Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Deutsche Kriminalmetropole bleibt Frankfurt – vor Hannover und Berlin

Posted in Wissen by sicherheitwien on 2. September 2011

Habgier, Wollust, Rachsucht, Eitelkeit, Maßlosigkeit, Eifersucht und Faulheit sind nur die sieben wesentlichen Todsünden, die mitunter nicht unwesentlich dazu beitragen, dass es pro Jahr in Deutschland sechs Millionen Strafanzeigen gibt. Das Land hat nur 80 Millionen Einwohner, womit auf 13 Personen eine Anzeige kommt. Es hält sich in Grenzen: Die Prostitution, die Gier, der Sozialneid, der Betrug. Baustelle bleibt Deutschland trotz des leichten Rückgangs der Gesamtanzeigen erstmals seit langem unter 6 Millionen. Was nach Expertenmeinung mit der schleichenden Überalterung der Gesellschaft zu tun hat. 2030 werden 30 Prozent Rentner in Deutschland leben. Dann ist Ruhe im Gebälk. (Foto: Oswald im Hause Oswald)

(Wien, im September 2011) Die neue „Kriminalstatistik“, die erst in einigen Monaten vom deutschen Bundeskriminalamt präsentiert wird, die aber schon in der Münchner Zeitschrift „FOCUS“ (35/2011, S 44-55) heiß diskutiert wird, birgt interessante Neuigkeiten. Ging man vor zehn Jahren von der unheiligen Trinität der deutschen „Kriminalhochburgen“ Frankfurt, Hamburg und Berlin aus, was sich lange an den „Häufigkeitsziffern“ (Häufigkeitsziffer misst die Quantität der Anzeigen pro 100.000 Einwohner), hat sich dieses Verhältnis verschoben. Frankfurt ist auch 2010 die Top-1-Stadt Deutschlands, was Kriminalitätsaufkommen angeht, aber auf den Plätzen sind andere: Hannover auf Rang zwei, Berlin auf Rang drei vor Düsseldorf (4) und Köln (5). Hamburg liegt nur mehr auf Rang neun. Die Top 10 „Hochburgen“ (nach Häufigkeitsziffer) sind westdeutsche Städte. Die „kriminellste Stadt“ aus dem ehemaligen Ostdeutschland liegt auf Rang elf. Es ist Magdeburg.

Nur drei Millionenstädte

Soziodemografisch ist Deutschland ein Land aus vielen Nestern, es fehlen die Großstädte und dichten urbanen Siedlungen. Es gibt nur drei Städte, die mehr als 1 Million Einwohner haben: Größte Stadt ist Berlin mit 3.44 Mio Einwohnern vor Hamburg (vergleichbar mit Wien) mit 1.77 Mio Einwohnern und München mit 1.33 Mio Einwohnern. Köln schrammt mit 998.105 Einwohnern knapp an dieser Grenze vorbei. Der Rest der Städte dümpelt auf hohem Niveau, aber weit unter der Millionen-Grenze dahin: Fünftgrößte Stadt ist Frankfurt mit 671.927 Einwohnern vor Stuttgart (6) mit 601.646 Einwohnern, gefolgt von Düsseldorf (7) mit 586.217 Einwohnern, Dortmund (8) mit 581.308, Essen (9) mit 576.259, Bremen (10) mit 547.685, Hannover (11) mit 520.966, Leipzig (12) mit 518.862, Dresden (13) mit 517.052, Nürnberg (14) mit 503.673 und Duisburg (15) mit 491.931 Einwohnern. Es gibt in Deutschland, wie schon vor zehn Jahren, exakt 80 Städte mit „mehr als 100.000 Einwohnern“. Nur 14 haben aber mehr 500.000 Einwohner, davon nur drei mehr als eine Million. 40 Städte Deutschlands haben mehr als 100.000, aber weniger als 200.000 Einwohner, also die Größe von Linz, was überschaubar ist. Die Flächigkeit ohne Spitzen im städtischen Bereich zeichnet die bevölkerungsgeografische Landschaft Deutschlands aus.

Es gibt, gemessen an den Eckdaten des Anfalls krimineller Hervorbringungen, sehr sichere Städte: München ist mit seinen 1.33 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt, aber im Kriminalitätsranking fast kleinstädtisch sicher: Platz 68. Leverkusen mit 160.593 Einwohnern liegt im Gesamtranking auf Platz 66. Wolfsburg mit 121.109 Einwohnern auf Platz 67 der 80 Städte. Der sicherste Boden unter den deutschen Städten ist Fürth mit 114.044 Einwohnern auf Platz 80. Aber auch Städte, denen man etwas zumutet, wie Chemnitz mit 243.089 Einwohnern, liegen weit hinten, Platz 52, also noch „vor“ Dresden auf Rang 58.

Schweinezyklus

Es heißt: Am Land erkennt man die Schweine am Gang. In den Städten ist das Erkennen der Kriminalität schwieriger. Sie agiert anonymer. Es ist heutzutage ein Kinderspiel in der Großstadt ein Jahr unterzutauchen, um zu tun und lassen, was man will. Dazu braucht man nicht einmal große soziale Netzwerke oder Seilschaften. Am Land ginge und geht das nicht. Die Verhältnisse stehen anders, auffälliges Verhalten fällt auf, die sozialen Kreise sind enger, die Möglichkeiten, und sei es nur des täglichen Einkaufs, begrenzter.

Vergreisung schafft bald Totenruhe

Die deutsche Kriminalstatistik analysiert nur die Städte, nicht die Regionen. Signifikant ist, dass die Kriminalität der deutschen Gesellschaft abnimmt. Das hängt mit der „Vergreisung der Gesellschaft“ zusammen, also dem, was man Pensionsblase nennt. 2030 schätzt man 30 Prozent der deutschen Gesamtgesellschaft auf Pensionisten. Das zeichnet sich jetzt schon ab: Die kriminellen Anfallzahlen sind rückläufig. Waren vor zehn Jahren (2001) die Häufigkeitsziffern (Anzeigen pro 100.000) bei den damaligen Top-3-Städten Frankfurt, Hamburg, Berlin noch je über 16.000 (!), so liegen die Häufigkeitszahlen der aktuellen (2010) Top-5-Städte, also der Kriminalhauptstädte, weit drunter:

  • Platz 1 – Frankfurt – 15.977
  • Platz 2 – Hannover – 14.653
  • Platz 3 – Berlin – 13.798
  • Platz 4 – Düsseldorf – 13.781
  • Platz 5 – Köln – 13.694

Einen hohen Ziffernsatz machen die kleinen Delikte auch in Deutschland aus. Sachbeschädigungen wie diese in Wien: Aufgebrochene Münztelefone, Vandalismus, kleine Zerstörungen. Bei der Anzahl von 80 Städten über 100.000 Einwohner in Deutschland, summieren sich solche Fälle. (Foto: Oswald)

Dass überhaupt noch so hohe Sätze zustande kommen, ist dadurch bedingt, dass Jugendliche nachstoßen. Der Verfall der Grundlagenwerte der Gesellschaft führt zu vielen Kleindelikten, die von Komasaufen, Vandalismus, Drogenmissbrauch, Kindervernachlässigung, Schulhofkriminalität, Sozialbetrug reichen. Und weil – vielleicht – durch die Migrationsfrage – auch das Baden ohne Securities keinen Spaß mehr macht, haben Berliner Freibäder nun auch dort – nach Vorkommnissen – Securities eingesetzt. Kleinvieh macht das Kraut fett.

Subkultur-Kriminalität

Soziale Kleinkriminalität, die aus Subkulturen entsteht, gibt es in einigen Städten. Hausbesetzungen in Berlin und Hamburg führen meist zu hunderten Anzeigen an einem Tag und treiben die Quote der Anzeigenstatistik nach oben. In München gibt es das überhaupt nicht. Dort hat die Polizei die politische Rückendeckung, dass jedes nur im Ansatz „besetzte“ Haus „Binnen 24 Stunden geräumt“ wird. Wohl auch deshalb gibt es in München Mietpreise wie 1.200 Euro für 50 Quadratmeter und eine Häufigkeitsziffer von 7.684 pro 100.000 Einwohner. Umgelegt auf Österreich wäre das ein Kriminalaufkommen von Steyr. Auch eine Drogenszene wird in München im Keim erstickt, ehe sie sich an Plätzen ausbreiten kann. Dauerpräsenz und Dauerkontrollen gibt es gegen Bettler, die danach gerne München hinter sich lassen. Das Münchner Magazin „Focus“ weiß von einer äußerst „sichtbaren“ Münchner Polizei, die durchschnittlich 140 Streifeneinheiten (Fuß und Auto) täglich unterwegs ist und „an Wochenenden auf 200 aufstockt“. 25 Inspektionen gibt es nur mehr, aber eine mächtige Zentrale, die alle Daten erfasst. Man ist in München relativ schnell verhaftet. Umgekehrt liegt die Aufklärungsquote und Zuordnung von Straftaten in München bei 58,9 Prozent, wobei zum Beispiel fünf von zehn Wohnungseinbrüchen aufgeklärt werden. In Köln: Gesamtaufklärungsquote von 13 Prozent. Nur ein Wohnungseinbruch von zehn wird geklärt.

Frankfurt liegt in den letzten 25 Jahren nun 22 Mal an Platz 1. Das hat freilich mehrere Gründe: Der Flughafen wirft jährlich rund 10.000 Anzeigen auf (vielfach Suchtgiftanzeigen), dazu kommen mehrere hunderttausend Einpendler in die Stadt.

In Deutschland wurden 2010 5,93 Millionen Straftaten angezeigt (weniger als 6 Millionen wie in den Vorjahren). 56% Aufklärungsquote im ganzen Land. Unter den Angezeigten sind 1.206.884 Männer (74%) und 430.064 Frauen (26%).

Die Gender-Liste der Täter im Detail (Mann/Frau):

Vermögens- und Fälschungsdelikte: 401.916 Männer und 180.084 Frauen
Körperverletzung: 384.643 Männer und 83.610 Frauen
Diebstahl: 356.382 Männer und 161.009 Frauen
Sexualdelikte: 31.793 Männer und 2.015 Frauen
Raub: 29.811 Männer und 2.979 Frauen
Totschlag: 1.622 Männer und 250 Frauen
Mord: 717 Männer und 117 Frauen

2.218 Mord- und Totschlagfälle in Deutschland. 95% wurden aufgeklärt (vielfach Beziehungstaten)
Ehrenmorde sind konstant niedrig: Pro Jahr 7-10 Fälle (laut einer Langzeitstudie des Max Plank Instituts). Meist Türken als Täter. 60 % Frauen, 40% Männer als Opfer.
7.724 Vergewaltigungen (und Versuch), damit 5,6 % Zuwachs zu 2009.

Weiteres Interessantes in Deutschland 2010:

80 % der Taten wurden von Deutschen begangen, 20 % von Ausländern (Nicht-EU-Ausländer)

13 % aller Täter standen unter Alkoholeinfluss

30 % aller Gewalttäter standen unter Alkoholeinfluss

4,3 % der Täter waren Kinder und Jugendliche (rückläufige Tendenz)

75 % aller Einbrüche in Frankfurt finden in Mehrfamilien- und Hochhäusern statt. Nur 0,4% in Villen. Risiko Einbruchsopfer ist in „armen Gegenden“ siebenfach so hoch wie in „reichen Gegenden“.

Köln gilt laut jüngeren Studien als Deutschland-Zentrale für: Taschendiebstahl und Rockerbanden, die mit Drogen und Rotlicht Geschäfte machen. Das Delikt Betrug stieg dort um 40%, Einbruch um 8 % und bei Mord liegt man ganz vorne.

Hannover ist die Drogenmetropole in Deutschland. Außerdem hat Hannover bei „Schweren Körperverletzungen“ mit 378 (pro 100.000) die höchste Häufigkeitszahl.

Die höchste Wahrscheinlichkeit in Deutschland in eine Schlägerei verwickelt zu werden ist: Um 23 Uhr 04. Statistisch steigt die Chance, die Faust aufs Aug zu bekommen, ab 20 Uhr an, was sich kriminalpsychologisch – erneut – mit Alkohol erklärt. Am Abend wird mehr getrunken, es sinkt die Hemmschwelle.

Bankraub kam in Deutschland „aus der Mode“. Nur 300 Fälle (statt 700 im Jahr 2009). Die Täter verlegten sich auf den stillen Bankomatkartenbetrug, Cybercrime und neue elektronische Betrugsfelder. In Mode kam das „Skimming“: Bankomatkarten-Datendiebstahl. Schaden 2010 in Germany: 60 Mio Euro in 190.000 (!) Fällen. Warum also mit der Knarre in ein Bankfoyer, das überwacht ist wie Fort Knox…Teilweise arbeiten seriöse Leute mit Unersiösen zusammen, wie ein Fall aus Deutschland zeigte, in dem ein Tankstellenmitarbeiter die Lesegeräte der Bankomatkarten manipulierte und Daten an Kriminelle weitergab.

(Man könnte das weiterdenken, umgelegt auf Facebook: Warum investieren russische Investoren mit zweifelhaften Kontakten zu Geheimdiensten 400 Millionen Dollar in eine Webseite? Vielleicht, weil es doch um begehrten Datenhandel geht. Im Kleinen natürlich darum, nachzuvollziehen, ob wieder einmal jemand Preis gibt, dass er nun nach Griechenland in Urlaub fährt und seine Wohnung frei für Einbrecher steht.)

Körperverletzung wurde in Deutschland nun umfassend zwischen 1990 und 2009 untersucht und analysiert. Man stellte für Hamburg – also analog in der Bevölkerungsdichte vergleichbar mit Wien – fest: „Jede Stunde Sonnenschein führt statistisch zu 0,7 % Körperverletzung.“ Das heißt: Scheint fünf Stunden die Sonne, führt das zu 3,5% Anstieg der KV-Delikte zum trüben Tag: Erklärung ist der Alkohol und Nachfolgeerscheinungen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Wissen)

Advertisements

Rassismus bidirektional – ZARA Report 2010

Posted in Aus den Vereinen by sicherheitwien on 16. August 2011

Der Zara-Rassismus Report enthält 104 alltägliche Fälle der Diskriminierung und gute Ratschläge aus gutbürgerlicher Warte der Betrachtung, mit denen man die Welt heilen will. (Foto: Oswald)

(Wien, im August 2011) Den Verein ZARA gibt es nun schon eine Weile und man versteht sich als Apotheke, die Impfstoff und gute Ratschläge gegen Rassismus verteilt. Der Verein wurde 1999 von einer Frau gegründet, die sich einmal von der Wiener Zeitschrift „Augustin“ interviewen ließ und dabei kam heraus, dass sie vermutlich mehr Bücher in ihrer Wohnung stehen hat als der Herausgeber dieser Seite.

Es müssen eindeutig humanitäre, philantropische Gründe gewesen sein, dass sich das Gründungsteam vor 12 Jahren zusammen fand und einen Verein eröffnete. Bei den philantropischen Gründen ertappt man sich selbst immer wieder, indem man, unantastbar und ungerührt, gelangweilt und angewidert, emotional zurückhaltend, aus der höheren Warte eben, den Dreck der Gesellschaft aufliest, sammelt und dokumentiert, um daraus Rückschlüsse über die Verwerflichkeit der Menschen und ihrer Lebensstile zu finden, um eventuell, tut man es mehrere Jahre lang, eine Theorie daraus zu bauen.

Besieht man sich das Foto, das von der Zara-Gründerin im „Augustin“ veröffentlicht wurde, diese luftige, weite Altbauwohnung mit den hohen, hellen Bücherwänden, entsteht der Eindruck: Es ist ein bürgerlicher Blick des und der Gebildeten auf den kleinen Alltag, die kleinen, engen Herzen und die Kleingeisterei des Kleinbürgers.

Man mag sich eben nicht

Wie sonst kommt man 1999 auf die Idee, Straßenpöbeleien minutiös zu dokumentieren, die Alltagsrassismus enthalten? Die Absicht ist, eine größere Linie aus den Puzzleteilen zu erhalten, eine Richtung, um am Ende „beweisen“ zu können, dass 1. das Alltagsverhältnis der Menschen zueinander verschlampt ist, 2. das Alltagsverständnis zueinander reserviert bis verhasst ist und 3. diese Richtung der gegenseitigen Abgrenzung im Lebensraum „falsch“ ist. Das ist, kurz umrissen, das Ziel des Vereins ZARA. Man dokumentiert den Dreck und will ihn ausmisten. Das ist ein unerreichbares Ziel.

Dennoch hat der Verein in der Wiener Luftbadgasse (eine Parallelstraße zur Gumpendorferstraße) im 6. Wiener Bezirk auch einen Anwalt beschäftigt, der die gröbsten Beleidigungen rassistischer Natur in manchen Musterfällen einklagt oder in einen kurzen Schriftsatz zur Anzeige bringt. Im durchschnittlichen Fall ist der Verein ein Papiertiger und Zettelkasten, der vermutlich wie der Herausgeber dieser Seite, 16 Tageszeitungen am Tag bezieht, systematisch liest, ausschneidet, abhängt, scannt, zu digitalen Mappen macht und – wartet.

Monitoring

Wachsamkeit, egal in welchem Lebensbereich, hat die Ruhe zur Voraussetzung. Erst wer ruht, hat das Vermögen, im Ernstfall wach zu sein. Im Kern sind Vereine wie ZARA also keine aktivistischen Vereine, sondern Wächtervereine, Monitoring- und Dokumentationsstellen, die aus dem ruhenden Pol des Archivs und der nun 12-jährigen Arbeit durchaus kleine Qualitäten der Routine in der Betrachtung des niederen Lebens erarbeiteten. Wer 12 Jahre den niederen Alltag der kleinen Leute beratend, zuweilen sanktionierend begleitet, weiß über gewisse Umstände sicher Bescheid.

Jährlich kommt der „Anti-Rassismus-Bericht“ heraus und auch 2010 wurde auf 80 Seiten die Sammlung fortgesetzt. Darin finden sich die Tätigkeiten des Vereins in Nacherzählungen. Kern der Fälle sind Diskriminierungen, die täglich im öffentlichen Raum (Straße, Gehsteig, U-Bahn, etc.) geschehen und die der Verein auch nicht abschaffen kann.

Große Illusionen

Es sei denn, alle Menschen gingen zur Universität (was bei einer österreichweiten Akademikerquote von 4% nicht der Fall ist), jeder verdiente genug Einkommen, um davon leben zu können (was bei einem Median von 1.250 Euro schwer möglich ist), jeder führe eine glückliche Zweierbeziehung (was bei einem Singlehaushaltsanteil in Wien von 42 % nicht der Fall ist), jeder sei gesund (in Österreich leben 900.000 Depressionskranke und viele andere Sieche). Und so weiter.

Es gibt zahlreiche Ausschließungsgründe, allesamt sozialer Natur, die verantwortlich sind, nicht im Einklang mit Gesetzen, Anstand, hoher Moral, vielleicht gar dem „lokalen Staat“ (in dem man sich zufällig gerade befindet) oder dem weithin unbekannten Artikel 1 der Menschenrechtskonvention (eh schon wissen: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“)

Nachweisfetischismus

Wer die sozialen Umstände des radikalen Denkens, des rechtsradikalen Denkens, des religionsradikalen Denkens, des angsterfüllten Denkens und Sprechens außer Acht lässt, macht es eben wie ZARA: Man dokumentiert kleine Alltagsfälle. Und versucht sie punktativ zu lösen. Dieser Nachweisfetischismus kann auch zu einer Paranoia führen.

Denn zu lösen ist Rassismus nicht punktativ. Eine „Anti-Rassismus-Beratung“ (bei „Zara“) ist keine Beichte im Heiligen Stuhl. Temporäre Absolution bringt nichts. Das Leben mit seinem Schmutz, dem Geldmangel, der Existenznot, den Krankheiten, Schicksalsschlägen und Niederlagen geht weiter und holt die Menschen am selben Tag nach der Beichte wieder ein. Daher sind die Arbeiten solcher Vereine wirkungslos und für die sprichwörtliche Katz‘, da man die Fundamente der Gesellschaft ändern müsste, um ein Ergebnis zu erzielen.

Report

Trotzdem liegt der ZARA-Report 2010 vor. Er verfolgt das Ziel, dass hochtrabende Richtlinien der EU oder heimischer Behörden, allerlei abstrakte Gesetze Österreichs eingehalten werden. Der Verein sichtet die Meldungen und macht bei dem einen oder anderen Fall eine „Maßnahmenbeschwerde“ (gegen die Polizei), eine „Richtlinienbeschwerde“ (gegen Behörden, die im Verdacht stehen zu diskriminieren), man will „die Rechten stoppen“, den „Verhetzungsparaprafen“ aktivieren, „hate speech“ im Internet eindämmen. Dass man mit der obskuren „Gleichbehandlungsanwaltschaft“ zusammenarbeitet wirft dann wieder ein extrem schlechtes Licht auf ZARA, besteht dieser Verein im Bundeskanzleramt doch aus ausschließlich weiblichen Mitarbeitern, die keinen Mann zulassen. Man wamst auch fröhlich an das BVT, indem man der Ansicht ist, dass eine Behördenzusammenarbeit für einen Verein gut ist. In Wahrheit ist es das Gegenteil von unabhängig.

Aus diesem Grund ist „ZARA“ selbst sehr oft Zielscheibe von Angriffen und so macht der Prozentsatz jener dokumentierten Fälle des Jahres 2010 auch 4% aus, die den Verein selbst als Angriffsfläche betrachten.

Im folgenden zwei Auszüge, welche Fälle man dokumentiert. Der „Rassismus“ richtet sich bidirektional aus: Einmal gegen einen Österreicher, einmal gegen einen Afrikaner. In Summe sind 104 Fälle im Report 2010 erfasst.

Fall Nummer 5:

Herr A. ist Österreicher. Im Mai geht er gegen 17 Uhr durch den Kongresspark im 16. Wiener Gemeindebezirk. Da es regnet, stellt er sich bei einem Pavillon unter. Aus einer Gruppe von etwa acht Jugendlichen, die sich auf Türkisch unterhalten, kommen zwei etwa 20 Jahre alte Burschen auf ihn zu. Ohne dass es zuvor zu einem Gespräch kommt, bezeichnen sie Herrn A. als „Scheiß Österreicher“. Der Platz gehöre Ihnen und er solle verschwinden. Da Herr A. einer Konfrontation ausweichen will, geht er weiter. Herr A. erstattet keine Anzeige, da dies seiner Meinung nach nichts bringe. Als er sich an ZARA wendet, wird ihm angeboten, den Fall an den zuständigen Bürgerdienst weiterzuleiten. Herr A. ist damit einverstanden. ZARA leitet den Sachverhalt wie besprochen weiter und erhält die Antwort, dass das zuständige „FairPlay-Team“ für den 16. Wiener Gemeindebezirk der Angelegenheit nachgehen wird. Zu Redaktionsschluss gibt es diesbezüglich keine Rückmeldung.

Fall Nummer 6:

Herr X. ist mit einer Frau äthiopischer Herkunft verheiratet, sie haben eine vier Jahre alte Tochter. An einem Samstag im April unternehmen sie gemeinsam mit einer Freundin der Tochter, die ebenfalls äthiopischer Herkunft ist, eine Fahrt mit einem Ruderboot auf einem Teich im Wiener Prater. Am Ufer vertreiben sich vier Jugendliche im Alter von etwa 12-16 Jahren die Zeit und rollen kleine Baumstämme ins Wasser. Als die Jugendlichen Herrn X. und seine Begleiterinnen entdecken, rufen sie: „N…[*]!“ und werfen mit Steinen nach ihnen. Herr X. rudert rasch außer Reichweite, woraufhin die Jugendlichen bald aufgeben und weitergehen. Herr X. meint, dass er die Situation nicht durch einen Polizeianruf „dramatisieren“ wollte, ersucht jedoch ZARA um Dokumentation des Vorfalls.

+++

DOWNLOAD des gesamten „Anti-Rassismus Report 2010“ über die Webpräsenz des Vereins ZARA – hier. (Dokumentengröße: 6.07 mb)

Marcus J. Oswald (Ressort: Aus den Vereinen)

GIS Webseite gehackt – Anonymus

Posted in Cybercrime by sicherheitwien on 23. Juli 2011

(Wien, im Juli 2011) Der Linksradikalismus ist auf dem Vormarsch. Was man in Österreich gar nicht mitbekam, konnte man im „Profil“ vor zwei Wochen auf einer zusammenfassenden Berichtsseite nachlesen: In Deutschland fliegen seit einem Jahr Molotow-Cocktails in Wachzimmer. Polizeiwägen gehen in die Luft und Steine fliegen ebenso.

Es gab in den 80ern einen alten Satz: „Es ist gefährlicher für den Staat als gegen den Staat zu arbeiten.“

Sämtliche Hackangriffe der letzten Wochen sind ein Aufkeimen linksradikaler Strömungen, weil sie die Institutionen angreifen. Und zwar nicht im Stromnetz, im Gasnetz, sondern im Informationsnetz. Das ist eine Reaktion auf das stete Aufrüsten der Polizei mit staatlichen Mitteln und Personal. Wäre man in den USA könnte man vorschnell das Wort „terroristischer Angriff“ bemühen. Auch ohne das grausige Wort: Es liegt ein Angriff gegen Institutionen und Bürokratie vor, da „Guerilla-Kampf“ und „Medien-Guerilla“ immer ein Kampf vor und hinter den Feindlinien ist. Assymetrisch, überraschend, geplant, offensiv wie defensiv.

Man kann die letzten Angriffe in Österreich als Test und Vorglühen sehen. Bisher gab es sechs Attacken. Es begann so:

Ende Juni 2011 wurde die St. Pöltner SPÖ gehackt. Die lokale Partei stellt den Bürgermeister in einer Stadt, die zwar einwohnerseitig unter den Top 10 Österreichs ist, aber nur 60.000 Bewohner zählt. Die lokale Webseite der SPÖ wurde betreten. Danach eine Liste mit rund 500 Namen aus dem Dunstkreis der Partei irgendwo online gestellt. Man muss nach solchen Aktionen etwas suchen. Dann findet man es auch. Die Erkenntnis ist: Interessant, welche Personen im Dunstkreis der SPÖ Sankt Pölten arbeiten. Bei manchen hätte man das nicht gedacht, da sie gerne Parteifreiheit vorschützen. Im Sinne des Profilings und der politischen Arbeit sind solche Offenlegungen hochinteressant. Sie dienen der Transparenz im Staate Österreich.

Dann kam der 1. Juli 2011. Es ging Schlag auf Schlag. Erst hing die Zentralwebseite der Bundes SPÖ im leeren Raum. Ein blaues Pony, einige Passwörter waren online und die SP-Seite nicht erreichbar. Ein erster Angriff startete an diesem Tag auch auf die Konkurrenzpartei FPÖ. Er war fürs erste halbherzig. Die Seite hing, hing sich aber nicht auf. Die FPÖ dementierte geschickt und nichtssagend. Eben, dass die Sicherheitsstricke hielten, obwohl die Zentralwebseite der FPÖ mehrere Stunden ins Nirwana geschossen war. Gründe gab es für die Aktivisten Anon Austria genug. Es scheint wie früher zu sein. Vor dreißig Jahren gab es eine Attacke, dann einen Brief der Baader-Meinhoff-Gruppe an die Agentur Reuters. 2011 ist das so: Man ruft anonym bei der APA an oder sendet ein Statement am Portal „Pastebin“ aus.

Am 9 .Juli 2011 gaben Hacker die Öffnung eines Handies bekannt, das der FPÖ gehörte. Über Wege kamen einige Telefondaten (Geheimnummern) an die Öffentlichkeit, wenngleich sich beide Seiten distanzierten. Straches Partei, dass ein Hacking stattfand. Vielmehr wurde das Telefon als „gestohlen“ von der FPÖ bezeichnet. Telefonnummern wurden angeblich veröffentlicht. Wo, fand dieses Journal nicht heraus.

Am 11. Juli 2011 bekam Strache die Retourkutsche für seine Bezichtigungstour auf „Facebook“, wo er einen gänzlich Schuldlosen des Telefondiebstahls bezichtigte. Das Netzwerk der Hacker und Cracker agiert nach altbiblischem Muster: So wie Du mir, so ich Dir. Aug um Aug, Zahn um Zahn. Die FPÖ Webseite wurde komplett geentert. Die Startseite zierte ein blaues Pony. Einen ganzen Tag war die Seite online.

Und am Freitag, den 15. Juli 2011 war sein Schicksalstag und seine private Seite hcstrache.at in die Knie gedrückt. Diese blieb optisch unverändert, es war eher eine DDos-Attacke und Denkzettel, dass sich ein Politiker, egal wie viele Leute hinter ihm stehen, nicht alles erlauben kann. Zum Beispiel Verleumdung Schuldloser, weil es die Parteiraison so will.

Bis dahin waren die Attacken nicht eindeutig linkspolitisch definierbar. Denn die SPÖ wurde auch ins Visier genommen. Möglicherweise war das aber Augenauswischerei und Ablenkungsmanöver. Es gehen bislang alle Volten der anonymen Hacker gegen das Großkapital, Großinstitutionen und solche Einrichtungen, die diese Großeinrichtungen schützen und immer größer werden lassen. Wenn man so will, ist das Hacken Ersatz für die zunehmend abflauenden Straßendemonstrationen der 10er-Ära gegen die Globalisierung. Diese Bürgerproteste gegen vormals G7- und heute unübersichtliche G20-Gipfel stagnieren, Verbände wie Attac schmelzen, andere Gruppen haben sich zurückgezogen oder aufgelöst. Der Nazi-Satz, umgelegt auf die gute Sache, „Heute gehört Dir die Straße, morgen die ganze Welt“, gilt nicht mehr. Es wurde der Rückzug vom Staub der Straße auf die Datenautobahn.

Gegen rechte und systemstützende Einrichtungen

Die österreichischen Hacker, wenn es denn Österreicher sind und nicht Deutsche, gehen vorrangig auf rechte Einrichtungen des Staates ein. FPÖ, der Parteiführer, Polizei, Justiz. Das Modell ist das alte RAF-Modell, gewandelt. Nicht mit Bomben und Granaten, sondern mit chirurgisch sauberen Schnitten, so wie man es von den USA in diversen Nahostkriegen audiovisuell vorgelebt bekam. Man macht sich die Hände nicht mehr schmutzig, sondern sammelt Daten über die, die ein fehlgelagertes System stützen. Damit trifft man diese Personen im Mark, an ihrer Wohnungstür, mit Name, Adresse, Hausnummer, Türnummer, Telefonnummer (auch noch so geheim), Email, Sozialversicherungsnummer, Bankdaten.

Damit eskaliert gleichzeitig ein Konflikt zwischen Individuum und Staat. Die Alte Losung war: Gesellschaftskritik in geordneten Bahnen, aber keine brennenden Paläste. Die Gratwanderung ist gelebte Demokratie. Prinzip zwei: Die Polizei hat selten Recht, weiß oft gar nichts, nimmt sich aber alle Rechte. Diesem Vorrecht will widersprochen werden.

Internationale Ebene radikaler

Auf internationaler Ebene geschah indessen im Juni und Juli viel mehr: 90.000 Daten aus einem militärnahen Betrieb der USA (Booz Allen Hamilton) gestohlen. Davor wurden 1 Million Daten von Sony gezogen. Am 15. Juli 2011 wurden angeblich 24.000 Datensätze aus dem Herz des Verteidiungsministeriums Pentagon entwendet. Am 21. Juli 2011 wurde bekannt, dass ein kleiner, aber immerhin 1 GB dicker Datenordner (entspricht 700 Büchern) aus dem NATO-Hauptquartier gefischt wurde.

Alle diese Aktivitäten gipfeln in die Mutmassung, dass die lose Gruppe „Anonymus“ der Hauptlieferant von „Wikileaks“ war. Da Wikileaks leider nur mehr unter „ferner liefen“ noch irgendwo erreichbar ist, aber praktisch nicht mehr existiert, mündet es in die zweite Mutmassung, dass in der nächsten Zeit ein neues „Wikileaks“ von der Anonymus-Gruppe eröffnet wird. Und zwar nicht so eines wie es Domscheit-Berg in bravdeutscher Manier mit Monatsabo, Vollregistrierung, Connecten zu arrivierten Medien aufbauen will, was für die Internetgemeinde eher abgeschmackt klingt, sondern ein neues, lesbares schwarzes Datenloch auf einer Zentralwebseite. Die Mutmassung könnte stimmen, da in den letzten sechs Monaten sehr viele Fischzüge PR-seitig publik gemacht wurden, sodass der Ruf erklingt, das alles gebündelt sichtbar zu machen.

Gebühren Inkasso-Stelle des ORF gehackt

Österreich hat mit dem Ganzen nur am Rande zu tun. Dann kam der 22. Juli 2011 und ab nun mischt auch Österreich wieder mit. 211.695 Datensätze sollen Hacker aus der „Gebühren Informations Service“ (GIS) entwendet haben. Wie bei jedem Fischzug braucht es einen Beweis, der sichtbar gemacht wird. Dieser Beweis waren – so will es die Angriffsmethode – Daten- und Denkzettel. Das erfolgt diesmal nach der Frontalmethode, die sehr deutsch klingt: In Deutschland gab es immer die „schwarzen Listen“ und die Methode der „Gegenspionage gegen die Exekutive“. Auf diesen Listen sind Polizisten. Angelegt von Bürgern.

Als die bei vielen verhasste GIS gehackt war, gingen die Aktivisten gezielt mit zwei Blättern Material zu den direkten Gegnern und damit an die Öffentlichkeit hinaus: Zwei Listen mit Mitarbeiten der Polizei und des Innenministeriums. Diese haben irgendwann einmal als rechtstreue, systemrelevante Bürger ihre Datensätze geändert (neue Telefonnummer, neue Adresse, etc.) und wurden sofort in eine eigene Liste erfasst. Mit diesem Pfand will Anonymus zeigen: Vorsicht. Es hat einen Sinn, der Sinn ist zu prüfen. Das Gesetz ist weniger wichtig als die Änderung des Gesetzes. Damit ist man beim alten Denkmuster von „checks and balances“, dem Gleichgewicht des Schreckens. Wohl hat der Staat noch das Monopol auf Bewaffnung, aber er hat derzeit offensichtlich kein Monopol mehr auf die Information an sich.

Psychologische Kriegsführung

Schnelldienste wie Twitter, Facebook, Foren und Blogs greifen den dicken Panzer des Staates von mehreren Seiten an und er weiß nicht mehr, wo er sich zuerst verkehrt herum kratzen soll. Läuft die Info via Twitter, kann man das löschen. Bei Facebook hat sich der österreichische Staat bereits infiltriert und überwacht das Geschehen laufend. Die Fülle der Foren laufen großteils anonym und wurden Linkungeheuer, die Info-Brocken mit Feuerzungen hinausspucken. Die Blogs sind meist gesitteter, flechten das Gesamtgeschehen aber mit ruhiger Hand zu einem großen Bienenkorb, den man zu Dekozwecken bei „Google“ in die Auslage stellt.

Am 22. Juli 2011 war die Webseite des verhassten GIS mausetot. Das blaue Pony von Anonymus war eingeritten.

Dennoch sind die Aktivitäten von wem auch immer, Anonymus ist nur eine Fackel, die durchgetragen wird, im Vergleich zu internationalen Großaktionen, harmlos. Was wurde bisher seit Ende Juni attackiert? SPÖ-St. Pölten (500 Daten und Passwörter transparent gemacht), FPÖ-Seite zentral (Erstangriff), ein FPÖ-Telefon (Daten auslesen), FPÖ-Seite zentral (Zweitangriff, verändert), SPÖ-Seite zentral (Erstangriff, verändert) und nun GIS (angeblich 211.000 Datensätze von über 3.5 Mio durchs Nadelöhr gezogen, davon möglicherweise 96.000 mit Kontodaten). Das alles ist trotzdem nicht der ganz große Schlag.

Das Bundesrechenzentrum BRZ ist das Rückgrat der Nation, es hat 700 Einzel-Computeranschlüsse. Sicherheitsstufe 3 für Mitarbeiter. Über das BRZ läuft die gesamte EDV der Republik, der elektronische Postweg aller Behörden und Gerichte. Oder: Die Wiener Firma „Silver Server“ hostet über ihre einzigartigen, unterirdischen Glasfaserringe durch Wien die Webseite der Nationalbank. Auch darauf gab es keine Angriffe.

Insoweit geht weniger Radikalität von Österreich aus als von deutschen und internationalen Aktivisten. Die Österreicher sind eher Trittbrettfahrer im großen Sog (Amazon, Postbank, US-Army, Wikileaks). Dennoch wollen sie sich profilieren und Kanten zeigen. Man darf gespannt sein, ob es bald wieder einen Schlag gegen eine Institution gibt, oder ob sich die Hacker nach dem Beweis ihres Könnens zurückgezogen haben.

+++

Das Blaue Pony als Symbol der Anonymus-Austria Gruppierung:

+++

update (25. Juli 2011):

„Interview“ mit Anon Austria (link)
Schriftliches Ultimatum an GIS – Deadline 25. Juli 2011, 18 Uhr (link)
Schriftliche Reaktion der GIS – 25. Juli 2011, 13 Uhr 19 mit Eingeständnis des Volumens (link)

Marcus J. Oswald (Ressort: Cybercrime)

Stresstest Polizei verlief positiv, nur rund zehn Prozent ausgebrannt

Posted in Bundeskriminalamt, Personal by sicherheitwien on 15. Juli 2011

(Wien, im Juli 2011) Einer Belastungsstudie zu Folge steht es um die Polizeibeamten in Österreich gut. Das Ergebnis wurde am 13. Juli 2011 vom Innenministerium in Wien vorgestellt. Die Studie sollte untersuchen, ob bei Beamten der Inneren Sicherheit Ausgebranntheit, modern, ein „burn out“ vorliegt. Die Sicherheitsakademie (SIAK) hat die polizeiinterne Analyse an 1.227 Polizisten (87 Prozent männlich) per Fragebogen nach sozialwissenschaftlichen Kriterien Anfang 2009 begonnen und nun abgeschlossen. Aus dem Rücklauf von 60 Prozent wurde eine Wahrscheinlichkeit auf alle Polizisten errechnet. Die Uni Graz und Uni Innsbruck prüften die Modalitäten.

Da die Studie nicht veröffentlicht wurde, sondern nur das Ergebnis, sind die Kriterien der beiden Fragenkataloge (einer nach „Arbeitsbelastung“, einer nach „Emotionale Stabilität“) nicht bekannt. Ein Unterschied zwischen Stadtpolizei und Landpolizei (regionale Differenzierung) wurde nicht gemacht. Das Durchschnittsalter aller Getesteten beträgt 40,5 Jahre.

30-41 Prozent der Polizisten fühlen sich gestresst

Das Ergebnis: 30 Prozent (Prüfmerkmal Arbeitsbelastung) bis 41 Prozent (Prüfmerkmal Emotionale Stabilität) aller Probanden sind „gestresst“ durch den täglichen Beruf im Paragrafendschungel und an der Front zum Menschen und seinen differenzierten Interessen.

5,6 Prozent (Prüfmerkmal Arbeitsbelastung) bis 10 Prozent (Prüfmerkmal Emotionale Stabilität) haben kritische Anzeichen nach „Ausgebranntheit“ (burn out), wobei ein statistischer Überhang bei den Männern gegeben ist. In Zahlen wären das 1.700 bis 3.000 Polizeibeamte, durchmischt aus allen Bereichen, also auch jene der Verwaltung (wo 10.000 Personen arbeiten).

59-61 Prozent der Polizisten sind topfit

Man kann die Studie auch anders lesen, nämlich positiv. Die gute Nachricht ist: 59 Prozent (Prüfmerkmal Emotionale Stabilität) bis 70 Prozent (Prüfmerkmal Arbeitsbelastung) weisen keine Belastungssymptome auf. Man kann sagen: 60 Prozent der Beamten sind fit. 30 Prozent sind geschlaucht. 10 Prozent sind fix und foxi und sollten eigentlich aufhören, sich etwas anderes suchen oder zum Psychologen.

Einfach gesagt: 60-30-10 sind gute Werte. Diese sind in kaum einem Großunternehmen vermutlich so gut gelagert: Zwei Drittel ziehen das Werkl, mehr als ein Viertel läuft gut mit und ein Zehntel muss mitgezogen, durchgetragen werden, weil sie keine Kraft mehr haben.

Eine Teamwork-Analyse ergab ferner, dass “94% der Befragten“ mit dem Teamgeist zufrieden sind. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, steht Kameradschaft ähnlich wie beim Militär ganz oben auf der Liste der Anforderungen. „Corpsgeist“ ist in der freien Wirtschaft so gut wie überhaupt nicht als „soft skill“, als soziale Begabung, gefordert.

94 Prozent sehen Teamkompetenz gut

Bei Einrichtungen der Inneren (Polizei) und Äußeren Sicherheit (Militär) stehen im Unterschied zur Wirtschaft das teamorientierte Arbeiten im Vordergrund. 94 Prozent, durch alle Alterstufen 21 bis 66 Jahre, bringen im österreichischen Polizei-Stresstest zum Ausdruck, dass ihnen das Arbeitsmodell im Team unter dem Arbeitsziel das Staatsganze zu sichern („Ruhe und Ordnung“ bei Polizei; „Feindabwehr von Außen“ bei Militär), schmecken. „94 Prozent der Polizisten sind zufrieden mit dem Teamwork“, so Claus Polndorfer von der Leitung Psychologischer Dienst im Innenministerium bei der Präsentation der Ergebnisse in Wien.

Die Polizeigewerkschaft ist mit dem Ergebnis unzufrieden. Das war zu erwarten, ist es doch ureigene Aufgabe der Gewerkschaft Mehr zu fordern. Würde man eine flächendeckende Umfrage unter 300.000 Beschäftigten der Textilindustrie machen, würde man ebenso feststellen, dass dort auch nicht alles in weiche Wolle gewickelt ist.

Gewerkschaft: Methode „nicht vertrauenswürdig“

Der Polizeigewerkschafter Walter Scharinger hängt seine Kritik am „Stresstest Polizei“ an einem Methodenfehler auf: Es fehlt in der Studie die Bundesländerunterscheidung, wodurch Wien nicht heraussticht und demnach kein Unterschied zwischen einem burgenländischen Polizisten und einem Wiener vorliegt. In Wien sieht Scharinger den „Burn Out“-Wert zumindest doppelt so hoch wie in den Regionen mit weniger Menschenmassen und besserer Luft.

„Diese Studie ist für uns nicht vertrauenswürdig“, sagt der Gewerkschafter. Sie sei ein „Kunstprodukt“, weil sie vom Innenministerium (SIAK) und von keiner unabhängigen Einrichtung gemacht wurde. Er wirft seinem Ministerium vor, dass man sich dort die Zahlen schöner herrichtet, als sie sind. Außerdem habe man eine Salzburger Erhebung aus dem Vorjahr ignoriert und auf den Kopf gestellt, die seitens der Polizeigewerkschaft das düstere Bild ergab, dass ein Viertel (23%) ausgebrannt sei. Der sprunghafte Anstieg an Gesundeten innerhalb eines Jahres sei nicht erklärlich. Dem wäre – klare Folge – nur durch Arbeitskreise (Sozialmediziner) und natürlich Personalaufstockung zu behelfen, was auch der zentrale Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger fordert.

Ministerium: Gesundes Unternehmen Polizei

Vergessen wird beim politischen Hickhack um die Frage, wer das größere oder größte „Burn Out“ hat und wie gesund oder siech ein 30.000 Mitarbeiter-Unternehmen Polizei ist, der Umstand, dass das Polizeibudget kontinuierlich steigt. Die vormalige Innenministerin ließ es bis 2014 ordentlich hinaufstufen (auf 2.5 Milliarden Euro) – und wird es als Finanzministerin nicht zurücknehmen. Zudem ließ sie einen 57-Punkte Plan ausarbeiten, an dem sicher munter gearbeitet wird. Es gibt genug zu tun, als über das eigene Unwohlsein zu jammern.

Damit eignet sich der am 13. Juli 2011 vorgestellte psychologische Stresstest nur für das Sommerloch der Boulevardzeitungen. Das Ministerium unter der neuen Innenministerin Mikl-Leitner zieht aus dem Ergebnis den Schluss, dass die Polizeitruppe gesund und nicht siechend ist. Das stimmt. Denn der Faktor 60-30-10 würde kaum von einem anderen Unternehmen erreicht werden. Wie sonst, gerechnet auf 4,3 Millionen Erwerbstätige, könnten rund 900.000 Depressive am Markt frei herumlaufen. Das ist der stets genannte Richtwert für Österreich. Zur Entschuldigung: Für diesen Wert gibt es keine Studie. Es sind gefühlte Werte der Lobbystellen wie Ärztekammer und einschlägiger PR-Agenturen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundeskriminalamt, Personal)

Wiener Sicherheitstagung widmet sich modernen Medien – Vorschau

Posted in Seminar, Termindienst by sicherheitwien on 30. Mai 2011

Das Kuratorium Sicheres Österreich richtet in Partnerschaft mit dem Innenministerium einen Fachkongress zu Neuen Medien und der Bedrohung, die von ihnen ausgehen kann, aus. (Bildmarke: Reed Messe)

(Wien, im Mai 2011) Der bärtige und langjährige Chef der Reed Messen, Johann Jungreithmair, sagte kürzlich in einem Medienfachmagazin fast wörtlich (wörtlich wird nachgereicht), dass er Facebook für komplett überschätzt und für Kinderspielzeug hält. Was zähle sei der tatsächliche, persönliche Kontakt.

Das ist unterhaltsam, weil derselbe Johann Jungreithmair, der die Geschicke der Reed Messe schon über zwei Jahrzehnte erfolgreich lenkt, nun am 31. Mai 2011 am Wiener Messegelände einen Sicherheitskongress abhält.

Wahrscheinlich ist es deswegen schon über zwanzig Jahre Chef der Reed Messe: Weil persönliche Meinung und Markt nicht immer eins sein müssen. Dass „Facebook“ das wahrscheinlich „größte Spionage-Tool“ (copyright: Julian Assange) ist, das je erfunden wurde und allein zu dem Zweck erfunden wurde, um die Bild-Datenbank der CIA zu füllen, ist die eine Seite. Dass die Leute derzeit im Jahr 2011 ganz aufgeregt genau darüber sogar auf Messen diskutieren, ist das andere. Daher lädt Herr Jungreitmair in seine Räumlichkeiten, die das KSÖ (Kuratorium Sicheres Österreich) gemietet hat.

Der Kongress ist für Zuhörer kostenlos, der Eintritt ist frei. Beginn ist um 14 Uhr, Ende um 18 Uhr 30.

Minister, Experten, Generäle

Das Programm sieht so aus, dass die vormalige niederöstereichische Soziallandesrätin und frischgebackene Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ein Eröffnungsreferat halten wird. Sie sagte am 26. April 2011 in einem Interview der „Niederösterreichischen Nachrichten“, dass sie das Innenressort in der Tradition Liese Prokops führen wolle. Also „mit Fingerspitzengefühl“.

Danach referiert ein EUROPOL-Mann eine halbe Stunde über „Cyber Crime“, dann der Wiener Uni-Professor Christian Stadler eine halbe Stunde über „Virtuelle Sicherheit“. Nach einer Pause starten drei Fachgruppen mit ihren Vorträgen von 16 Uhr bis 17 Uhr 30. Danach Zusammenfassungen der Ergebnisse und ein Abschlussreferat von Bundeskriminalamts-General Gerhard Lang über „Trends und Herausforderungen für die Zukunft“.

Das Programm zur Gänze auch hier (pdf, 495 kb)

Marcus J. Oswald (Ressort: Termindienst, Seminar)

%d Bloggern gefällt das: