Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Schlechte Zeiten für Obdachlose in Waschsalon Wash Point

Posted in Einbruch by sicherheitwien on 5. September 2011

Waschsalon Wash Point im 20. Wiener Bezirk in der Rauscherstraße 14. (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im September 2011) Schlechte Zeiten brechen für Wohnungslose im Waschsalon „Wash Point“ im 20. Wiener Bezirk in der Rauscherstraße Ecke Wasnergasse an. Der Salon wurde Opfer von Kriminalität und rüstet auf. Zudem ändert man die – bisher – großzügigen Öffnungszeiten.

Alles hat einen Anlass für den Niedergang der Großzügigkeit. Der Vorbesitzer ging vor eineinhalb Jahren in Pension und er hatte ein großzügiges Gemüt. Täglich kamen – teilweise bereits um 18 Uhr – Unterstandslose mit Plastiksäcken in den Waschsalson. Sie wollten jedoch nicht für 5 Euro 50 (4 Euro 50 bei mitgebrachtem Waschpulver) einen Waschgang durchführen, sondern sie ließen sich nieder. Um zu warten, bis er Tag endet.

Ende der Großzügigkeit

Der Vorbesitzer ließ das dulden. Sein Waschsalon an der Ecke zur Adolf-Gstöttner Gasse hatte rund um die Uhr die Tore offen. Eintreten konnte jeder. Das sprach sich herum und es wurde toleriert. Es gibt 45 Waschmaschinen und Trockner und daher fiel nicht ins Gewicht, ob ein paar Leute mehr auf den Schalensitzen aus Plastik eine halbe Stunde warteten (ein Waschgang dauert 33 Minuten). Um 18 Uhr trafen, je nach Witterung und Jahreszeit, die ersten Wohnungslosen ein. Die ersten legten sich ab 21 Uhr zur Nachtruhe. In der letzten Zeit begann bei manchen die Nachtruhe schon um 18 Uhr, auch das wurde toleriert. Es ist in vielen Waschsalons Wiens bis vor wenigen Jahren so gewesen, dass ein, zwei oder drei Obdachlose mit Sack und Pack ihr „Recht auf Schlaf“ nutzten und um spätestens sechs Uhr morgens wieder aufbrachen. Sie taten niemandem etwas und alle schauten weg.

Dann gingen vor eineinhalb Jahren die Vorbesitzer in Pension. Der neue Mann, ein etwa 55-jähriger, weißhaariger Türke mit großen schwarzen Dackelaugen ist auch kein Unmensch. Er ließ die alte Tradition am Leben, denn er konnte und wollte das Rad nicht neu erfinden. Seit es in Wien öffentliche Waschsalons gibt, gibt es das Fremdschlafen. Die Videoüberwachung störte das auch nicht, denn der Waschsalon „Wash Point“ ist seit langem videoüberwacht.

Einbruch in zwei Automaten Ende August

Dann kam die letzte Woche im August 2011. Hier geschah etwas, was der Besitzer mit den Dackelaugen nicht mehr tolerierte. Es geschah ein wilder Einbruch in seinen Waschsalon. In der Nacht betraten unbekannte Täter das Lokal. Sie drehten zuerst die Videokameras zur Wand weg und verhinderten Aufnahmen. Dann brachen sie mit massiver Kraft die beiden Automaten auf. Sie dürften nicht deutsch lesen können.

Seit jeher ist es in Wiener Waschsalons so, dass dort zwar ein warmer Platz zum Ausruhen ist. Doch Geld gibt es keines, da die Kassen zwei Mal am Tag geleert werden. Das Schild hängt schon Jahre lang. (Foto: Marcus J. Oswald)

Die Täter rissen mit voller Kraft den Kaltgetränke-Automaten an der Seite auf sowie den zentralen Automaten, der die Waschmaschinen ansteuert. Den Kaffeeautomaten ließen sie unberührt. Wahrscheinlich, weil der Einwurf dort nur 50 Cent ist und wenig Geld zu erwarten ist. Die Beute waren ein paar Münzen, die abends eingeworfen waren.

Die Täter wurden nicht gefasst und auch nicht videotechnisch gut genug aufgezeichnet. Für die Polizei in der Bäuerlegasse, die nur eine Quergasse weiter ein Wachzimmer hat, ist es ein gewöhnlicher Geschäfts-ED (Einbruchsdiebstahl in ein Geschäft). Für den neuen Besitzer mit den weißen Haaren und den dunklen Dackelaugen ist es mehr.

6.000 Euro Schaden und 2.000 für neue Videoanlage

Der Sachschaden beim Cola-Automaten ist so hoch wie ein neuer kostet: 6.000 Euro. Geliefert wird er morgen, 6. September 2011. Den zentralen Wäscheautomaten konnte er selbst wieder zusammenflicken. Neu ist nun eine neue Videoanlage. Auf die Frage, was kostet, antwortet er: „2.000 Euro.“ Ein Freund steht auf der Leiter und richtet die Videokamera aus. Der Besitzer mimt den Statisten und stellt sich in die Eingangstür. Der Freund auf der Leiter schaut auf den Funkmonitor, ob Kopf und Körper ganz drauf sind. Es passt.

Der Kaltgetränkeautomat (Bildmitte) wurde mit Brecheisen aufgerissen und teilweise aufgeschnitten. Damit ist er zerstört. Der Automat rechts steuert die Waschmaschinen an. Er wurde auch aufgerissen, aber wieder repariert. Ein neuer Cola-Automat kommt am 6. September 2011. (Foto: Oswald)

„Waren Sie versichert“, frägt das Journal nach. „Ja, aber die Versicherung zahlt nur, wenn man brauchbare Kamerabilder hat“, antwortet der Besitzer etwas zerknirscht. Er wurde kalt erwischt, war immer großzügig. Mit den Öffnungszeiten rund um die Uhr, zu den Obdachlosen und zu anderen. Auch wenn es schlimmer wurde, Stichwort Alkohol und Obdachlose und Frühschläfer unter den Wohnungslosen ab 18 Uhr, drückte er ein Auge zu. Das wird nicht mehr so sein.

„Es ist kein Wohnzimmer, sondern ein Geschäftsraum“, sagt er etwas frustriert. Bisher war es Wohnzimmer. „Wir müssen nun den Geschäftsraum anders sichern.“

Daher wird sich bald auch die Öffnungszeit ändern. „Es kommt eine Tür, die sich automatisch schließt.“ Bis 24 Uhr ist dann offen, danach hat niemand mehr Zutritt. Es ist wie bei einigen Bankfoyers in Wien, die selbst für Bankomatkartenbesitzer den Zutritt ab Mitternacht verwehren.

Neue Öffnungszeit

Mit der bald neuen Öffnungszeit bis 24 Uhr ist der weißhaarige Mann mit den dunklen Dackelaugen trotzdem noch großzügig. Andere sperren früher. Der – auch bei Unterstandslosen beliebte – Waschsalon S&S am Urban Loritz Platz 6 im 7. Wiener Bezirk schließt um 23 Uhr. Fremdschläfer gibt es dort seit der Umstellung vom Rund-um-die-Uhr-Betrieb auf fixe Öffnungszeiten vor ein paar Jahren nicht mehr.

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch)

Herausgeber fast ein Held – Einbruch im Wohnhaus

Posted in Einbruch by sicherheitwien on 5. Januar 2011

Der Rest war Dietrich-Arbeit. Im Bild das Chicago-Besteck. (Foto: Archiv)

(Wien, im Jänner 2011) Manchmal hat man Glück. Das Roulette drehte sich und die Kugel fiel nicht auf 14, sondern auf die im Casino angeblich beliebte Zahl 17. Es hätte auch 14 sein können. Am 5. Jänner 2011 fand nächtens ein Wohnungseinbruch im Haus des Herausgebers am Wiener Alsergrund statt. Wie blöd man ist, sieht man daran, dass man es nicht verhindert hat.

Beinahe-Zeuge, Beinahe-Held der Zeit

Man erkennt auch, dass es reiner Zufall ist, ob man einen Einbruch verhindern kann. Auf jeden Fall: Am 5. Dezember 2010 um 12 Uhr mittag war die Spurensicherung im Haus und die im Urlaub weilenden Wohnungsinhaber kurz da. Gestohlen wurden: Schmuck und Geld! Die Inhaber wohnen schon Jahre in dieser Wohnung im vierten Stock.

Besonders ärgerlich ist, dass der Herausgeber ganz knapp dran war, den Einbruch live wahrzunehmen. Aber eben nur ganz knapp. Knapp daneben, ist auch daneben. Denn: Üblicherweise leidet der Herausgeber an chronischer Schlaflosigkeit. Daher wartet er gerne auf seinen Zeitungsausträger, um sich mit dem Valium der Tageszeitunginformation vollzupumpen, damit man gut schlafen kann. Der Austräger kommt zwischen 3 Uhr 30 und 4 Uhr morgens und bringt den Packen Zeitungen. Üblicherweise wird abends alles registiert, was in der Nacht auf der Straße vor dem Haus oder gar im Haus passiert. Macht der Gewohnheit!

Luftschnappen um 1 Uhr morgens

Vor einmal halben Jahr zum Beispiel machte sich jemand unten beim Lift des Hauses gegen 1 Uhr morgens am Fahrradschloss des einzigen Fahrrades, das beim Lift angekettet ist, zu schaffen. Das Feine an gutem Gehör ist, dass man das vierzig Meter gegen den Wind hört. Vor allem wenn man eine starke Bindung zu seinem Fahrrad hat. Der Herausgeber machte das: Er ging um 1 Uhr morgens Luftschnappen. Er verließ seine Wohnung, begab sich einige Etagen zu Fuß nach unten zum Haustor. Wie er das tat, hörte er wie das Haustor zwanzig Sekunden vor seinem Ankommen ins Schloss fiel. Der Herausgeber stellte sich dumm und arglos und ging geradewegs aus dem Haus hinaus. So als hätte er das nicht bemerkt. Nicht ohne zu wissen, dass rechts beim nächsten Hauseingang jemand in der Dunkelheit steht. Als das mitternächtliche Luftschnappen begann, drehte sich der Herausgeber nach dreißig Metern Gehen und Luftschnappen kurz um, um die schöne Pracht seines Wohnhauses von Außen zu betrachten. Es ist eine Pracht anzusehen. Es ist die Hausnummer 7. In der Tat stand bei Hausnummer 5 jemand im Toreingangsflur im Schatten versteckt. Er reckte sein Gesicht kurz vor und zog es wieder hinter der Mauerkante zurück. Der Herausgeber tat so, als hätte er nichts gesehen. Immerhin: Das Rad wurde ihm nicht gezupft. Was solle man tun? Zum Unbekannten hingehen? Einen Bauchstich kassieren? Wozu? Es wurde nichts gestohlen. Der Herausgeber setzte seinen Spaziergang fort, ging von seinem Haus weg und vor zum Wachzimmer der Polizei. Dort sagt er, dass jemand sich im Haus versteckte. Die Funkstreife fuhr los, der Mann war leider schon weg. Man soll keinen Ehrgeiz daraus entwickeln.

Auskundschafter weggeschickt!

Einmal klappte das „Wegschicken“ der Auskundschafter aber. Halbes Jahr davor: Gegen 12 Uhr 30 unterhielten sich einen Stock unterhalb des Herausgebers zwei Personen angeregt. Junge Männer Mitte 20. Akzent: Georgisch. Zufällig kennt der Herausgeber aber alle im zweiten Stock: Das ältere Ehepaar, der Witwer, der seiner Frau noch immer nachtrauert, das Pensionistenehepaar aus Serbien und die türkische Familie mit zwei studierenden Kindern. Die zwei Georgier passten nicht ins Bild. Sie unterhielten sich leise, hörten in den Takt des Hauses hinein. Gute Auskundschafter müssen ein Haus mit der Seele fühlen. Sie brauchen Gefühl, ein Gehör, in welcher Etage sich gerade in der Mittagszeit (Stichwort: Mittagseinbruch) am Wenigsten oder am Meisten regt. Da der Herausgeber ein paar Worte Georgisch kennt, konnte er die Sprache zuordnen, aber niemandem im Haus. Es ist auch nicht bekannt, dass jemand im Haus mit Georgieren bekannt wäre. Man kennt die 25 Mitmieter. Das Lustige: Die beiden unterhielten sich eine geschlagene halbe Stunde im Stiegenhaus. Es war klassisches Auskundschaften. Wie atmet das Haus, wo und wann ist Bewegung. Man muss es von Innen fühlen, nicht von Außen. Das taten sie, als Studenten getarnt. Da aktuell keine Wohnung frei ist, suchten sie auch keine. Sie suchten ein Einbruchobjekt. Jedenfalls hatte der Herausgeber wenig Interesse an einem Bauchstich. Er rief die Polizei, die auch kam. Die Polizei kam hoch in den zweiten Stock und stamperte die beiden aus dem Haus. Der Herausgeber hörte das mit und stand bereits in den Stiefeln. Er tat so, als wüsste er von nichts, ging zum Haustor hinaus und ein paar Schritte spazieren. Er ging ihnen ein paar Straßen nach. Die beiden sahen aus wie Studenten, waren aber keine Studenten. Sie schimpften wie die Rohrspatzen beim Weggehen auf die „Polizzia“. „Polizzia, mafia!“

Einbruch am 5. Jänner 2011

Ein Jahr später fand dann endlich ein Einbruch statt. 5. Jänner 2011. Bis 3 Uhr morgen hätte er Herausgeber im dritten Stock alles gehört. Er war am Lesen und hört – wie jeder gute Revolutionär – dann „das Gras wachsen“. Bis 3 Uhr morgens war nichts. Schlafesstille im ganzen Haus. Um 2 Uhr stand der Herausgeber sogar noch einmal in den Stiefeln und ging noch einmal zur Lieblingstrafik Tremmel zum Zigrattenziehen. Doch um 3 Uhr morgen kam die große Müdigkeit, da der Eisenwert derzeit nur 25 statt 120 beträgt, der Peronäusnerv noch immer den rechten Fuß lähmt und die Leukozytose mehr weißes Blut produziert als gut ist. Wenn diese große Müdigkeit kommt, kommt der sehr sponate Tiefschlaf.

Obwohl der Einbruch im Haus des Herausgebers am 5 Jänner 2011 nur vier Meter vertikale Luftlinie und acht horizontale Meter entfernt stattfand, wahrscheinlich zwischen 3 Uhr und 6 Uhr morgens, hörte der Herausgeber nichts. Rein gar nichts. Kein Gerumple, keine Stimmen, keine Geräusche. Nichts.

Die Flügeltür der Wohnung 17 ist keine Sicherheitstür, aber stark gebaut. Jedoch: Mit veraltertem Schloss. Die Tür wurde nicht zerbrochen, das Schloss schon. Angeblich mit einem Nagel. Der Rest war Dietricharbeit. Und offen war.

Nachlässigkeiten

Wie nachlässig man selbst ist, zeigt, dass nicht einmal der Herausgeber wusste, dass die Wohnungsbesitzer auf Urlaub weilten. Man wird in der Großstadt nachlässig. Man weiß zu wenig, schaut zu wenig. Daher kommen Einbrüche zu Stande.

Die Polizei und Spurensicherung riet den Besitzern von Tür 17 am 5. Jänner 2011 um Mittag beim Gespräch, dass sie moderere Schlösser einsetzen. Die alten Schlösser taugen nichts, sind mit einem Nagelschlag offen. Die neuen taugen sehr wohl. „Gibt es in jedem Baumarkt“, so die Beamten von der Spurensicherung.

Fazit: Schmuck weg, Geld weg, Einbrecher weg. Quote der Aufklärung in Wien, zu der man der Polizei wenig Vorwurf machen kann: 4 – 6 Prozent. Schuld sind auch Nachbarn und Mitbewohner. Auch man selbst. Denn wenn man schon um 2 Uhr noch zum Zigarettenziehen geht, muss man die Augen offen lassen. Wenngleich man daraus keinen Ehrgeiz machen soll. Doch es war schade.

Roulettekugel lag auf 17 nicht 14

Diesmal rollte im russischen Roulette die Kugel auf 17. Knapp an 14 vorbei Man ist wieder einmal auf der Hut. 14 ist innenraumvideoüberwacht (mit besten Geräten von Elektro Conrad!) und mittlerweile auch haushaltsversichert. Doch das hilft auch nichts, wenn Inventar und Computerdaten weg sind. Den klassischen Einbrecher schert nicht, was er stieht, er löscht alles, verschachert es im Ausland.

Am 5. Jänner 2011: Noch einmal Glück gehabt. Es war nicht Tür 14, sondern Tür 17 dran. Der Ärger bleibt: Wäre der Eisenmangel nicht gewesen, der Peronäusnerv und die Leukozytose: Der Herausgeber hätte in seinem Wohnhaus Einbrecher sofort geschnappt und überwältigt.

Die Jänner-Tage

Die ersten Jänner-Tage sind heikel. Man erinnert sich zurück: Am 2. Jänner 2005 wurde ein Einbruch in das Haus des vormaligen Innenministers Ernst Strasser bekannt. Strasser war Schifahren, seine Frau in Australien. Diebe wollten seinen Tresor abtransportieren, das scheiterte, da der Transportrodel ein Rad abbrach.

Auch beim anderen vormaligen Innenminister, Karl Schlögl, wurde eingebrochen. Im Dezember 2010, allerdings nur im Büro.

Im Nachbarhaus des Herausgebers am Wiener Alsergrund, schräg gegenüber, räumten vor drei Jahren Einbrecher systematisch Wohnungen in jedem Stockwerk aus. Abfallend: Einmal war ein Einbruch im vierten Stock. Ein paar Wochen später im dritten, dann, weils so leicht geht, im zweiten und im Erdgeschoss. Es ist nicht bekannt, dass Sicherheitsbalken verstärkte Nachfrage hatten. Auch: Solidarität war wenig zu spüren. Leben in der Großstadt.

Einmal wurde einem Mann in der Straße der Herausgebers aus dem Innenhof der Vorderreifen seines Fahrrades gestohlen. Er kostete 600 Euro. Er erzählt heute noch davon.

Aktuell ist Urlauszeit. Viele der 805.000 Wiener Wohnung stehen nach wie vor leer.

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch)

Wirtschaftskammer Österreich mit neuer Initiative und Homepage – Sicherdaheim.at

Posted in Einbruch, Foerderung, Praevention, Strategien by sicherheitwien on 18. Oktober 2010

Neue Webplattform der Wirtschaftskammer zum Einbruch und seiner Verhütung. (Screen: WKO, 18. Oktober 2010)

(Wien, im Oktober 2010) Die großen Verbände machen sich für mehr Sicherheit stark, bewerben die Kernanliegen und bedienen sich der Neuen Medien. Nachdem im Oktober 2010 die österreichische Polizei die Internetplattform Innen.Sicher ins Leben gerufen hat, zieht die Wirtschaftskammer nach.

Die Standesvertretung der Unternehmen und Gewerbebetriebe launchte eine eigene Webplattform, die sich mit dem Einbruch, seinen Folgen und vor allem der Verhütung beschäftigt. „Sicherdaheim.at“ heißt die Webseite, auf der umfassend und unternehmensneutral, wenngleich investitionsfördernd zum Thema informiert wird. Natürlich ist der Hintergedanke der Branchenlösung im Spiel: Diejenigen, die sich und ihr Eigentum absichern wollen, sollten auch in den heimischen Wirtschaftszweig an Fachleuten investieren. Wer kein oder zu wenig Geld hat, dem wird auf der Webseite die „Erste Bank“ empfohlen, die mit Sicherheitskrediten aushilft, damit man sich zum Beispiel eine starke Wohnungstüre leisten kann.

Sicher Daheim

Die Informationsseite sicherdaheim.at gliedert sich in die Fachbereiche „Alarm“, „Tischler“, „Schlosser“, „Glaser“ und „Berufsdetektive“. Vor allem die Schlosser haben einen großen Raum auf der Webseite, da sie von Schlössern, Beschlägen, Zylindern, Sicherheitstüren, Schließanlagen, Tresore so gut wie alle Kernbereiche einer Tür abdecken. Aber auch die Tischler kommen nicht zu kurz. Die Glaser bieten durchbruchhemmendes Glas und durchwurfhemmendes Glas.

Durchbruchhemmendes Glas der maximalen Stärke PB8 zum Beispiel ist Glas, das mehr als 70 Hammerschläge aushält, ehe eine Öffnung von 40 mal 40 Zentimeter entsteht. Dieses Glas ist interessanterweise noch durchsichtig, sehr teuer und wird für Energiezentralen empfohlen.

PDF mit näheren Infos – durchbruchhemmendes Glas! (694 kb)

Durchwurfhemmendes Glas gibt es in fünf Widerstandsklassen. Es kommt unterschiedlich zum Einsatz. Sicherheitstechnisch unterscheidet man in „Fensterglas in Verwaltungsgebäuden für Erdgeschoss“ (hohe Sicherheitsstufe, PA4), „Fensterglas in Verwaltungsgebäuden für 1. Obergeschoss“ (mittlere Sicherheitsstufe) und „Fensterglas in Verwaltungsgebäuden für 2. Obergeschoss“ (geringste Sicherheitsstufe). Die hohe Stufe PA 4 ist neun Zentimeter stark. Die Prüfmethode ist die „Kugelfallprüfung“: Eine vier Kilogramm schwere Kugel wird drei Mal auf eine Scheibe geworfen und die Scheibe muss standhalten.

PDF mit näheren Infos – durchwurfhemmendes Glas! (667 kb)

Auch die Kriminalprävention der Polizei hat ein eigenes Ressort auf der Webseite „Sicher Daheim“: Sie bietet Informationen zu den Bereichen Eigenheim, Wohnungen, Einbruchsschutz, Reisezeit an.

Aus Sicht der „Versicherungen“ werden die feinen Unterschiede bei der Schadenserhebung und die Versicherungsleistung erläutert. Die „Erste Sparkasse“ hat ein Ressort auf der Seite und bewirbt Kleinkredite ab 3.500 Euro und solche ab 7.000 Euro, so sie zur Sicherheitsleistung des Wohnbereiches verwendet werden.

Förderungen in Wien und Niederösterreich

Das Ressort „Förderungen“ verweist auf zwei Stellen in Wien und Niederösterreich, die sehr aktiv Landesförderungen an Wohnungs- und Eigenheimbesitzer geben. Die einzelnen Stellen im Link:

Wien hat die alte Subvention verlängert (20 % der Kosten bei Tür, maximal 400 Euro pro Türflügel; über MA 50).

Niederösterreich verlängerte seit 2006 laufend die Förderaktion und gibt 30 % Kostenzuschuss.

Breites Informationsangebot

In Summe bietet die Webseite der Wirtschaftskammer viel Information zum Thema des Einbruches und seiner Prävention. Die Macher der Webseite haben ganze Arbeit geleistet und kaum eine Frage ausgelassen.

Derzeit ist der Wohnungseinbruch in Wien rückläufig, was nur zum Teil mit der zunehmenden Absicherung der Wohnungen zu tun hat. Viele hunderttausende Wohnungen in Wien haben Türen wie Papier. Dem will die Wirtschaftskammer begegnen und die Bürger und Konsumenten zu Investitionen anstiften.

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Im Web: Sicher Daheim

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch, Prävention, Förderung, Strategien)

BEGEH will Geschäft forcieren – Allheilmittel Funkschlüssel?

Posted in Einbruch, Praevention by sicherheitwien on 17. August 2010

Die Firma Begeh verspricht zu viel Sicherheit durch ihr System.
(Foto: Werk)

(Wien, im August 2010) Eine Firma aus Wien hofft derzeit auf das große Geschäft gegen den Wohnungseinbruch: BEGEH. Man verkauft Funkschlüssel für das Haustor der Zinshäuser Wiens.

Damit hat die Firma eine gewisse Marktlücke entdeckt und man will durch weitere Werbeveranstaltungen den Kontakt zu den Kunden nicht verlieren. Diese sind: Hauseigentümer, Hausverwaltungen sowie Firmen, die dennoch Zutritt in Häuser brauchen. In Summe ist das ein breiter Markt, den man für sich entdeckt hat.

BEGEH sagt, dass der Funk-Schlüssel die Wunderwaffe gegen Wohnungseinbruch sei. Damit erzählt man Märchen. Der Funkschlüssel sichert ein Haus nur von der Frontseite ab, nicht aber von der Hinterseite und über Hofmauern.

Begeh-Schlüssel bald in großen Stückzahlen im Umlauf

Ferner kommt der BEGEH Schlüssel wie einst der Postkastenschlüssel immer mehr in großen Dimensionen in Umlauf. Mit diesem In-Umlaufbringen der BEGEH-Schlüssel, die ebenso Universalschlüssel für alle Gegensprechanlagen sind, entseht auf Sicht das exakt gleiche Problem, das nach 40 Jahren Postkastenuniversalschlüssel auch nach und nach entstand: Jeder, der will, hat einen.

Besieht man sich die umfassende Liste alleine für Wien, welche Einrichtungen und Mitarbeiter dieser Dienste nun schon über eine BEGEH-Card verfügen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann die erste Stelle undicht wird.

Ein paar Einrichtungen herausgegriffen: Feuerwehr Wien (Einsatzkräfte), Polizei Wien (Einsatzkräfte), Wiener Berufsrettung (MA 70) (Einsatzkräfte), Samariterbund Österreich (Einsatzkräfte), Johanniter (Einsatzkräfte), Malteser Hospitaldienstes Austria (Einsatzkräfte), Österreichische Post (Postdienste), Redmail (Postdienst), Müllabfuhr in Wien MA 48 (Müllentsorger), Wien Energie Fernwärme (Energieversorger), Wien Energie Wienstrom (Energieversorger), Wien Energie Gasnetz (Energieversorger), Redmail (Zeitungszustellung), Firma MediaPrint (Zeitungszusteller), Medien.Zustell GmbH (Posttochter), Media Logistik GmbH (Zeitung Österreich, Zeitungszusteller), MORAWA Buch & Presse – Business Subscription Services (Zeitungszusteller), Hausbetreuung Dimmi GmbH (Hausbetreuung), Jürgen Schmidt GmbH (Hausbetreuung), Attensam GmbH (Hausbetreuung), und so weiter. Wie gesagt: Die Liste ist sehr lang.

Der Begeh-Schlüssel wird den Z-Schlüssel ablösen. In jeder Hinsicht. (Foto: Werk)

Freilich kann man Einschränkungen treffen, wer das Haus betreten soll. Doch wie will man unter 26 Parteien im Haus einen Konsens darüber treffen? Der eine sieht solche Dienste als wichtig, der andere solche. In Zinshäusern ohne Eigentümer, also mit Mietern, hat die Hausverwaltung zu entscheiden, was ein wichtiger Dienst und was ein unwichtiger ist. Das funktioniert nicht.

Was damit zu sagen ist: Das Märchen, dass ein BEGEH-Schlüssel Einbrüche eindämmt, ist ein aktueller und guter Verkaufstrick. Die Gefahr auf Einbruch verlagert sich nur zeitlich. Denn jeder der Mitarbeiter dieser oben genannten Firmen – und die Liste ist sehr lang – hat einen BEGEH-Schlüssel. Und jeder dieser Mitarbeiter hat Verwandte, Freunde, Partner und kann den BEGEH-Schlüssel temporär weitergeben. Schlüssel werden gestohlen. Es kam schon vor. Ein Blick auf die Webseite des Fundamts zeigt, wie viele Schlüsselbunde verloren gehen.

Noch ist der BEGEH-Schlüssel eine brandneue Erfindung. Aber in drei Jahren ist er so weit verbreitet wie heute der „Z-Schlüssel“. Es wird also nur temporär, in der Übergangsphase Ruhe sein.

Mit solchen naiven Erwartungen fühlen sich Hausbewohner sicher.
(Foto: Begeh-Webseite)

BEGEH wirbt mit dem Marketingtrick, dass die Karten unüberwindbar sind. Nun, man denke nach: Man konnte sich bei der Einführung der Bankomatkarte auch nicht vorstellen, dass Dritte den Code knacken und Geld beheben.

Ein weiteres Argument gegen den Begeh-Schlüssel ist, dass ein Schwarzmarkt entstehen wird. Man darf erinnern, dass der Z-Schlüssel vor 15 Jahren am Schwarzmarkt noch rund 2.000 ATS gekostet hat. Dann verfiel der Preis und heute kann man ihn um 15 Euro bei jedem Schlüsseldienst des Vertrauens kaufen. Die BEGEH-Card wird ein ähnliches Schicksal haben. Am Schwarzmarkt bald um 200 Euro, dann immer billiger und dann ist das System am Boden und der Mythos entzaubert.

Man muss die BEGEH-Card nüchtern sehen. Eine einfache Eintrittshemmung via Gegensprechanlage. Das stärkste Gegenargument ist aber dieses: Ein Haustor ist nie zugesperrt. Es fällt nur ins Schloss. Daher ist es mit einem einfachsten „Chicago-Besteck“ innerhalb von 90 Sekunden zu öffnen. Von etwas Geübten.

Daher ist das Argument, dass die Gegensprechanlage und der Z-Schlüssel gar so wichtig seien, um in ein Zinshaus zu gelangen, nur ein Verkaufstrick von BEGEH. Die Firma suggeriert, dass Vorsatzeinbrecher naive Menschen sind und keine handwerklichen Profis, die kein unversperrtes, einfaches Zylinderschloss öffnen könnten. Die Ernüchterung wird auf den Fuss folgen, wenn die ersten Wohnungseinbrüche in Zinshäusern mit dem angeblich todsicheren BEGEH-System stattfinden.

Die Firma macht derzeit noch gute Geschäfte. Und wieder eine Open-House-Veranstaltung, um ihr Produkt zu bewerben. Diese findet am 30. September 2010 statt.

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch, Prävention)

Razvan Stoicescu im Barbara Mucha Verlag – Zwei Jahre Zusatzhaft

Posted in Einbruch, Fokus Wien, Gericht, Landesgericht Wien by sicherheitwien on 13. Oktober 2009

Am 15. Februar 2009 wurde der Barbara Mucha Verlag Opfer von drei rumänischen Einbrechern.
(Foto: diemucha.at)

(Wien, im Oktober 2009) Jener rumänische Einbrecher, der bereits ein Mal in Österreich wegen Einbruchs in Haft saß (22 Monate), damals vom Bundespräsidenten nach acht Monaten begnadigt und vorzeitig entlassen wurde, derzeit aktuell acht Monate für einen neuen Wohnungseinbruch (am 20. März 2009) in Wiener Haft sitzt, bekommt für einen massiven Einbruch im Barbara Mucha Verlag am 15. Februar 2009 in der Mariahilferstraße 89 eine weitere Zusatzstrafe von zwei Jahren unbedingtes Gefängnis. Er war einer von drei Tätern und ist „geständig“. Seine beiden rumänischen Komplizen sind noch flüchtig. Allein der Sachschaden an der Eingansgtür zum Verlag betrug 21.000 Euro (Tischlerei-Gutachten). Die Beute betrug weitere 30.000 Euro, darunter zwei schwere Handtresore (je 30 Kilo) mit Bargeld und Goldmünzen sowie zwei Luxushandies (4.500 Euro und 7.000 Euro) – alles bis heute spurlos verschwunden.

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In Anlehnung an Matthäus 16, 26: Was hülfe es dem Leser, wenn man ein Foto von einem Serieneinbrecher brächte, wenn sich sein Gesicht in den kommenden 39 Monaten, die er abzusitzen hat, wieder verändert? Was sich nicht verändert, ist sein Name: Razvan Stoicescu. Doch auch die Namensnennung macht keinen Sinn. Es gibt Millionen von Rumänen und dieser eine wird sich nach seiner Haft nicht in Österreich niederlassen.

Einer von vielen

Stoicescu ist ein Allerweltstyp, etwa 35 Jahre alt, schlank, dunkle Haare, glatt rasiert, in Jeans und dunklem Pulli. 300 solche Leute gibt es im Gerichtsgefängnis JA Wien-Josefstadt. Es ist nicht Aufgabe dieses Journals, alle mit Foto bekannt zu machen. Denn sie bekommen eine minimale Haft und tauchen wieder ab. 300 neue Rumänen rücken in fünf Jahren nach, die man wieder bildlich bekannt machen müsste. Damit künftige Österreicher eine Ahnung haben, welchen Lebensweg der eine oder andere einschlägt. Doch dieses Prinzip der Berichterstattung muss scheitern, wie die Kraft der medialen Kriminalberichterstattung allgemein scheitern muss, denn die Kraft der Medien ist zu klein.

Dieser Einbrecher denkt sich überhaupt nichts dabei, Geschäfte an Wiener Einkaufsstraßen auszuräumen. Im ganzen knapp dreißigminütigen Strafprozess sagt er kein Wort, dass er den Unterschied zwischen fremdem und eigenem Besitz versteht. Seine Philosophie ist, dass fremdes Eigentum sein Eigentum werden solle. Und das möglichst bald. Dazu ist er nie allein unterwegs. Interessanterweise gibt er an, dass er drei Kinder hat. Diese sind aber in Rumänien. Man hat erwartet, dass er standardgemäß dies angibt: Großmutter starb, Vater wird politisch verfolgt, Frau braucht eine lebenswichtige Operation. Er sagt nur: „Ein Kind braucht eine lebensnotwendige Operation.“ Welches Krankenhaus, wüsste man gerne. Aber es wäre Verschwendung von Atem.

Einmal begnadigt

2008 wurde Razvan Stoicescu in Österreich das erste Mal aktiv. Der damalige Einbruch hatte eine stolze Beute, wurde aber nicht als gewerbsmäßig eingestuft, da es nur einer blieb. Es gab am Landesgericht Wien 22 Monate Haft, die zu Weihnachten 2008 mit einer Begnadigung durch Bundespräsidenten Heinz Fischer endete. Er ging über Weihnachten nach Italien, wo sich viele Rumänen aufhalten. Dann hatte er wieder die Idee, Österreich zu besuchen. Vor Richter Stefan Erdei sagt er, wohl nicht ganz wahr und unwahr: „Ich kam aus Italien nach Österreich, um einen Freund zu besuchen.“ Er kam, will er sagen, privat, ohne Auftrag, wurde nicht von einer Mafiaorganisation „geschickt“. Dann wurde er nach einem singulären Wohnungseinbruch am 20. März 2009 erneut festgenommen und am 20. April 2009 am LG Wels zu einer hohen Haft verurteilt. Acht Monate plus Widerruf der kürzlich vorzeitigen Entlassung (14 Monate), die er soeben absitzt. In der JA Wels gestand er dann im Juli 2009 nach erdrückender Beweislast durch DNA Spuren auf Werkzeugen und am Wiener Tatort im Mucha Verlag, den Einbruch in der Wiener Verlagsgesellschaft. Dafür erhält er am 13. Oktober 2009 noch einmal 24 Monate Zusatzhaft. Bei einer Strafandrohung von 0,5 Jahre bis 5 Jahre „liegt das im unteren Bereich“, so der Richter in seiner Begründung. Mildernd ist, dass er die beiden Komplizen genannt hat, die jedoch über alle Berge sind.

„Habe Schulden bei Zigeunern“ (sagt der Zigeuner)

Das Geständnis, so weit es vorgetragen wird, ist wertlos. Der Einbrecher sagt nur, dass er im Verlag Mucha mit dabei war. Die Freunderln hätten das Objekt ausgewählt. Was gestohlen wurde, dazu schweigt er dann schon wieder. Er habe nicht gesehen, was eingepackt wurde, hatte nur untergeordnete Rollen. Fast möchte man in den Ton der „Kronen Zeitung“-Leserbriefschreiber verfallen. Der Richter macht es anderes, er bleibt still, spricht ganz leise, um seine Stimmbänder zu schonen: „Warum haben Sie mitgemacht?“ „Ich bekam 500 Euro dafür.“ „Wofür brauchten Sie das Geld?“ „Ich habe 5.000 Euro Schulden bei Zigeunern.“ Richter Erdei, zurückhaltend: „Bei Ihnen wurde nur ein kleiner Schraubenschlüssel gefunden? Wie haben Sie damit einen Eisensafe geöffnet? Wie haben Sie das gemacht? Das ist ja nicht so einfach?“ Angeklagter: „Zwei andere hatten größere Schraubenschlüssel.“ Richter: „Wie ist die Beute abtransportiert worden?“ „Mit dem Taxi.“ Richter: „Waren Sie da noch dabei?“ „Mit dem Taxi bin ich nicht mehr mitgefahren“, spielt der Einbrecher seine Rolle herunter. Etwas später sagt er: „Wir fuhren mit dem Taxi weg.“ Er weiß es halt nicht mehr so genau, der Arme. Im Trubel der möglicherweise noch unentdeckten Einbrüche von seiner Hand kann im Kopf schon etwas durcheinander geraten.

Silberbestecke, Kerzenständer

Der Richter, weiter defensiv: „Was wurde gestohlen?“ Angeklagter: „Fünf, sechs Handies.“ Einbrecher macht eine Kunstpause, auf die nichts mehr folgt. Der Richter hilft mit Blick in den Akt nach: „Und zwei Silberbestecke, zwei Kerzenständer, mehr als zehn Handies der Redaktion, auch wertwolle, zwei Handsafes, zwei Taschen.“ Ach ja, dann will der Richter wissen: „Hatten Sie die Taschen schon mitgebracht?“ „Wir haben Sie von dort genommen.“ Richter ergänzt: „Es waren zwei Louis Vuitton – Taschen.“ Und fügt gemächlich hinzu: „Teures Transportmittel.“ Was soll man sich aufregen. Es ist sowieso zwecklos.

Kundenfrust bei Barbara Mucha: Safes weg! (Foto: DieMucha.at)

Und die Safes? Richter: „Was wurde aus den Safes gestohlen?“ „Das habe ich nicht gesehen“, sagt der Einbrecher, der im Trio unterwegs war und nichts gesehen haben will. Richter: „In einem Safe waren 3.000 Euro und Goldmünzen. Im anderen Dokumente.“ Richter: „Haben Sie den Safe vor Ort aufgemacht?“ „Ja.“ Das ist verkürzt, denn etwas später sagt der Einbrecher, dass sie beide Safes im Taxi abtransportiert haben. Das Taxi war vermutlich kein „Taxi“, sondern ein vierter Komplize, denn ein Taxifahrer, bei dem drei Herren mit dicken Taschen und zwei 30 Kilo-Safes einsteigen, muss Wahrnehmungen machen oder beteiligt sein.

Drei Verfahren in zwei Jahren

Die Befragung bleibt kurz. Razvan Stoicescu hat nun in zwei Jahren drei Mal österreichische Landesgerichte beschäftigt. Er kassierte im April 2008 22 Monate, wird entlassen (14 Monate offen). Er kassiert am 20. April 2009 wieder 22 Monate (8 Monate plus Widerruf von 14). Er kassiert nun im Oktober 2009 zusätzliche 24 Monate. Was will man hier über Methoden, Techniken, Können, Hintermänner reden. Das ist ein Mann, der auf Druck alles abgrast, bis es nicht mehr geht.

Der „Informierte Vertreter“ des Barbara Mucha Verlages berichtet kurz und bündig vom Vorfall. Der 35-Jährige arbeitet im Verlag und hat Schadenslisten mit. Allein die Tür wurde massiv zerstört. Der Tischler machte ein Gutachten und eine Reparatur: 21.000 Euro Auslagen. Der Schaden durch den Verlust der Wertgegenstände beläuft sich auf knapp unter 30.000 Euro, sodass im rechtlichen Sinn der „Gesamtschaden“ unter 50.000 Euro bleibt. Dadurch ist die Gesamtanklage bei 0.5 bis 5 Jahre und nicht (beim größeren Coup) bei 1-10 Jahre angezeigt.

Luxushandies

Der Richter frägt einmal nach: „Was sind das für Handies in der Schadensliste um 7.000 und 4.500 Euro?“ Der Mucha-Vertreter erklärt, dass das „Testhandies“ von Luxusherstellern sind, die der Verlag ankauft (naja, wohl manchmal) und dann „unabhängig testet“. Soll sein: „Der Mucha-Verlag kauft von unterschiedlichen Herstellern Elektronikgeräte an und testet sie dann für die Zeitschrift“. (Möglicherweise kauft man die Geräte wirklich an. Aber dazu gibts dann möglicherweise eine 4-c-Werbeseite.) Der Verlagsvertreter bestätigt noch, was in den Tresoren war: Bargeld, ein paar Goldmünzen und viele Verträge und Papiere. Richter: „War das Privatvermögen?“ „Nein, das war Firmeneigentum und Anlagevermögen.“ Die Versicherung ersetzte die Werte, daher verzichtet der Firmenvertreter überraschenderweise sich als Privatbeteiligter anzuschließen.

Im Schlussplädoyer will die Pflichtverteidigerin lustig sein und sagt: „Die haben nicht gewußt, dass so viele wertvolle Gegenstände zu finden sind und haben es vermutlich unter dem Wert verkauft.“ Sei es wie es sei, das ist dann mangelndes kaufmännisches Talent. Zwei Jahre Haft. Der Angeklagte will noch nachdenken, drei Tage und das tut die Staatsanwältin auch. Es wird rechtskräftig werden.

Marcus J. Oswald (Ressort: Einbruch, Fokus Wien, Gericht, Landesgericht Wien) – 13. Oktober 2009, Saal 307, 11 Uhr 20 – 12 Uhr 07

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