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Kartelle knipsen Edison aus – Film über Energiesparlampe

Posted in Haushalt, Kino, Medien by sicherheitwien on 19. September 2011
In einer Energiesparlampe dürfen laut EU 5 Milligramm Quecksilber enthalten sein. Das Schwermetall ist sonst EU-weit in Haushalten verboten. EU-weit besteht ein Ausfuhrverbot für Quecksilber. Mit der EU-weiten Umstellung von Glühbirnen auf teure, aber zerbrechliche Energiesparlampen kommt das Quecksilber wieder in Haushalte. Das thematisiert ein Dokumentarfilm dieser Tage. (Foto: Sequenz Bulb Fiction)

In einer Energiesparlampe dürfen laut EU 5 Milligramm Quecksilber enthalten sein. Das Schwermetall ist sonst EU-weit in Haushalten verboten. EU-weit besteht ein Ausfuhrverbot für Quecksilber. Mit der EU-weiten Umstellung von Glühbirnen auf teure, aber zerbrechliche Energiesparlampen kommt das Quecksilber wieder in Haushalte. Das thematisiert ein Dokumentarfilm dieser Tage. (Foto: Sequenz Bulbfiction)

(Wien, im September 2011) Im Frühjahr 2010 ist in Bayern in einem Kinderzimmer eine Energiesparlampe zerbrochen. Quecksilber trat aus. Das Kleinkind verlor alle Haare und hat seither eine Glatze.

Diesen Vorfall nimmt der Dokumentarfilm „Bulbfiction“ zum Anlass, um die EU-Gesetzgebung zur Abschaffung der Glühbirne, die es seit der Erfindung von Thomas Edison 1881 gab, zu untersuchen.

2009 trat die EU-Richtlinie in Kraft, die den Verkauf von Glühbirnen stufenweise untersagt. Derzeit läuft ein „Review“ der Verordnung durch die EU-Kommission, die in 2 Jahren und elf Monaten abgeschlossen sein soll (Endvollzug 2016). Der Film folgt der Spur, warum das Verbot kam und bringt jede Menge Stimmen auf die Kinoleinwand, die die „Lichtindustrie“ beleuchten. Mit der zwangsweisen Einführung der Energiesparlampe ist dieses Produkt das einzige, das im Haushalt Quecksilber beinhaltet. EU-weit herrscht sonst Quecksilberverbot in privaten Haushalten.

Gefahren der neuen Glühbirne

Die Reise zum Filmbeginn führt den Tiroler Regisseur Christoph Mayr in die Zentrale nach Schweden zu „Ikea“. Der Möbelkonzern hat bereits seit 2010 komplett auf Energiesparlampen („Kompaktstofflampen“) umgestellt und keine Glühbirnen mehr im Verkauf. Der Leiter der Abteilung „Nachhaltigkeit“ wird kurz befragt. Lag es am Englisch oder weiß er sonst nichts: Er gibt sich schmallippig. Nein, ihm sind keine Probleme mit den verästelten, dünnhäutigen Energiesparlampen bekannt. Der Filmemacher fragt ihn in Michael Moorescher Zurückhaltung, was geschieht, wenn eine Energiesparlampe im Haushalt zerbricht. Keine große Tragödie, es sei fast kein Quecksilber drinnen. Die Befragung bei einem Massenretailer, der weltweit über 300 Filialen und über 120.000 Mitarbeitern führt, bringt nichts zu Tage, was dem Film nützt. Außer der Erkenntnis, dass Händler nicht unzufrieden über das EU-Gesetz sind. Kostete eine alte Glühbirne 60 Cent, muss man für eine neue 6 Euro auf den Tisch legen.

Regiesseur und Interviewer Christoph Mayr aus Tirol. (Foto: Filmproduktion)

Regiesseur und Interviewer Christoph Mayr aus Tirol. (Foto: Filmproduktion)

Der Film besteht aus drei Ebenen: Eine lange Schlange an Interviews veranlassen den 1970 in Innsbruck geborenen Regisseur Mayr zu einer Weltreise: Er kommt nach Shanghai, Indien, Deutschland, Schweden, Schottland, England und natürlich Brüssel. Dort führt er Gespräche, die in knappen Zügen Statements ergeben. Die zweite Ebene ist die Illustration und Bebilderung von komplizierten Vorgängen wie EU-Gesetzwerdung oder chemische Vorgänge rund um Quecksilber und Licht. Hier wendet der Film ein altmodisches Modell aus der Web 2.0-Generation an: Comicfiguren fungieren als Avatar und erklären in Sprechblasen und Grafiken die Vorgänge. Die dritte Ebene wäre die Kommentarebene des Regisseurs aus dem Off, die die Autorenschaft verbal unterstreicht und Position bezieht. Vorweg: Es ist kein Autorenfilm, daher wird auf die dritte, kommentierende, einschätzende, wegweisende Ebene fast komplett verzichtet. Es gibt keine Sprecherstimme des allwissenden Erzählers, der den Film überlagert und zusammenhält. Regisseur Mayr, der alle Interviews führt, verzichtet darauf, die Aussagen der Interviewpartner zu bewerten. Sie sollen für sich sprechen.

Seine Bewertung erfolgt über den Schnitt, die Weglassung oder die ungeschnittene Komplettstellung eines Interviews als Kunstgriff. Einmal interviewt er eine Pressesprecherin des derzeitigen EU-Kommissars für Energieangelegenheiten. Der vormalige Kommissär war nicht zu haben, der aktuelle wollte nichts sagen, weil er damals (2009) noch nicht zuständig war. So durfte die Pressesprecherin ran. Die Kamera läuft ungeschnitten durch, die Dame lässt sich vorher eine Zusammenfassung der Frage geben und fordert den Interviewer dann auf, „nun die Frage zu stellen“. Der stellt „nun die Frage“, aber im Film wird alles gezeigt, das Vor-, Haupt- und Nachspiel. Das ist eigentlich höhergradig unseriös. Weil der Regisseur die Allmacht über den Schnitt kalt ausnützt, um eine Falle zu stellen. Er schneidet nämlich nicht! Doch sonst ist der Film seriös, die Rösser gehen ihm nur dieses eine Mal durch.

Konzerne schweigen

Der Film will aufklären und einige Gesprächspartner halfen nicht mit. Philips, Osram und die Europäische Vereinigung ELC (Verband mit sieben Weltkonzernen, der 95% aller Lampenhersteller vertritt) gaben keine Stellungnahmen ab.

Schon zu Beginn klärt der Film auf: 4.4 Milligramm Quecksilber waren im zerborstenen Lampenteil, das dem bayrischen Kleinkind eine Glatze bescherte. Die EU läßt „bis zu 5 Milligramm“ zu. Der Film schaltet eine schwarze Warntafel: 5 Milligramm Quecksilber können 5.000 Liter Wasser vergiften. Bei einem der größten Hersteller „Megaman“ wird der Regisseur vorstellig und erfrägt, was 5 Milligramm bedeuten. Der Pressesprecher, der 400 Produkte aus der Firma verteidigt, kann es nicht genau erklären, ist ausweichend. Er murmelt etwas von schwarzen Schafen, die es auch gäbe. Das Gespräch bleibt wenig ergiebig.

Wie es zur EU-Richtlinie zum Kleinthema mit größter Auswirkung, nämlich der „Beleuchtung in privaten Haushalten“ kam, zeichnet der Film nach: Ab Juni 2005 gingen einige der 20.000 Lobbyisten und einige der 23.000 Beamten Brüssels ans Werk. Es wurde eine Studie in Auftrag gegeben, danach ein „Arbeitskreis“ gegründet. Der Haken: Die Grundlagenstudie für die Richtlinie erhob nur „fünf Energiesparlampen“ (eine hatte sogar 6,6 Milligramm Quecksilber), eine Methode, die ein querbefragter Wissenschafter als „gänzlich unseriös“ einstuft. Für Brüssel reichte es. Man wollte unter dem offiziellen Deckmantel der CO2-Reduktion massiv in die Haushalte von 450 Millionen Bürgern eingreifen. Der Arbeitskreis, in dem auch Industrie-Vertreter von Osram und Philips saßen, kam nach Abschluss der Arbeit Ende 2008 zu einer sogenannten „Komitologie-Entscheidung“.

Das EU-Parlament wurde nicht befragt und stimmte auch nie über die Abschaffung der Glühbirne ab, die es seit 1881 gab. Es blieb auf Ausschluss-Ebene und wurde mit Übergangsfrist 1. September 2009 Gesetz. Stufenweise muss nun die 100 Watt, dann die 75 Watt, die 60 Watt und die 25 Watt-Glühbirne vom Markt genommen werden. Die Methode der Beschlussfassung, der Mangel an einer Zweitstudie, mangelhafte wissenschaftliche Begleitung des Ausschusses, Durchpeitschen des Themas im Namen der Lichtindustrie verleiten den Film nicht zu Unrecht von einem „Kartell“ nahe an Korruption zu sprechen. Ein Wirtschaftstheoretiker wird im Film interviewt. Er nennt es „Europa der Konzerne“ und bezeichnet die Vorgänge der „Komitologie-Entscheidung“ als undemokratisch und intransparent. Im Zusammenhang kommt ein deutscher Journalist der „TAZ“ ausführlich zu Wort. Er verweist dazu auf eine lange Tradition, worüber er schon lange recherchiert und Akten wälzt: Das „Phöbus-Kartell“.

„Phöbus-Kartell“ von Osram 1924

1924 gab es dieses Kartell, in dem führend die Firma Osram tätig war. Dazu gibt es kistenweise Sitzungsprotokolle aus Genf in einem Berliner Archiv. Sinn des Kartells war, das „Licht knapp zu halten“. Internes Motto: „Verbraucher sollten nicht zu viel Licht bekommen.“ Das Phöbus-Kartell legte die „1.000-Stunden-Glühlampe“ fest. Vorrangiges Ziel war die „Reduktion der Lebensdauer“ auf 1.000 Stunden. Damalige Hersteller wie „Merkur“ waren imstande, Glühbirnen mit 5.000 Stunden Lebensdauer auf den Markt zu bringen. Sie wurden aus dem Markt gedrängt. Das Kartell habe sich offiziell 1941 aufgelöst, sei aber bis in die 90er Jahre bestanden. Wenn nicht bis heute.

Der Film zeigt auch eine Interviewpassage mit einem deutschen Erfinder aus Ende der 1980er-Jahre, der ein Patent für eine 150.000-Stunden-Glühbirne anmeldete (bei gleichem Stromverbrauch und gleicher Helligkeit). Vier Tage vor Übernahme einer Firma in Ostdeutschland, wo er in Serie herstellen wollte, starb er bei einem Flugzeugabsturz seiner Privatmaschine. Es blieb unklar, warum. Im Polizeibericht hieß es, seine Maschine sei „zu langsam geflogen“. Die alte Diskussion um die Haltedauern gibt es auch 2011: Preisen Hersteller von Energiesparlampen auf Verpackungen „Lebensdauer von 5.000 Stunden“ an, heißt das nicht und keineswegs 5.000 Stunden! Ein Wissenschafter erklärt im Film „Bulbfiction“ nüchtern, was es bedeutet: Dass „bei Versuchsanordnungen im Labor mehr als 50% länger als 5.000 Stunden halten“. 50% der Lampen können durchaus weit weniger langlebig sein. Nebenbei: 5.000 Stunden sind 208 Tage. Misst man die Lampendichte in einem durchschnittlichen Haushalt mit 15 (wovon einige Halogen-Spots sind und keine Gewindefassungen haben), gehen die Grundinvestitionen für „Energiesparlampen“ bei nur einem Drittel ordentlich ins Geld.

Harte Kritik an „Greenpaece“

Der Film „Bulbfiction“ ist kein blinder „grüner Film“, weil er Industrie kritisch ist. Er versucht die unterschiedlichen Positionen zu benennen. Mit „Greenpeace“ geht man scharf ins Gericht. Der Verein setzte sich vehement pro Energiesparlampe auf EU-Ebene ein und tanzte in vorderster Reihe mit den Konzernen. Nur am Rande: Das giftige Schwermetall Quecksilber ist in der EU im privaten Haushalt komplett verboten. Nun zieht es voll in die Haushalte ein. Man rechnet mit einem Müllberg von – täglich – 1 Million zu wechselnden Energiesparlampen. Dass die Organisation „Greenpeace“ da mitmachte, kritisiert Filmautor Mayr an mehreren Stellen in Gesprächen mit der Organisation und bezeichnet es als „falsch“. Andere Interviewpartner bezeichnen „Greenpeace“ als „Sekte“, die „ihr politisches Ding machen“. „Grünes Lobbying“ sei fälschlicherweise „gutes Lobbying“. „Greenpeace“ verfolgte die Abschaffung der Glühbirne mit „religiösem Eifer“ und nicht mit Sachverstand.

Ein deutscher Forscher zeigt in seiner Versuchsanordnung, dass die Energiesparlampe das 15-fache an Elektrosmog (Schwingungen) erzeugt wie ein Computerarbeitsplatz. Er stellt es visuell wie auch akustisch dar. (Foto: Filmsequenz)

Nach dem ersten Filmdrittel, das die Entstehung des Gesetzes analysiert, folgt ein technischer Abschnitt, der Lichtstrahlkraft und Elektrosmog der „Energiesparlampe“ wissenschaftlich vermisst. Ein deutscher Forscher bittet in seine Versuchseinrichtung und stellt in Grafiken dar, dass ein Computerarbeitsplatz „eine Einheit“ E-Smog abstrahlt, hingegen eine Energiesparlampe „15 Einheiten“ E-Smog erzeugt. Keineswegs solle man in ein Gitterbett über einem Kleinkind die ganze Nacht eine Energiesparlampe aufhängen, weil das für ein Neugeborenes eine unzumutbare E-Smog-Wolke erzeugt. Die Wolke kann man in der Versuchseinrichtung über aufgestellte Mikrophone sogar hören. Als eine alte Glühbirne zum Vergleich eingesetzt wird, ist nichts zu hören.

Unnatürliches Licht

Beim Lichtstrahl gibt es auch Unterschiede. So wird bei der Glühbirne das gesamte Lichtspektrum von UV bis Infrarot abgedeckt, hingeben bei der Energiesparlampe nur Farbspitzen von blau, grün und gelb und damit „unnatürliches“ Licht.

Es wird interessant, wenn in der EU pro Tag eine Million Energiesparlampen weggeworfen werden. Wo werden sie landen? In sogenannten Recyclingzentren in Indien, wie im Bild. Da die Energiesparlampe eine Elektronik eingebaut hat, baut man die dort aus und in Billigmarken in neue Lampen ein. Auch gegen zerbrochenes Glas hat man nichts. Man bearbeitet es mit nackten Händen. In einer Energiesparlame sind bis zu 5 Milligramm Quecksilber. Es haftet an den Innenwänden des Glases und verbreitet sich über Dämpfe. (Foto: Filmsequenz)

Der Schlussteil widmet sich dem Recycling. Eine Million Lampen werden bald jeden Tag zu entsorgen sein. Aus jeder unsachgerecht entsorgten Leuchtstoffröhre (Neonröhre) oder – nach selbem Muster gebauten – Sparlampe tritt, wenn sie zerbirst, Quecksilber (mercury) aus. Grafiken im Film zeigen, dass dadurch auch Mülltonnen kontaminiert werden. Der Film folgt einigen „Entsorgungstellen“ nach Leeds, nach Indien und nach Deutschland, die allesamt in Massen Neonröhren und bald in Massen auch Energiesparlampen entsorgen. Unfachgerecht in Indien, wo man meint, dass man ohne Handschuhe und Masken arbeiten kann und Quecksilber deshalb nicht in abgebrochenen Energiesparlampen ist, „weil man es nicht sieht.“ Dort wird herumgefummelt, Schaltkreise „wiederverwertet“, unter hygienischen Bedingungen, die eine Katastrophe sind.

Glühbirnen-Endlager wie bei Atommüll

In Deutschland gibt es ein unterirdisches Endlager für Quecksilber. Man lagert es in „Herfa Neurode“, dem weltgrößten Untertaglager für Sondermüll ein wie Atommüll. Für Quecksilber gibt es EU-weit ein Ausfuhrverbot.

All das zeigt der Film „Bulbfiction“ auf. Es geht vom Einzelereignis, dem privaten „worst case“ in einem Vierpersonenhauhalt mit zwei kleinen Kindern in Bayern im Frühjahr 2010 aus, der tatsächlich stattfand. Der Bub, der die Scherben der Energiesparlampe anfasste und nun eine Glatze hat. Dessen Familie das Haus, das kontaminiert war, verlassen musste. Die Gefährlichkeit von Quecksilber illustriert ein bayrischer Arzt: 1% aller Ratten, die eine Einheit Quecksilber verabreicht bekamen, starben. 1% aller Ratten, die eine Einheit Blei verabreicht bekamen, starben. Aber: 100% der Ratten, die eine Einheit Blei und eine Einheit Quecksilber verabreicht bekamen, starben. Darin liegt die Gefahr: Dass Personen mit Vorkrankheiten und anderen Vergiftungen nach Unfällen im Haushalt, wo eine Sparlampe platzt, sterben können.

CO2-Reduktion nur 4 Promille pro Jahr durch Abschaffung der Glühbirne

Der Film zeigt auch den Widerspruch der EU-Kommission auf. Deren Sprecherin sagt im Film, man baue mit der Richtlinie („Abschaffung der Glühbirne“) CO2 ab. Und zwar: „15 Mio Tonnen pro Jahr.“ Ein Forscher, der querzitiert wird, bezeichnet das als lächerlich wenig (für den Aufwand) und Tropfen auf den heißen Stein: Es seien 0,14% des EU-weiten Gesamtausstoßes, also 4 Promille Reduktion pro Jahr! Dreckschleuder China allein stößt pro Jahr 4.000 Mio Tonnen CO2 aus, so der Forscher.

Aus China hat indessen ein findiger Deutscher eine Glühbirne als „Kunstaktion“ fertigen lassen und zu 40.000 Stück nach Deutschland eingeführt. Es wurde ihm nachher behördlich untersagt, die Aktion „Heatball“ fortzusetzen. Er sieht seinen Kampf als Nadelstich gegen die Lobbies und Kartelle, die Glühbirnen nun um den zehnfachen Preis an den Mann bringen.

Gefährlicher Alltagsgegenstand

Der Dokumentarfilm zeigt dies alles auf. Mehr als aufzeigen kann er nicht. Die Macher hoffen indirekt auf eine Bürgerbewegung, die die alte Glühbirne wieder zurückverlangt und eine Aufhebung der Energie-Richtlinie 2005/32/EG. Ob es dazu kommt, wird man sehen. Mit Allianzen Industrie, Lobbyisten, Politiker, die das Kunststück vollbrachten, sogar „Greenpeace“ ins Boot zu holen, ist es aber illusorisch, dass die Edison Glühbirne aus 1881 ein Revival erlebt.

Der Film des 40-jährigen Tirolers Christoph Mayr zeigt auf, dass die Sparlampe große Gefahren der Gesundheit im engsten Privatraum birgt. Vor allem, wenn sie kaputt geht und entsorgt werden muss. Ein „Kit-Pack“ (Entsorgungspaket) aus Handschuhen und Dekontaminationsmittel kostet, laut Experten im Film, 120 Euro. Es ist dabei wie mit dem Sturzhelm: Hatte man einen Sturz, muss man einen neuen kaufen.

Es ist ein wichtiger Film, der sorgsamen und fachgerechten Umgang mit dem künftigen Haushaltsgegenstand Nummer eins aufzeigt: Die Energiesparlampe voller Quecksilber (5 Milligramm pro Lampe; 15-facher Elektrosmog wie beim PC-Schirm; 10 Mal so teuer wie die alte Edisonglühbirne). Premierenstart war in Österreich am 16. September 2011.

+++

Webseite zum Film: Bulbfiction
Kino, in dem er gezeigt wird (Gartenbaukino Wien)
In diesen Kinos läuft der Film (Österreich)
Andere Webseiten beschäftigen sich mit dem Thema Glühbirne und Licht:
Webseite der EU Kommission zum Thema Energiesparlampen
Land Salzburg Energieberatung – mit Stufenplan der Auslaufverpflichtungen der Edison-Birne
Thema Quecksilber in den Lampen (Bayrischer Rundfunk)
Heatball (Initiative aus Deutschland)

Marcus J. Oswald (Ressort: Medien, Kino, Haushalt)

Kottan – Genie und Wahnsinn – Folge Vierzehn

Posted in Fernsehen, Kottan, Medien by sicherheitwien on 27. November 2010

(Wien, im November 2010 – zugleich 1982) Major Kottan ermittelt in einem Mordfall im Milieu und gegen einen Unterweltsboss, der von Leon Askin (Buchautor von „Quietude and Quest“) gespielt wird. Der Mord wird nicht unmittelbar geklärt, dafür ein Bankraub. Nach Leon Askin ist mittlerweile ein Gemeindebau der Stadt Wien benannt (Sechsschimmelgasse 19, 1090 Wien).

Unter Umgehung aller Urheberrechte – hier die komplette Folge (manche Episoden sind wegen internationaler Urheberrechte nur direkt auf You Tube zu sehen, soll Recht sein):

Marcus J. Oswald (Ressort: Medien, Fernsehen, Kottan)

Kottan – Smokey und Baby und Bär – Folge Sechzehn

Posted in Fernsehen, Kottan, Medien by sicherheitwien on 1. November 2010

(Wien, im November 2010 – zugleich 1982) Major Kottan erfährt, dass ein Verbrecher aus dem Gefängnis entlassen wird und sieht sich vor. Er hat nach wie vor Ehefrau und Freundin. Hier die komplette Folge.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medien, Fernsehen, Kottan)

Reinhard Trinklers Schrammel-Comic auf You Tube

Posted in Fernsehen, Kottan, Medien by sicherheitwien on 12. Juli 2010

(Wien, im Dezember 2010) Die Neuauflage des Kottan-Film ist derzeit in aller Munde. Die Meinungen sind unterschiedlich.

Seit zwei Jahren Jahren beliefert ein anderer mit einer Neudeutung der Kottan-Serie aus den 1980er-Jahren, die 19 Folgen währte, den Webkanal „You Tube“. Dort sind einige Duzend Teile der Serie „Schrammel“ in Zeichnungen zu sehen. Die meisten Filme haben kurze Filmeinleitungen, der Rest ist Comic.

Reinhard Trinkler ist 23 Jahre alt, stammt aus dem niederösterreichischen Weinviertel und zeichnet Comics. Den Beginn machte 2008 ein Krimi-Horror-Comic namens „Dr. Mabuse jagt Dr. Gu Man Chu“. Danach folgte die „Schrammel“-Serie. Trinkler stellt Kottans Assistenten in den Mittelpunkt seiner Serie. Über 70 Teile hat der Comic, gut zwanzig Abschnitte stellte der Autor im letzten Jahr auf You Tube ein. Sein Held ist Schrammel, nicht Kottan.

Eines Tages zeigte er beim Jahrestreffen der Kottan-Fans seinen Comic, den er ohne Auftrag zeichnete, dem Serien-Regisseur Peter Patzak. Dieser war beigeistert. Danach entstand ein tatsächliches Auftragswerk, der Comic „So long Kottan“, in dem nun der weithin bekannte Polizist im Mittelpunkt steht. Mit den Söhnen des in den 90er Jahren verstorbenen Drehbuchautors und Erfinders der Filmfigur, Helmut Zenker, gibt es, so Reinhard Trinkler, nun die Abmachung, dass der Zeichner einige weitere Kottan-Folgen als Comic umsetzt.

Sag niemals nie

Somit sehen sich alle obenauf. Der Kinofilm „Kottan ermittelt – Rien ne va plus“ startet an Amfang Dezember 2010 in österreichischen Kinos. Das Wiener Rabenhof-Theater brachte vor einem Jahr eine „Kottan“-Bühnenfassung auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Nun gibt es den Filmhelden der Wiener Polizei, der sich nie als Polizist sah, sondern nur bei der Polizei arbeitete, auch als Comic.

Es kann kaum eine andere Polizeiserie im deutschsprachigen Raum darauf verweisen, dass sie auf so vielen Ebenen kreativ verabreitet wurde. Das liegt auch daran, dass Kottan nie eine Polizeiserie war, in der die Kriminaltat, die Grausamkeit oder die Kriminalität an sich im Mittelpunkt stand, sondern eher das morbide Wiener Lebensbiotop der ausgehenden 1970er und beginnnden 1980er Jahre, das bis heute als Projektionsfläche für vielschichtige Interpretationen offen steht.

Noch ein Filmausschnitt, weil gut (nur direkt via You Tube):

Marcus J. Oswald (Ressort: Medien, Fernsehen, Kottan)

Kottan-Box für einen Schnaps und Jahrestreffen 2009

Posted in Medien by sicherheitwien on 30. Mai 2009

Kriminalfilmermittlung 1978. (Foto: Peter Patzak)

(Wien, im Mai 2009) Man kann über die Kottan-Serie (1976 und 1983) sagen, was man will: Es ist lebensnahes Drehbuch wie man es auf der Filmakademie nicht lernen kann. Die Serie ist österreichische Filmgeschichte, allerbeste Kameraführung und Charakterschauspiel.

Photorealismus

Die Bilder von Peter Patzak, der Regie (und Kamera) führte, sind Zeitreisen in ein altes, graues und tristes Wien mitten in der Bruno Kreisky-Ära. Wien im Film wie man es selten nur mehr sieht und wie es auch ein noch so großer Wiener Filmförderungsfonds nicht mehr zusammenbringt: Weil Kreativität nur im Zusammenspiel der richtigen Akteure am richtigen Ort zur richtigen Zeit geschieht.

Dem Herausgeber dieses Journals gefällt der ausgelagerte Kinospielfilm „Den Tüchtigen gehört die Welt“, mit Kottan-Inhalt und auf 110 Minuten-Langformat (1983) aufgeblasen, am Besten. In diesem Spielfilm sind morbide Bilder von Wien zu sehen, etwa die flüchtige Nachtaufnahme von der Eisenbahnbrücke über die Donau im melancholischen Kameraschwenk aus der Schlussszene. Ein kühler Abgesang, fast romantisch als Kontrast zum heutigen Hochhausirrsinn auf der Donauplatte.

Im Gegensatz zum dialogreichen Kammerschauspiel „Ein echter Wiener geht nicht unter“ (Regie: Reinhard Schwabenitzky und andere) spielte „Kottan“ meist „außen“ und zeigte die alte Zeit. „Kottan“ ist Zeitreise und Zeitdokument ins Kriminal-Wien der Jahre 1976-1983. Der Richtigungsstreit, wer der beste Nicht-Inspektor war (Lukas Resetarits, Franz Buchrieser oder Peter Vogel), ist eine philosophische Frage und soll hier nicht geführt werden.

Problem Musikrechte

Lange Zeit konnte man „Kottan“ nur alle paar Jahre auf 3 SAT spätnachts sehen. Dass nie eine DVD-Box heraus kommen konnte, lag an der verqueren Bauweise der Kottan-Folgen: Peter Patzak, dessen beste Filme nach Meinung des Herausgebers „Kassbach“, 1979 und die Filmbiografie „Tagebuch einer Flucht“ über den Autor von „Das Ohr des Malchus“ Gustav Regler, 1996 sind (beide gesehen bei den „Österreichischen Filmtagen in Wels“ – 123), baute in „Kottan“ stets viel Musik ein:

In memoriam: Als im Herbst 1996 die 11. Österreichischen Filmtage in Wels anstanden, wollte der große Förderer des heimischen Films, Reinhard Pyrker, Fotos für die Presse. Der heutige Herausgeber dieses Journals brachte ihm Sascha Manowicz, den großen unentdeckten Autorengesichterfotografen. Er machte ein paar Schwarzweißbilder (nur mit dem kurzen Rohr). Ein Jahr später war Reinhard Pyrker tot. Der Herausgeber dieses Journals sperrte sich dann drei Tage in seine Wohnung ein. Und veröffentlichte danach drei Nachrufe, in der Furche, der Welser Rundschau und einen langen in der Fachzeitschrift Media Biz, die Pyrker besonders mochte. Beim Begräbnis in Wien kamen 300 Gäste aus der österreichischen Filmbranche und am Ende wurde laut applaudiert. Seit damals hat der heutige Herausgeber dieses Journals nie wieder einen Nachruf in Medien verfasst. (Der Ernest Borneman-Nachruf war vorher - 1995; da waren Pyrker und Oswald gemeinsam in Scharten auf dessen Anwesen beim Begräbnis.) (Foto: Sascha Manówicz)

Der Wiener Regisseur Peter Patzak arbeitete mit Songs von Georg Danzer, Bob Dylan, Johnny Cash, Elvis Presley, Ennio Morricone, Randy Newman, Bing Crosby, Marlene Dietrich, Beatles, John Lennon, Smokie, Bee Gees, Queen, The Who, Rod Steward, Billy Joel und andere, die zum Klangteppich geflochten und etwa von „Kottans Kapelle“ lippensynchron imitiert wurden.

Das Problem: Die Urheberrechte für solche Welthits im Rahmen eines DVD-Vertriebs sind natürlich nicht günstig. Daher sah man von einer Kottan-DVD-Gesamtausgabe lange ab. Nun wurde dieses Problem offenbar gelöst. Denn die Firma Eurovideo, die zu den Münchner Bavaria Studios gehört, brachte eine Gesamtausgabe heraus.

Kottan ist Ursprungspunkt

Daher gibt es „Kottan“ nun in einer handlichen DVD-Box (4 CDs). Und daher ist es Zeit, Peter Handke zu zitieren: „Früher musste man noch nicht von früher sprechen.“ Die österreichische Polizeiserie „Kottan“ ist ein filmisches Meisterwerk. Es gibt im Filmwesen Dinge, die einen Ursprungspunkt setzen, den Pflock ins Feld schlagen, an dem sich alle orientieren sollten. Nach „Kottan“ kamen viele TV-Inspektoren, einer schöner als der andere. Solche mit Schäferhund oder schlanker Damenbegleitung. Es wurde immer atypischer für einen tatsächlichen Ermittler.

Ein echter Ermittler braucht keinen Hund und auch kein Fotomodell an der Seite. „Kottan“ war das, was die erste (nur die erste) Staffel des „Columbo“ für die USA war: Pflock und Wegweiser. Spätere Regisseure studierten sie und analysierten, was sie selbst falsch machten (siehe: Soko Donau). Columbo war der einzige originale US-Inspektor. Derrick der einzige wahre deutsche Kammerschauspiel-Ermittler. Kottan der einzige Major. Die wirklich guten Fernseh-Polizisten haben keinen Hund, keine Frau und keinen Vornamen.

Alle 19 Folgen in einer Box!

Die Gesamtausgabe aller 19 Kottan-Folgen bietet 1.505 Minuten Wiener Seele und Seelenschaupiel. Die Box kostet einen Schnaps: Auf Amazon derzeit rund 45 Euro.

Die Bildqualität soll schlecht sein, wie damals in den 70er Jahren eben die Kameratechnik war. Dafür hat die Musik Tarentino-Qualität.

7. Internationales Jahrestreffen – 13. Juni 2009

Unter echten Kottan-Fans gibt es ein Jahrestreffen. Es ist das mittlerweile 7. Internationale Kottan-Treffen. Die Fangemeinde hat sich im Forum der Hardcore-Fans (alle Infos zum Jahrestreffen in diesem Thread) auf Samstag, den 13. Juni 2009 geeinigt. Anmeldung per Email.

Es sollen auch die noch lebenden Darsteller kommen (Kurt Weinzierl und Gusti Wolf verstarben kürzlich, Walter Davy, Leon Askin und Curth Anatol Tichy starben vor einigen Jahren). Und vielleicht auch Regisseur Peter Patzak. Beginnen wird das Treffen in der Ausflugsstation Kaserer. Enden wird es zum Abschluss im „Café Eppler“, das von 17 Uhr bis 22 Uhr reserviert ist. Dieses Café ist „bekannt aus der Folge Nachttankstelle“, so die Veranstalter. Das Gulasch galt dort – zumindest 1978 – als besonders fett.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medien)

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