Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Fahrraddiebstahl vor Universität – Ein Twentyniner von Gary Fisher

Posted in Diebstahl by sicherheitwien on 16. September 2011

Das Studiensemester hat noch nicht begonnen und doch finden erste Vorfälle statt. (Foto: Oswald)

(Wien, im September 2011) Ganzjährig finden Aktionen statt, die in Wien das Fahrradfahren bewerben. Fahrradständer werden aus dem Pflaster gestampft. Radfahrlotsen von der Stadt Wien aufgenommen (400 Bewerber wollen es werden, die Besten werden genommen; Parteibuch zwecklos). Die Polizei steigt wieder aufs Fahrrad um (nach Auflösung der „Fahrradpolizei“ erfolgt deren Neugründung; auf der Wiener Donauinsel wurden schon zwei Uniformierte mit Rennrad gesehen). 2012 bekommt Wien die erste Fahrradgarage beim Westbahnhof als Unterstand für 1.100 Räder (derzeit läuft eine Umfrage, wie viel es dem Radhalter monatlich Wert ist; 2 Euro im Monat oder mehr?).

Das weiß auch Bernhard Groiss. Er ist fit, fährt Rad und hat eine Marke, die bei Insidern als Mutter aller Geländeräder bekannt ist: Gary Fisher gilt als der „Erfinder des Mountainbikes“. Der Mitarbeiter des Universitätsinstituts für Geografie ist begeisterter Radfahrer und er investierte in sein Bike. Er kennt die Komponenten, pflegt sie, weiß über sein Rad Bescheid.

Der Hausmeister des Universität bringt an der Steinsäule des NIG einen Aushang an. (Foto: Oswald)

Am 13. September 2011 traute er seinen Augen nicht. Als er an diesem Tag zwischen dreiviertel Eins Mittag bis halb Drei am Nachmittag in der Universität im Neuen Institutsgebäude (NIG) war, war sein Tag erledigt. Und zwar komplett. Als er nämlich zur Tür wieder heraus kam, war sein Edel-Fahrrad weg.

Die Fahrradstellplätze wurden erst vor wenigen Monaten vor dem Neuen Institutsgebäude (NIG) um eine Spur erweitert. Die Stellplätze auf der Straße kamen hinzu, um dem Mehraufkommen der Räder während der Universitätssaison Herr zu werden. (Foto: Oswald)

Er ist schwer geschockt und fahndet fieberhaft nach dem Urhebern. Denn das Gary Fisher 29 Zoll X-Caliber kostet gut und gern – je nach Detailausstattung: 1.500 Euro. Nach oben offen!

Gesamtschau Österreich – 4,9 % Aufklärungsquote

Traurige Tatsache: Die Aufklärungsquote in Österreich bei Fahrraddiebstahl streift jene bei Wohnungseinbruch wie eine befreundete Parallele. Heitere Seite: Bei einem Wohnungseinbruch ist der durchschnittliche Schaden (je nach Inventar) 20.000 Euro, bei einem Fahrraddiebstahl im Durchschnitt weit unter 1.000 Euro. Ernste Tatsache: Bei Fahrraddiebstahl ist – laut dem Ergebnis einer Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vom 4.April 2011 – nur „4,9 %“ Fangquote. Das heißt: 95 % aller Diebstähle bleiben für immer unaufgeklärt. In nackten Zahlen: Nur eines von 20 gestohlenen Rädern taucht wieder auf! Das liegt aber auch an der Grundeinstellung der Polizisten: Mangels extrem hohem Wert mancher Räder suchen sie erst gar nicht und verlassen sich auf Zufallsfunde. Es gibt hinter der Aufklärung von Fahrraddiebstahl in der österreichischen Polizei keine Systematik.

20.929 Diebstähle, davon 6.502 in Wien

Weitere Einbettung ins Gesamte: 2010 gab es österreichweit 20.929 Fahrraddiebstähle (minus 17 % zu 2009: 25.202; 2008: 24.348; 2007: 23.940; 2006: 23.812; 2005: 24.077), also ein Rückgang. Der VCÖ errechnete, dass alleine die gestohlenen Räder aus 2010 einer Länge entsprechen, die eine Wegstrecke von Wiener Stephansplatz bis nach Baden ergeben. Seit 2005 wurden 142.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Der Gesamtschaden beträgt 50 Millionen Euro. Wien gilt als Metropole des Raddiebstahls: 6.502 Räder wurden als gestohlen gemeldet (minus 22,4 % zu 2009: 8.376).

Versicherungsbetrug beliebt

Klar ist, dass in kaum einem Sektor der Versicherungsbetrug so blüht, wie beim Rad. Es gab schon Fälle, in denen ein Rad als gestohlen gemeldet wurde und der Bruder dann damit weiterfuhr. Die Nichtkennzeichnung der Räder ermöglicht es. Die Grauzone wuchert und bedürfte einer Systematik, die das eine (Versicherungsbetrug) verringert und das andere (Wiederfinden und Zuordnen) ermöglicht.

+++

Gary „Mister Mountainbike“ Fisher im O-Ton über sein Masterpiece:

Eine Demonstration des „29-er“ in Comic-Form. Der stürzende Tanzbär:

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)

August Baumühlner schrieb Ratgeber zu Ladendiebstahl

Posted in Bundespolizei, Detektive, Diebstahl, Polizei Wien by sicherheitwien on 5. April 2011

August Baumühlner (li.) ist als Polizist oft als Testdieb unterwegs und schrieb nun ein Buch zum Thema Ladendiebstahl, das im Verlag der Wirtschaftskammer herausgekommen ist. (Foto: Oswald, 2005)

(Wien, im April 2011) Mit einem Co-Autor (Roman Seeliger) schrieb der Leiter für Kriminalprävention im Landeskriminalamt Wien August Baumühlner einen Ratgeber zum Thema Ladendiebstahl.

Darin wird eine These aufgestellt: „Die wichtigste Maßnahme ist die Schulung der Mitarbeiter. Der falsche Ansatz ist, wenn Kaufhausdetektive so viele Ladendiebe wie möglich erwischen und im Namen der Unternehmen den Erfolg in der Bekämpfung allein darin sehen.“ Und weiter: „Schließlich ist jeder verhinderte Diebstahl – nicht nur für Kaufleute – besser als ein gelöster Kriminalfall. Der Unternehmer erspart sich nämlich vor allem eine Störung der Einkaufsatmosphäre.“

Riskante These

Das ist eine riskante und gewagte These: Sie will nichts anderes, als Prävention vor Verbrechensaufklärung reihen. Das ist zumindest der Denkansatz der beiden Autoren des Buches „Dauerthema Ladendiebstahl“, das nun im Verlag Service GmbH der Wirtschaftskammer Österreich erschienen ist (19 Euro).

Ganz durchdacht ist diese These nicht. Denn selbstredend werden Kaufhausdetektive deshalb engagiert, um Langfinger zu überführen. Begleitend wird natürlich das Verkaufspersonal – vor allem in größeren Supermärkten – zur Umsicht geschult. Doch im Alltag liegt es an der Fachkraft des Detektivs in Zivil, ob jemand überführt wird oder mit vollen Taschen nach Hause geht. Der Detektiv steht auch unter Erfolgsdruck.

Kein Einheitstyp

Die Hauptproblematik erkennen die beiden Buchautoren: „Den typischen Dieb gibt es nicht.“ Man kann ihn weder am Aussehen, Alter, Geschlecht, Herkunft oder Stand eingrenzen. Die Autoren sind überzeugt, dass Experimente mit dem Ziel, den typischen Ladendieb schon beim Betreten des Geschäfts zu suchen scheitern müssen, da man Gefahr läuft, Vorurteile zu aktivieren. Das kann zu Falschverdächtigungen führen, die künftige Kunden verprellen.

Charakterlich und psychologisch könnte man den Ladendieb sicher eingrenzen: Er ist entweder psychisch auffällig oder ausnehmend ruhig und selbstbeherrscht. Dann gibt es die Ausnahmen, dass nicht jeder Junki und nicht jede hysterische Mutter mit Kleinkind die Seitentaschen voll hat und auch nicht jeder Beamte im seriösen Auftritt das Risiko sucht und prüft wie schlau er ist. Der Weg zur Kassa führt durch ein Geschäft.

„Hot Products“ begehrt

Die Autoren meinen zu wissen, dass jedes Geschäft „Hot Products“ (heiße Produkte) hat. Sie meinen auch zu wissen, dass 80 % der Diebstähle auf 10 – 15% der Produkte fallen, die besonders begehrt sind. Hier ein aktuelles Beispiel aus der Praxis: Der Zielunkt-Supermarkt in der Rotenlöwengasse in Wien 9 hat seit März 2011 sämtliche „Red Bull“-Dosen aus dem Regal entfernt und nur noch unter dem Sitz der Kassa, weil extremer Schwund bei Red Bull war. Der Billa-Supermarkt in der Klosterneuburgerstraße in Wien 20 hat seit Februar 2011 sämtliche „Red Bull“-Dosen aus dem Regal entfernt und nur noch unter dem Sitz der Kassa. Gleicher Grund.

In Parfümerieketten (BIPA, DM) sind teure und kleine Parfüms begehrt, weniger heiß sind Müsliriegel. In Elektrofachgeschäften, vor allem Kleinfilialen, sind Digitalkameras nicht mehr so begehrt, weil der Preis verfiel, hingegen teure Handies. Kleinfilialen (Niedermeyer, Hartlauer) sind meist schlecht gesichert.

Tausende Milka-Schokoladen zum Weiterverkauf in Rumänien

Kürzlich wurde in Wien ein Rumänen-Trio verhaftet, das mehrere tausend lila „Milka-Schokoladen“ in der Wohnung hatte. Allesamt gestohlen und zum Abtrtansport nach Rumänien vorbereitet. Die Männer, die Ladendiebstahl gewerbsmäßig begingen, wurden sofort verhaftet!

Die Autoren Baumühlner und Seeliger haben eigene Gegenstrategien entwickelt. Im Mittelpunkt steht die Information des Mitarbeiters und seine begleitende Ausbildung.

  • Maßnahme 1: Personalschulung schafft Wissen und erhöht die Sicherheit. Schüren von Instikten ohne Schüren von Vorurteilen.
  • Maßnahme 2: Kunden immer direkt ansprechen und höflich nach Wünschen fragen. Baumühlner: „Gleichgültigkeit des Personals verleitet zu Diebstahl und verstimmt auch ehrliche Kunden.“ Oft erstickt die höfliche Ansprache die geplante kriminelle Tat im Keim, so der Präventionsbeamte.
  • Maßnahme 3: Mitarbeiter, die Inventurdifferenzen verringern, gehören prämiert und belobigt. Das motiviert für das nächste Mal.
  • Maßnahme 4: Informationen der Sicherheitsbehörden lesen! Falls es SMS-Dienste der Sicherheitsbehörden gibt, mitmachen.
  • Maßnahme 5: Videoüberwachung nur in Absprache mit Datenschutzkommission. Nicht alles ist filmreif (etwa: Umkleidekabine, auch nicht Gehsteige und anderes).

Mit Ex-ÖFB-Teamchef Johann Krankl könnte man sagen: „Wir haben keine Chance, aber diese wollen wir nutzen.“ Bekämpfung von Ladendiebstahl ist „schwierig, aber nicht unmöglich“, formulieren es die Autoren.

500 Millionen Euro Schwund im Jahr

Der Handel in Österreich setzt pro Jahr 53,3 Mrd Euro um (2009). Man errechnete, dass 1 – 1,5 % Warenschwund besteht, der sich nicht erklären lässt. Umgelegt auf Zahlen wären das laut Interessensvereinigung Wirtschaftskammer Österreich Warenwerte in der Höhe von 500 bis 800 Millionen Euro pro Jahr.

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl, Detektive, Bundespolizei, Polizei Wien)

Viel Streit um den Briefkasten – Nun doch Umrüstung bis 2012

Posted in Diebstahl by sicherheitwien on 19. Oktober 2010

Die alten Postkästen hängen noch. Aus ihnen wurde viel gestohlen. Die neuen Postkästen kommen bald. Aus ihnen wird noch mehr gestohlen. Denn für die Wartung der alten Kästen war die Post zuständig. Für die Wartung der neuen Kästen ist der Hauseigentümer zuständig. (Foto: Ruhe und Ordnung)

(Wien, im Oktober 2010) Das Postgesetz interessiert den Bürger genau so wenig wie das Wetter von vorgestern. Wichtig ist dem Bürger, dass seine Post befördert wird und ankommt. Wie das geschieht, ist ihm gleichgültig.

Nicht ganz gleichgültig war in den 1990er Jahren Unternehmen, ob sie auch Post und Prospekte zustellen können. Daher lobbyierten die Konkurrenzunternehmen der Post und es kam 1997 das neue Postgesetz. Es sah vor, dass Briefkästen auch für andere Firmen zugänglich sein mussten und dann setzte der große Umbau ein. Die güldenen Briefkästen mit dem Schloss wurden durch mausgraue Briefkästen mit einem horizontalen Einwurfschlitz ersetzt. Bis 1. Juli 2006 hätten alle Briefkästen in Österreich umgerüstet sein müssen.

Hauseigentümer klagten schon 2006 gegen Postgesetz wegen Kostenübernahme

Doch die Hauseigentümer klagten, da sie die Kosten tragen hätten müssen. Sie bekamen vor dem Verfassungsgerichtshof am 25. April 2006 tatsächlich Recht. Somit gibt es derzeit österreichweit eine Mischform: Sanierte Häuser und Neubauten mit neuen Briefkästen, alte Häuser (in der Mehrheit) mit alten Blech-Briefkästen (Bild oben), die nicht für Prospektelieferanten und Zeitungszusteller zugänglich waren oder sind.

Ab 2006 war völlig offen, wie es mit der Vereinheitlichung des Zustellwesens im Hausbereich und damit mit den Postkästen weitergeht. Bis heute gibt es zwei Kategorien: Goldene und graue Kästen. Die neuen hatten den Vorteil, dass sie für jedermann zugänglich sind, und das war auch ihr Nachteil: Nie zuvor wurde so viel Post gestohlen! Ein Griff mit dünner Hand (Kinderhand, Frauenhand) in den Schlitz reichte und eine Handvoll Briefe war in falschen Händen.

Postmarktgesetz 2010

Seit 2006 fehlte die Verpflichtung, dass ein neuer Briefkasten montiert werden muss. Nun der Durchbruch: Am 1. Jänner 2011 tritt ein neues Postmarktgesetz in Österreich in Kraft. Zugleich fällt das Briefmonopol für die Post AG bei Sendungen bis 50 Gramm. Was heißt das? Die Post bleibt mit Übergangsfrist bis 2015 „Universaldienstleister“. Für die Post heißt das Erhalt dieser Services: Postamt, Postpartner, Postsammelstellen (gelbe Postkästen), Zustellqualität (Montag bis Freitag). Zugleich muss man der Konkurrenz Raum geben. Die Mitbewerber müssen für diesen Freiraum übrigens auf die Post einzahlen, wenn aus dem „Universaldienst“, den der Mitbewerb nicht als Service führt, ein Verlust entsteht.

Diese Briefkästen müssen in Österreich bis spätestens 31. Dezember 2012 in allen Häusern, die mehr als vier Mieter haben, installiert sein. Es besteht höchste Diebstahlgefahr für Briefpost. (Foto: EVVA-Modell)

Nun zu den „Hausbrieffachanlagen“ (HBFA): Schon das Postgesetz 1997 sagte zur Anzahl: „Es müssen soviele Brieffächer enthalten sein, wie es Adressen in dem Gebäude entspricht.“ Das Postmarktgesetz 2010 sagt: „Es müssen in jedem Haus, das mehr als vier Abgabestellen hat (mehr als vier Mieter), die in mehr als zwei Etagen sind, Hausbriefkästen montiert sein.“ Es gibt tatsächlich Häuser, in denen nur drei Personen wohnen. Diese brauchen keine Briefkästen (vor allem in ländlichen Regionen). Fokus liegt auf Mehrparteienhäusern bis Wolkenkratzer. Ferner, so Postmarktgesetz 2010: Die Kästen müssen für jeden Postanbieter zugänglich sein. Und: Die Kästen brauchen Eingriffsschutz.

Großer Wandel

Nun kommt der große Wandel: Bis 31. Dezember 2012 müssen alle alten Briefkästen endgültig ausgetauscht sein. Die Eigentümer der Häuser müssen das nicht mehr zahlen. Aber sie müssen den Austausch ermöglichen. (Wogegen sie sicher nichts haben, wenn es nichts kostet.) Und: Die Fachanlagen gehen nach dem Austausch unentgeltlich in das Eigentum der Hausherren über. Knackpunkt: Sie müssen aber von diesen gewartet und gegebenenfalls repariert werden. Die Erstkosten holt sich die Post durch die Mitbewerber, nicht mehr von den Hausherren, das wurde im Postmarktgesetz 2010 so geregelt. Für die Folgekosten (Reparatur bei Vandalismus) muss die Hausherrenschaft aufkommen, die schon bisher erfolgreich gegen jedwede Kostenübernahme erfolgreich geklagt hat (2006).

Hauptnutznießer der großen Umstellaktion ist die Sicherheitsfirma EVVA. Der Branchenprimus bietet ein variables Angebot für Postfächer und wird in den nächsten zwei Jahren das Geschäft des Lebens machen.

Diebstahl wird wachsen

Der Nachteil des Umbruchs im Postbereich liegt auf der Hand: Nie zuvor wurde so viel Post aus den Briefkästen gestohlen wie mit den neuen Klapp-Briefkästen. Es verschwanden schon Gerichtsunterlagen und Behördenbriefe. Der Diebstahl von Post wurde statistisch nie erhoben. Er war und ist beträchtlich. Insoweit kann man tatsächlich von einer Marktöffnung sprechen. Durchgesetzt haben sich Mitbewerber mit ihren Forderungen. Auf der Strecke blieb das Briefgeheimnis.

+++

Standardmodelle EVVA-Briefkästen
Alle Briefanlagen von EVVA im Überblick (pdf-Link via EVVA, 1.09 mb)

§ 34 Postmarktgesetz regelt die Hausbriefkästen – Inhaltsübersicht: Das Postmarktgesetz (pdf-Link via RIS)

Bisheriges gesamtes Postmarktgesetz (via RIS, das Gesetz kommt erst am 1. Jänner 2011)
Der § 14 Postgesetz im Detail (via WKO, alter Paragraf gilt bis 31. Dezember 2010)
Der § 34 Postmarktgesetz im Detail (via WKO, Paragraf, tritt am 1. Jänner 2011 in Kraft)

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)

Ladendiebstahl und 103 Geheimnisse – Neues Buch enthüllt

Posted in Detektive, Diebstahl by sicherheitwien on 22. September 2010

Claus Endress legt ein Buch mit vielen Bildern vor. (Foto: Buchumschlag)

(Wien, im September 2010) Am Sonntag, 19. September 2010 hat im „Billa“ im Franz Josef Bahnhof kurz vor Kassaschluss eine Frau etwas gestohlen. Es war 20 Uhr 50, alle dachten schon ans Nachhausegehen. Auch die drei Berufsdetektive. Doch sie wurden gehindert. Die Frau wurde im Geschäft gestellt – und was kam unter dem Pullover hervor? Eine Stange Extrawurst. Die abgebundene Wurst in roter Haut wurde seitlich unter den Hosenbund versteckt. Der Wollpullover kaschierte die Körperseite gut. Doch sie wurde beobachtet. Ein Mann kam dazu und beteuerte heftig, das zu bezahlen und Ende. Beide, Mann und Frau, sprachen tschechischen Akzent. Die Detektive mussten kurz vor Feierabend, das Geschäft sperrt um 21 Uhr, noch eine Anzeige schreiben.

Stange Extrawurst nur Gipfel des Eisbergs

Wer eine Stange Extrawurst stiehlt, tut das vielleicht weniger aus Diebslust. Die meisten Diebststähle im Laden befriedigen die Lust am Besitz. Vor allem im Parfümeriemarkt boomt der Ladendiebstahl. In Österreich ist der Schwund beträchtlich. Man rechnet mit einem jährlich Kleindiebstahl von rund 3 Milliarden Euro. Die Zahl ist geschätzt, da die meisten Diebstähle nicht aufgeklärt werden. Ladenketten engagieren erst dann Detektive und Berufsbeobachter, wenn der Schwund in einem bestimmten Sektor zu groß wird. Man sagt, dass erst ab einem Warenschwund über drei Prozent professionelle Assistenz eingesetzt wird.

Ein solcher professioneller Assistent ist Claus Endress. Er ist in Deutschland Wirtschaftsdetektiv, saß in mehreren Prüfstellen und Ausschüssen, war Dozent und befasst sich seit 1991 mit Einzelhandel aus der Sicht des Detektivs.

Knapp vier Milliarden Schwund in Deutschland durch Ladendiebe

Er errechnete für Deutschland, dass dort 2008 Waren im Wert von 3,9 Milliarden Euro ohne Bezahlung den Besitzer gewechselt haben. Gleichzeitig rüstete der Einzelhandel auf und investiert jährlich mehr als eine Milliarde Euro in die Gegenabwehr (Sicherheitssysteme, Shopguards, Kaufhausdetektive).

Der Autor erklärt das Phänomen auf 164 Seiten. Mit 670 Bilddokumenten analysiert er die Arbeitsmethoden der „Entwendungstechniker“. Ein PDF zum Einlesen gibt es hier.

Das Buch kostet 39 Euro und ist über die Webseite des Autors (www.entwendungstechniker.de) zu bestellen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl, Detektive)

Geldkuverts aus der Freud-Universität gestohlen – Zwei Jahre Haft

Posted in Diebstahl, Gericht, Landesgericht Wien by sicherheitwien on 13. Oktober 2009

Landesgericht Wien.

(LG Wien, am 13. Oktober 2009) Ein ehemaliger Mitarbeiter der Bestattung Wien, sieben Jahre arbeitslos und auf Wohnungssuche, nächtigte öfter im Gebäude der ehemaligen Finanzlandesdirektion Wien, das heute ein Bürohaus ist, in dem unter anderem die Lauda Motion Autovermietung, die Austro Control und die Sigmund Freud Privatuniversität untergebracht sind. Dann startete er in der Garage einen Smart der Lauda Motion und lieh sich das Auto zwei Monate aus. Ein Laptop verschwand ebenso aus den Büroräumlichkeiten. Und 400 Kuverts aus dem Tresor. Beides gehörte der Freud-Privatuniversität. Nun gab es 24 Monate Haft, davon sieben Monate unbedingt.

Der Angeklagte Joachim Franz hat einen sehr heiligen Nachnamen. Er ist kein Heiliger, aber er ist gewiss der harmloseste Angeklagte des vergangenen und bald abgelaufenen Jahres. Vor allem einer, der zwar ein eigenwilliges Leben führt, aber niemandem auf der Tasche liegt. Richterin Karin Burtscher frägt den soeben 45-Jährigen, der aus Allensteig stammt: „Wovon leben Sie?“ Herr Joachim: „Freunde, Spenden. Keine Sozialhilfe, kein AMS.“ Bis 2002 hat er gearbeitet, bei der Bestattung Wien. Dann wurde dort „rationalisiert“. Möglicherweise war dieser Job für den Typ Mensch, den der Angeklagte verkörpert, ideal: In sich gekehrt, ruhig, einer der auch Freiheiten braucht und der das Leben sehr gelassen und ohne Hektik sieht. Geprägt hat ihn die Bestattung: Wozu sich aufregen? Unter die Erde kommt jeder. „Haben Sie Schulden?“, frägt die Richterin. „Meinen Sie finanzielle Schulden?“, erwidert der Angeklagte und konkretisiert, was er meint: Bankschulden hat er keine, aber Alimentationsschulden in der Höhe von rund 20.000 Euro. Durch die Anspannungslehre wurde er auch in den vielen berufslosen Jahren zum Unterhalt verpflichtet, den er nun dem Staat schuldet. Irgendwie hat er dieses Thema aufgegeben: „Die Kinder sehe ich aber regelmäßig“, erklärt er. Sie sind 11 und 16 Jahre. Die Mutter nicht mehr, da gab es auch gerichtliche Wickel.

Trennungsopfer

Männer wie Joachim Franz gibt es in Wien viele, er entspricht beinahe wie aus der Schablone dem Prototyp des Scheidungsverlierers, der irgendwann aufgibt. Nicht nur, wenn man den Mann mit dem Kurzhaarschnitt so von der Seite betrachtet. Seine Sitzhaltung ist entspannt, die Füße weit nach vorne gestreckt. Er sitzt ruhig und fest an der Rückenlehne, beugt sich aber nicht mehr vor, erläutert nichts mehr mit den Armen, hebt auch nicht mehr seine Stimme. Er hat, das ist das Gesamtbild, losgelassen. Mit 30 (1993) kam er das erste Kind, mit 35 (1999) das zweite. Damals hatte er einen fixen Job bei der Wiener Bestattung, der krisensicher galt, denn gestorben wird immer. Mit 38 (2002) änderte sich das. Er wurde „rationalisiert“. Was ihm von seinem Lebensplan blieb, sind Alimente. Und 2004 ein Prozess mit der Lebensgefährtin samt Kleinverurteilung (5 Monate bedingt, § 107). Seither halten ihn Freunde über Wasser. Seit „drei Jahren“, er ist 42, hat er sich überall abgemeldet: AMS, Sozialamt. Ihn interessiert das nicht mehr. „Ich habe über 100 Bewerbungen geschrieben“. Das ist für ihn genug. Mittlerweile hat er aber auch keine richtige Wohnung mehr. Und schläft mal dort, mal da. 2008 gab es gar eine Anklage wegen „Räuberischen Diebstahls“, eine Rangelei mit einem Kaufhausdetektiv. Daraus wurden 2 Monate unbedingt am LG Wiener Neustadt nach „Diebstahl“.

Man will nicht tiefer eindringen, die Richterin tut es auch nicht. Es ist im Leben manchmal so, dass der, der in Zweierbeziehungen defensiv auftritt, am Ende der Benachteiligte ist. Auch am Landesgericht Wien, wie seine Verurteilung aus 2004 zeigt. Als der Angeklagte im ersten Durchlauf auf Befragung der Richterin in wenigen Worten und unaufdringlich diese Zusammenhänge erzählt, hat er die Sympathien auf der Seite. Auch der Privatbeteiligtenvertreter der geschädigten Sigmund Freud Universität Anwalt Alfred J. Noll muss sehr oft schmunzeln. Das ist kein unsympathischer Angeklagter. Man merkt, hier ging vor vielen Jahren einiges schief, hier wurde ein Herz so oft gebrochen (wohl auch durch fanatische Fraueneinrichtungen und fanatische Richter, die in seiner 2004-Falllage dabei waren), dass nun das Ergebnis fünf Jahre später das ist, wie es die Fraueneinrichtungen und Richter haben wollen: Einen seelisch abgetöteten Mann. Der trotz allem dem Staat nicht zur Last fällt. Kein Sozialbetrüger, sondern einer „der lernen muss, sich selbst durchzuschlagen“, wie er einmal sagt. Mit zwei Vorstrafen ist das sinnlos, das weiß er. Mit Alimentationsschulden von 20.000 Euro auch. Daher lässt er es bleiben.

Böser Vorwurf: Mini One aus der Garage Niki Laudas entwendet!

Die Richterin will natürlich zum Fall etwas wissen. Bekennt er sich schuldig? „Grundsätzlich schuldig“, sagt er, der mit Pflichtverteidiger kommt. Die Staatsanwältin wirft ihm vor, dass er in der Tiefgarage der Schnirchgasse 9A im 3. Wiener Bezirk einen „Mini One“ (Marke Mini Cooper) der Lauda Motion in Betrieb gesetzt und gestohlen hat. Er fuhr mit dem Werbeauto, das man für 2 Euro pro Stunde mieten kann, zwei Monate in Österreich herum. Außerdem, so der Vorwurf, habe er 13.000 Euro aus einem Tresor der Universität mit einem (gefundenen!) Schlüssel mitgenommen und außerdem einen Laptop aus einem Hörsaal. Das gibt der Angeklagte alles zu. Nur zum Auto sagt er, dass der Schlüssel gesteckt hat, daher ist das laut seinem Anwalt nur ein Diebstahl und kein Einbruchsdiebstahl. Es sind viele Merkwürdigkeiten, die in diesem Prozess aufs Tablett kommen.

Schnirchgasse 9A

So „wohnte“ der Angeklagte eine Zeitlang im Gebäude Schnirchgasse 9A, das die ehemalige Finanzlandesdirektion Wien war. Das Finanzamt ist weg, nun sind andere Firmen eingemietet. Einige Etagen sind überhaupt leer. Hier nächtigen Obdachlose und können sich im Gebäude fast frei bewegen. Das führt zum allgemeinem Schmunzeln im Gerichtssaal. In der Garage, die ebenso unversperrt ist, hat sich die Lauda Motion eingemeitet. Dort stehen reihenweise die Mietwageln. Wie Joachim Franz weiß, der eine Art Hausinsider oder Hausgespenst ist, stecken dort die Schlüssel in allen Autos. „Sie sind betriebsbereit.“ Gegen Diebstahl gesichert sind die Autos offenbar nicht, nur bei der Ausfahrt gibt es einen Schranken, aber kein Garagentor. Joachim Franz, das Hausgespenst von der Schnirchgasse 9A, nutzte am 19. Juni 2009 die Gelegenheit und „borgte“ sich ein Auto aus. Richterin: „Wie lange?“ Angeklagter: „Den Sommer.“ Schmunzeln im Gerichtssal. Richterin: „Und wie sind Sie aus der Garage gekommen?“ Angeklagter: „Eingestiegen und weggefahren.“ Richterin: „Ja, da haben wir Fotos von der Überwachungskamera der Austro Control, die in diesem Haus auch eingemietet ist. Sie zeigen, wie sie den Schranken in einer Kurve am Gehsteig umfahren und hinausfahren.“ Joachim Franz ist ertappt. Dann hat er jedoch noch etwas gemacht.

Der Schauplatz: Schnirchgasse 9A. Sitz der Austro Control, Sigmund Freud Universität und der Garage der Lauda Motion. (Foto: Stadt Wien)

Er schraubte in Oberösterreich von einem anderen Auto die Kennzeichen ab und auf den Lauda-Motion-Werbeleihwagen auf. Nun fuhr er mit „UU“ (Urfahr Umgebung) durch Österreich. „Warum haben Sie das gemacht“, will die Richterin wissen. „Damit das Auto weniger auffällt.“ Im September wollte er, sagt er, das Auto ohnehin wieder zurückgeben. „Warum?“, frägt die Richterin. „Weil dann der Sommer aus ist.“ Der Angeklagte hat aber noch etwas gemacht: Er hat auch einen Laptop aus einem Hörsaal der Privatuniversität mitgenommen. „Warum?“ will die Richterin Burtscher wissen. „Ich dachte, das Laptop kann man verwenden.“ Er stand ungesichert in einem Vortragssaal herum, Marke Asus. Wert: 500 Euro. Dieser Punkt wird im Prozess nur mit drei Sätzen abgehandelt. Der letzte Punkte etwas näher. Richterin: „Die Staatsanwaltschaft legt Ihnen zur Last, sie hätte Geld aus dem Tresor gestohlen. Was sagen Sie dazu? Bekennen Sie sich dazu schuldig?“ Angeklagter: „Mehr oder weniger.“

Nach dem Einbruchsdiebstahl fehlten 400 Kuverts mit Patientenkautionen - 10.000 Euro Schaden! (Foto: Logo SFU)

Es war so: Er fand einen Schlüssel in einem – ebenso – offenen und nicht abgesperrten Büro der Sigmund Freud Privatuniversität auf einem Bürotisch. Der Schlüssel stach ihm sofort ins Auge, denn er lag auf einem Zettel. Darauf stand: „Für Dich, mein Bärli!“ Der Angeklagte konnte nicht widerstehen: „Ich schaute nach, was Bärli ist.“ Es dürfte so ein Psychologenscherz sein, ein verdeckter Hinweis. Denn nur fünf Meter vom Tisch entfernt stand ein Tresor und darauf laut Angeklagtem saß ein „Bär“. (Laut Aussage des Informierten Vertreters der Sigmund Freud Universität war das jedoch ein „Elefant“). Jedenfalls: Joachim Franz sah nach. Steckte den Bartschlüssel ins Schloss des Tresors und er passte. Was sah er? Rund 400 Kuverts. In den Kuverts waren je 25 Euro oder 50 Euro.

400 Kuverts mit Geld

Das waren Patientenkautionen von Leuten, die eine ambulante Psychotherapie beginnen. Sie hinterlegen beim Ersttermin (Vorgespräch) eine Kaution, die verfällt, wenn sie dann nicht mehr kommen. Wenn sie zum Zweittermin kommen, bekommen sie das Geld zurück. So sah der Angeklagte diese Kuverts, öffnete eines und merkte, dass das viel Geld ist. Richterin: „Wieviel Geld war das?“ Angeklagter: „Habs nicht gezählt. 5-6.000 Euro.“ Richterin: „Die Uni sagt: 13.000 Euro.“ Angeklagter, zurückhaltend: „Das bezweifle ich.“ Ein Schöffe fragt: „Haben Sie die Kuverts alle geöffnet?“ Angeklagter: „Ja, im Park.“ Schöffe: „Öffentlich?“ „Ja.“ Richterin: „Wieviel haben sie vom Geld dann verbraucht?“ „Rund 1.500 Euro.“ „Wofür?“ „Für tägliche Dinge und Lebensmittel. Für 1.500 Euro habe ich eine Campingausrüstung gekauft.“ (Und in Tanken investiert. Denn Benzin kostet.)

Am 20. August 2009 wurde er in Klagenfurt im Straßenverkehr aufgehalten und festgenommen. Er hatte noch 6.680 Euro bei sich, die der Universität zurückgegeben wurden. Das Auto wurde auch zurückgegeben. Der Laptop befindet sich noch in der Verwahrstelle des LG Klagenfurt. Dieser kommt auch retour.

Kuvertsystem im Kautionstresor

Ein Thema unter den Zeugen der Universität ist das „Kuvertsystem“ und das „Schlüsselversteck“. Wieso liegt ein Tresorschlüssel offen am Tisch auf einem Zettel mit Hinweis auf den Tresor? Wieviel Geld war tatsächlich im Tresor? Es kommt heraus, dass über die Kuverts nicht Buch geführt wird. Wohl gibt es Listen zu Personen, die eine Psychotherapie machen wollen, wieviel diese aber vorschießen, ist nicht zentral erhoben. Daher kann die Uni nicht genau sagen, wieviel Geld im Tresor liegt. Der Vertreter der Universität, Herbert Ertl, sagt es so (er ist nur Projektmitarbeiter, nicht Angestellter): „Es ist eine Tageskaution für die Ambulanz. Wir haben Kuverts mit 25 Euro und solche mit 50 Euro. Es verhält sich so, dass 80 Prozent kleine Kuverts sind und 20 Prozent solche mit 50 Euro.“ Der Privatbeteiligtenanwalt rechnet am Taschenrechner nach: Wenn das der Verteilschlüssel ist, dann lagen 12.000 Euro im „Kautionstresor“. Diese will er geltend machen. (In Anklageschrift: 10.000 Euro)

Sachertortenschachtel und Plüschelefant

Das Thema „Schlüssel“ ist schon haariger. Hier dürfte die Universität einen Fehler begangen haben. „Normalerweise gibt es ein Tagesversteck. Das ist eine Sachtortenschachtel“, so Ertl. Dort kommt der Schlüssel nach Dienstschluss hin. Doch am Tattag vergaß das jemand und daher lag der Tresorschlüssel offen am Tisch. Er hält auch fest, dass am Tresor kein „Bärli“, sondern ein „Plüschelefant“ steht. Zum Thema Laptop sagt der Zeuge, dass in der Universität so viel gestohlen wird, dass man aufgegeben hat, alles anzuzeigen. Ein weiterer Zeuge bestätigt das. Der 60-jährige Universitätsprofessor Holm spricht ein wenig für den Angeklagten und schildert Dauerzustände. Ja, es ist ein unversperrtes Gesamtgebäude. Es wird laufend etwas gestohlen, „erst vorige Freitag, während der Bürozeit aus einem Büro wieder ein Laptop.“ Richterin: „Kennen Sie den Herrn Joachim?“ „Nein, den kennt niemand.“ Die Frage hat den Hintergrund, weil der Angeklagte sagt, dass er eine Art Haustorschlüssel von einem Freund erhielt und daher regelmäßig dort nächtigte. Richterin: „Ist Übernachten dort möglich?“ „Ja, der ganze fünfte Stock steht leer. Und auch sonst sind sehr viele Räume unversperrt.“

Autoschlüssel steckte, Tresorschlüssel lag am Tisch

Der Angeklagte anerkennt den Schaden von 12.000 Euro. Sein Pflichtverteidiger will beim Autodiebstahl (Mini One) nur den § 128 Abs 1 (Schwerer Diebstahl) und nicht einen „Gewerbsmäßigen Diebstahl“ nach § 130 StGB sehen. Das Schöffengericht verurteilt, aber milde. Tatsächlich beurteilt die Richterin den Autodiebstahl nur als „Diebstahl“ (§ 128 StGB). „Diebstahl beim Auto, aber kein Einbruchsdiebstahl, da der Schlüssel steckte, davon gehen wir im Zweifel für den Angeklagten aus.“ Hingegen wird die Sache mit dem Tresor als „Einbruchsdiebstahl“ (§ 129 StGB) gewertet und die Sache mit dem „Laptop“ (wie Auto und Autokennzeichen „UU“) als einfacher „Diebstahl“ (§ 127 StGB). Es wird aber auf Grund des müden Jahreseinkommens des Angeklagten dennoch auf „Gewerbsmäßigkeit“ (§ 130 StGB) entschieden. Zum Schaden der Privatuni werden nur 10.000 Euro festgesetzt, da keine genauen Aufzeichnungen vorliegen. Auffällig ist, dass sich die Lauda Motion als Geschädigter dem Prozess nie angeschlossen hat und auch keinen Vertreter schickt. Der Firma ging offenbar das Auto nie ab.

Das Urteil: 24 Monate, davon 17 Monate bedingt. Der 45-jährige Angeklagte nimmt nach kurzer Beratung die sieben Monate Haft an. Rechtskräftig.

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl, Gericht, Landesgericht Wien) – 13. Oktober 2009, Saal 305, 9 Uhr 00 bis 10 Uhr 35

%d Bloggern gefällt das: