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Profiler Thomas Müller wirft im Bundeskriminalamt das Handtuch

Posted in Bundeskriminalamt, Personal by sicherheitwien on 20. Januar 2005

Im Fadenkreuz - Thomas Müllers Veranstaltungen werden auf Stromkästen an Wiener Straßenkreuzungen aktiv beworben.
(Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im Jänner 2005) Der 40-jährige Kriminalpsychologe des Innenministeriums, Thomas Müller, wirft im Bundeskriminalamt (BK) das Handtuch. Er wechselt in die Sicherheitsakademie (SIAK), wo er künftig Nachwuchs ausbildet. Der Wechsel erfolgt laut Innenministerium „auf eigenen Wunsch“. Er wolle „mehr Zeit für Forschung und seine Vorträge“ haben.

Der ehemalige Streifenpolizist aus Tirol, der Psychologie studiert hat, machte sich durch eigenständige Forschungsarbeit in der Täter- und Verhaltensanalyse einen Namen. Mit Expertisen zu großen Fällen wie Jack Unterweger und Franz Fuchs wurde er in der Öffentlichkeit als Kriminalpsychologe und „Profiler“ bekannt. Zugleich wuchs polizeiintern Kritik, dass er mit Dienststellen wenig kooperiere. Diese brisante Frage will Müller nicht mehr kommentieren.

Kripomann mit Vertrag bei Kabarettagentur

Er will sich nun auf Bühnenauftritte konzentrieren. Schon während der Tätigkeit im Bundeskriminalamt (BK) war er viel in Funk und Fernsehen zu hören (Ö3-Frühstück bei mir im September 2004, ORF-TV – Bei Stöckl im Oktober 2004). Seit geraumer Zeit steht er – trotz Tätigkeiten im sensiblen Bundeskriminalamt – bei Österreichs größter Kabarett- und Künstleragentur, Hoanzl, unter Vertrag (die auch Josef Hader, Erwin Steinhauer, Grissemann/Stermann, Andreas Vitasek, Michael Mittermeier und Heinz Marecek vertritt).

Alles in allem: Lukrative Nebengeschäfte für einen Kriminalbeamten. Manchen Beamten war das Dorn im Auge.

Im Herbst 2004 erschien sein lange angekündigtes Sachbuch „Bestie Mensch“ in der kleinen Edition ecowin der schlagkräftigen Topakademie Salzburg. Zuvor waren Vertragsverhandlungen mit Österreichs größtem Verlag, Ueberreuter, wegen unterschiedlicher Honorarvorstellungen gescheitert.

Das autobiografisch getönte Buch hält derzeit die 6. Auflage. Es steht ganz in der US-Tradition anekdotischer Kriminalgeschichtsschreibung und ist stilistisch an Megaseller der „FBI-Literatur“ wie „Ich jagte Hannibal Lecter“ (1992) von Ressler/Shatchman oder „Die Seele des Mörders“ (1995) von Douglas/Olshaker angelehnt.

Im Jänner 2005 startete dann auf ZDF die dreiteilige Doku-Serie „Maske des Bösen“ (1. Teil: 11. Jänner 2005, 22 Uhr 45), die nach seinem Buch „Bestie Mensch“ gestaltet wurde. Er war am Gipfel der Popularität angelangt.

Bühnenmagier vor ausverkauften Rängen

Fortsetzung findet auch Müllers publikumswirksame Vortragsreihe „Theatertäter“, ein Rundgang durch die Theatergeschichte unter besonderer Berücksichtigung kriminalpsychologischer Verhaltensauffälligkeit. Mit dem Show-Programm auf offener Bühne hat der Wahlwiener eine Marktlücke entdeckt. Er füllt die Säle, wo er auftaucht. Das ist kein Wunder, denn er beherzigt Grundlagen des Marketings: Zeige, was Du machst und sprich offen darüber! Tu es wie ein Magier: Verrate nie die Tricks!

Mittlerweile arbeitet ein ganzer Stab für ihn: Seine Veranstaltungen werden auf öffentlichen Werbeträgern in den Städten gut sichtbar affichiert, wobei auch Wildplaktierer an Straßenkreuzungen in Anspruch genommen werden. Das ist für einen Ordnungshüter ungewöhnlich.

Doch Thomas Müller ist ein ungewöhnlicher Ordnungshüter: Zu Sylvester 2004 bespielte der umtriebige Polizist das Wiener Museumsquartier gleich zu drei (!) Terminen. Mangel an Stehvermögen und Professionalität kann man dem Profiler gewiss nicht vorwerfen.

Marcus J. Oswald (Bundeskriminalamt, Personal)

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