolizei für Spurensicherung mitverantwortlich. Er geht mit dem Tatortkoffer und zieht Fuß- und Fingerabdrücke. Der Mann aus dem Kongo mit Wiener Wurzeln spricht perfekt Wienerisch.

Was auf einen anderen Beitrag führt, den die Blaulicht-Journale schon vor langer Zeit geschrieben haben. Es handelt sich bei Kandolo Embe um den selben Mann, der einmal in der Justizwache in Stein gearbeitet hat. Er war damals der „erste schwarze Justizwachebeamte“ in Stein. Einer von 380 und er hatte es nicht gerade einfach, sich im straffen Kader der Mannschaft zu behaupten. Nach etwas mehr als zwei Jahren verließ er die Justizwache in Richtung Polizeidirektion Wien Rossauer Lände. Dort kam er dann in der Donaustadt zum Einsatz und ist nun Fachkriminalbeamter in der Tatortgruppe im Landeskriminalamt.

Hier zum alten Beitrag: Justizanstalt Stein gewinnt Farbe (21. Jänner 2005)

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Das Thema Schwarzafrikaner ist weit. Hier noch drei Beispiele für Afrikaner in Wien (und Restösterreich), die es durchaus zu etwas gebracht haben.

Patrick Addai aus Senegal, wohnhaft Leonding bei Linz. Autor unter anderem der Kinderbücher Soll ich einen Elefanten heiraten, fragte der Frosch und Worte sind schön, aber Hühner legen Eier. (Foto Oswald: Kritische Literaturtage Wien 2010, 17. Dezember 2010)

Der Oberösterreicher Mag. Patrick Addai ist Buchautor und schrieb in den letzten acht Jahren neun Kinderbücher, die er im eigenen Verlag Adinkra vertreibt.

Emeka Emeakaroha, Feuerhauptmann von Ober-Grafendorf und der Altobmann der Bundesvereinigung der Kriminalbeamten unterhalten sich bei der Weihnachtsfeier im Hotel Intercontinental Wien am 27. Jänner 2006. (Foto: Marcus J. Oswald)

Scheckübergabe: Der Verein der Kriminalbeamten spendierte am 27. Jänner 2006 1.000 Euro für ein Brillenprojekt in Afrika. Im Bild vlnr Altobmann des Vereins (Kassier), Mag. Dr. Emeka Emeakaroha, Sylvia Kössler, designierter Neo-Obmann CI Karl Lehner (verstorben). (Foto: Oswald, 27. Jänner 2006, Hotel Intercontinental)

Ein anderes Beispiel ist Mag. Dr. Emeka Emeakaroha. Er ist Magister und Doktor, zudem Feuerwehrhauptmann von Ober-Grafendorf (NÖ). Der erste schwarze Feuerwehrhauptmann Österreichs. Er macht daneben karitative Arbeit für Afrika und erhielt bei der Weihnachtsfeier der Kriminalbeamtenvereinigung im Jänner 2006 einen Scheck in der Höhe von 1.000 Euro.

Demonstration für Seibani Wague: Dr. Di-Tutu Bukasa (links). (Foto: Marcus J. Oswald, 12. November 2005)

Auch Dr. Di-Tutu Bukasa ist Akademiker. Er ist zudem Herausgeber der Zeitschrift „Die Bunte“ in der Rotenlöwengasse. Das Heft erscheint alle zwei Monate und beschäftigt sich mit Menschenrechtsfragen.

Dies sind drei Beispiele für Schwarzafrikaner in Österreich, die gewiss nicht Drogendealer sind, sondern andere Aufgaben haben.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt, Personal)

Profiler Thomas Müller wirft im Bundeskriminalamt das Handtuch

Posted in Bundeskriminalamt, Personal by sicherheitwien on 20. Januar 2005

Im Fadenkreuz - Thomas Müllers Veranstaltungen werden auf Stromkästen an Wiener Straßenkreuzungen aktiv beworben.
(Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im Jänner 2005) Der 40-jährige Kriminalpsychologe des Innenministeriums, Thomas Müller, wirft im Bundeskriminalamt (BK) das Handtuch. Er wechselt in die Sicherheitsakademie (SIAK), wo er künftig Nachwuchs ausbildet. Der Wechsel erfolgt laut Innenministerium „auf eigenen Wunsch“. Er wolle „mehr Zeit für Forschung und seine Vorträge“ haben.

Der ehemalige Streifenpolizist aus Tirol, der Psychologie studiert hat, machte sich durch eigenständige Forschungsarbeit in der Täter- und Verhaltensanalyse einen Namen. Mit Expertisen zu großen Fällen wie Jack Unterweger und Franz Fuchs wurde er in der Öffentlichkeit als Kriminalpsychologe und „Profiler“ bekannt. Zugleich wuchs polizeiintern Kritik, dass er mit Dienststellen wenig kooperiere. Diese brisante Frage will Müller nicht mehr kommentieren.

Kripomann mit Vertrag bei Kabarettagentur

Er will sich nun auf Bühnenauftritte konzentrieren. Schon während der Tätigkeit im Bundeskriminalamt (BK) war er viel in Funk und Fernsehen zu hören (Ö3-Frühstück bei mir im September 2004, ORF-TV – Bei Stöckl im Oktober 2004). Seit geraumer Zeit steht er – trotz Tätigkeiten im sensiblen Bundeskriminalamt – bei Österreichs größter Kabarett- und Künstleragentur, Hoanzl, unter Vertrag (die auch Josef Hader, Erwin Steinhauer, Grissemann/Stermann, Andreas Vitasek, Michael Mittermeier und Heinz Marecek vertritt).

Alles in allem: Lukrative Nebengeschäfte für einen Kriminalbeamten. Manchen Beamten war das Dorn im Auge.

Im Herbst 2004 erschien sein lange angekündigtes Sachbuch „Bestie Mensch“ in der kleinen Edition ecowin der schlagkräftigen Topakademie Salzburg. Zuvor waren Vertragsverhandlungen mit Österreichs größtem Verlag, Ueberreuter, wegen unterschiedlicher Honorarvorstellungen gescheitert.

Das autobiografisch getönte Buch hält derzeit die 6. Auflage. Es steht ganz in der US-Tradition anekdotischer Kriminalgeschichtsschreibung und ist stilistisch an Megaseller der „FBI-Literatur“ wie „Ich jagte Hannibal Lecter“ (1992) von Ressler/Shatchman oder „Die Seele des Mörders“ (1995) von Douglas/Olshaker angelehnt.

Im Jänner 2005 startete dann auf ZDF die dreiteilige Doku-Serie „Maske des Bösen“ (1. Teil: 11. Jänner 2005, 22 Uhr 45), die nach seinem Buch „Bestie Mensch“ gestaltet wurde. Er war am Gipfel der Popularität angelangt.

Bühnenmagier vor ausverkauften Rängen

Fortsetzung findet auch Müllers publikumswirksame Vortragsreihe „Theatertäter“, ein Rundgang durch die Theatergeschichte unter besonderer Berücksichtigung kriminalpsychologischer Verhaltensauffälligkeit. Mit dem Show-Programm auf offener Bühne hat der Wahlwiener eine Marktlücke entdeckt. Er füllt die Säle, wo er auftaucht. Das ist kein Wunder, denn er beherzigt Grundlagen des Marketings: Zeige, was Du machst und sprich offen darüber! Tu es wie ein Magier: Verrate nie die Tricks!

Mittlerweile arbeitet ein ganzer Stab für ihn: Seine Veranstaltungen werden auf öffentlichen Werbeträgern in den Städten gut sichtbar affichiert, wobei auch Wildplaktierer an Straßenkreuzungen in Anspruch genommen werden. Das ist für einen Ordnungshüter ungewöhnlich.

Doch Thomas Müller ist ein ungewöhnlicher Ordnungshüter: Zu Sylvester 2004 bespielte der umtriebige Polizist das Wiener Museumsquartier gleich zu drei (!) Terminen. Mangel an Stehvermögen und Professionalität kann man dem Profiler gewiss nicht vorwerfen.

Marcus J. Oswald (Bundeskriminalamt, Personal)

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