Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Rechercheseite für Asylfragen – Staatendokumentation.at

Posted in Asylrecht, Datenbank, Wissen by sicherheitwien on 21. Mai 2009

Datenbank mit Asylbezug will Tatsachen schaffen.

(Wien, im Mai 2009) Es gibt zwei Arten, sich über die Asylfrage zu informieren: „Kronen Zeitung“ oder „Staatendokumentation.at“. Beide Medien kosten annähernd gleich viel: Ein Jahresabonnement der „Kronen Zeitung“ kostet derzeit 8 Euro im Monat. Der Zugang zur Webseite „www.staatendokumentation.at“ kostet 60 Euro im halben Jahr.

Qualitätsanalye

Herausgeber der Webseite „Staatendokumentation“ ist das Bundesasylamt der Republik Österreich (BAA), das dem Innenministerium untersteht. Mit dem neuen Asylgesetz 2005, das mit 1. Jänner 2006 in Kraft getreten war, wurde beschlossen, dass eine Plattform im Internet zu schaffen ist, die die Lage der Herkunftsstaaten von Asylwerbern fortlaufend und konkret analysiert, um qualitative Entscheidungen bei der Bearbeitung der Asylanträge zu treffen.

Gefahrenanalyse

Die Datenbank gliedert sich in Ressorts wie Staaten und Quellen, die nach Relevanz geordnet werden können. Dem Vernehmen nach wird die Datenbank täglich aufgefrischt. Ziel ist es, zu den bekannten Asylstaaten Osteuropas und Afrikas eine Gefahrenanalyse vorzunehmen. Dazu werden vor allem wissenschaftliche Berichte und unabhängige Medien ausgewertet. Außerdem wird in der Datenbank die ständige Judikatur mundgerecht aufbereitet.

Webseite mit Beirat

Herausgeber der Datenbank sind das Bundesasylamt in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz und der Einrichtung Accord/ecoi.net. Mitverantwortlich ist ein Beirat aus Experten zum Flüchtlingswesen, der beratende Funktion für die Direktion des BAA hat.

Kostenpflichtig

Die Datenbank ist eine hermetische, damit kostenpflichtige Informationssammlung. Unentgeltliches Nutzungsrecht haben gemäß § 60 Abs 6 AsylG nur Personen der Rechtspflege an österreichischen Gerichten, der Gerichte am UNHCR, ECHR, EuGH, sowie Beamte der Bundesvollziehung und Anwälte. Andere Interessierte können einen Antrag stellen und für 60 Euro pro Halbjahr die Inhalte der Datenbank befristet konsumieren.

Marcus J. Oswald (Ressort: Asylrecht, Wissen, Datenbank)

Für Minimalisten – Handbuch der seltenen Krankheiten

Posted in Datenbank, Wissen by sicherheitwien on 11. Oktober 2008

Handbuch Seltene Krankheiten 2007, 1360 Seiten. (Bucharchiv Oswald)

(Wien, im Oktober 2008) Für Minimalisten, Hypochonder, Fachleute und die es werden wollen, ist ein Buch erschienen. 1.360 Seiten dick, 2 Kilo schwer: „Handbuch Seltene Krankheiten“. Das Buch entsprang aus dem „Orphanet“-Projekt, das das französische Gesundheitsministerium seit 1997 finanziert. Seit diesem Jahr gibt es eine Internetdatenbank, die laufend erweitert wird und die in fünf Sprachen zugänglich ist. Seit 2001 finanziert die EU das Orphanet-Projekt auch in Deutschland. 2007 kam das erste „Handbuch Seltene Krankheiten“ in deutscher Sprache heraus.

Selten und häufig

Es gibt zwei Arten von Krankheiten: seltene und häufige. AIDS war war einmal eine „seltene Krankheit“, wird aber nun als häufige Krankheit geführt. Seltene Krankheiten müssen nach Definition chronisch, eventuell genetisch und lebenbedrohlich sein. Wenn eine Krankheit in der Bevölkerung eine Prävalenz (Vorkommnis) von unter 1 : 2000 hat, spricht man von einer „seltenen Krankheit“. Haben wengier als 40.000 Deutsche oder weniger als 4.000 Österreicher die gleiche schwere, degenerative Erkrankung, wird die Krankheit in die Datenbank aufgenommen.

Mehr als 7.000 seltene Krankheiten

Da es mehr als 7.000 seltene Krankheiten gibt, liegt das Gesamtaufkommen nicht im Promille-, sondern im Prozentbereich. Alleine in Deutschland sollen 4 Millionen Bürger an einer seltenen Krankheit leiden. Für viele dieser Krankheiten gibt es keine Therapien. Im Vorwort des Buches heißt es, dass wöchentlich in der wissenschaftlichen Fachliteratur fünf bis sechs neue „seltene Krankheiten“ auftauchen. Seltene Krankheiten
würden aber von Politikern ignoriert, es gäbe keine Forschungsgelder. Daher bilden sich im Gegensatz zu den „häufigen“ (Volks-)Krankheiten zu den „Seltenen Krankheiten“ die meisten Selbsthilfegruppen.

Jedem Ding einen Namen

Die „seltenen Krankheiten“ werden meist nach dem Forscher benannt, der sie entdeckt hat oder einem prominenten Träger. („Erdheim-Chester-Krankheit“, „Eronen-Somer-Gustavson-Syndrom“, etc.) Wer zum Beispiel das „Netherdon-Syndrom“ hat, dem fehlen Augenbrauen oder Wimpern. Das „Norrie-Syndrom“ führt zu früher Blindheit oder am dem 20. Lebensjahr zu Taubheit. Interessant ist das „Peyronie-Syndrom“, das der französische Forscher Francois de La Peyronie 1743 als erster beschrieb: Hier entzündet sich am Penisschaft das Bindegewebe. Der erregierte Penis ist „deformiert“, sagt das Lexikon, es kommt zu mangelnder „Rigidität“ und daher zu erektiler Dysfunktion. Zu deutsch: Impotenz. Die Prävalenz in Europa wird mit 388 Fälle auf 100.000 Einwohner bestimmt. „Die Penisdeformation kann in etwa 75% der Fälle chirurgisch mit befriedigendem Ergebnis korrigiert werden“, so das Orphanet-Lexikon.

Die deutsche Ausgabe des Buches umfasst in der Erstauflage 1.885 seltene Krankheiten, die in der Häufigkeit bei weniger als 1 von 2.000 Personen vorkommen. Das Buch ist ein Auszug der Online-Datenbank.

Französisches Projekt

Die Erstellung einer ersten Online-Datenbank, die diese „seltenen Krankheiten“ und rund 2.300 Syndrome vereinen, soll in der Diagnose-Erstellung helfen. Das Pionierprojekt wird in Frankkreich vom Verband der Krankenkassen, vom Verband der Pharmahersteller und vom Verband zur Bekämpfung von Muskelkrankheiten finanziert. Das Online-Angebot der Webseite www.orpha.net ist frei und kostenlos. Sitz der Webseite ist Frankreich.

Zur Datenbank: www.orpha.net.

„Handbuch“-Ziegelstein: ISBN 978-3-930333-85-1. Preis: 20 Euro.

Marcus J. Oswald (Ressort: Wissen, Datenbank)

US-Strafregister Online – In Österreich undenkbar

Posted in Datenbank, Wissen by sicherheitwien on 28. September 2008

US-Strafregister Online. (Logo Webseite)

(Wien, im September 2008) In den USA gibt es einen Service, der noch im Aufbau, aber im Internet schon freigeschalten ist: Das Strafregister.

Der Service wäre in Österreich undenkbar. Gibt man zum Beispiel auf http://www.criminalsearches.com einen typisch amerikanischen Namen ein, etwa John Holmes (ein Porno-Star der 80er Jahre), spuckt die Datenbank 50 John, Johnny, Johnnie Holmes aus. Clickt man auf „View Details“ bekommt man allerlei Daten.

Beim Ersten ausprobiert, zeigen sich zu einem 1948 geborenen Mann die Verkehrsstrafen und Alkoholkonsum.
Bei einem Anderen zeigen sich zwei „Beziehungsdelikte“, zwei „Gewaltdelikte“ sowie elf Verkehrsstrafen.

Kostenlose Suchseite

Die Webseite ist kostenlos und finanziert sich – man staune – durch Werbung. Bei „Criminalsearches.com“ handelt es sich um die erste unentgeltliche Strafregisterseite im Internet. Bislang gab es in den USA mehrere Pay-Seiten dieser Art, die nach Aboabschluss den Datensatz frei zugänglich machten.

Daten aus amtlichem Register

Die Macher der Seite beziehen, interessant, die Daten aus den amtlichen Strafregistern. Als „Spezialservice“ bietet man die „Wohnorte“ der Eingetragenen an, inklusive Karte. Damit folgt man dem aktuell im Internet erkennbaren Trend des „Neighborhood-Watchings“ (wie es auch „www.rottenneighbor.com“ praktiziert).

Newsletter

Jenseitiger Exzess in diesem System: Die Webseite „Criminal Searches“ bietet ein E-Mail Service an, der Benachrichtigung gibt, wenn ein Vorbestrafter in die Nachbarschaft zieht. Ebenso gibt es Benachrichtigung,
wenn Bekannte in Kontakt mit der Polizei kommen.

Denunziationsdienst

Die Webseite gehört offenbar einem Neokonservativen. Er hat einen Namen: Bryce Lane. Er ist CEO des Unternehmens „PeopleFinders“. Er bezeichnet die Seite als „Sicherheitsgurt“ für das Leben. Nicht doch eher „Denunziationsdienst“?

Die Seite selbst hat Sicherheitslücken. Sagen Kritiker, die feststellten, dass die Daten nicht vollständig seien und es zu Namensverwechslungen kommt, wenn kein Geburtsdatum dabei steht.

Allmachtsdemonstration

Ohne näher auf dieses System und seine Schwachstellen einzugehen. Es zeigt die Schwachstelle des Internets. Es ist das, was die Serie CSI vorspiegelt, was die USA seien: Ein perfektes System, in dem man per Tastendruck alles über jeden erfahren kann. Das neokonservative Modell dieser Webseite schnürt alle Datenschutzbedenken ab und zeigt, dass nicht nur der Staat alles über jeden weiß, sondern mit solchen Methoden auch der Bürger, der viel Freizeit vor dem Computer verbringt.

Marcus J. Oswald (Ressort: Wissen, Datenbank)

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