Ruhe und Ordnung – Das Sicherheitsmagazin

Polizei niederschwellig – Türen offen

Posted in Polizei Wien, Termindienst by sicherheitwien on 13. September 2011

In der Rossauer Kaserne wird derzeit umgegraben. Bis 2012 soll dort für die Polizei eine moderne Tiefgarage mit Stromtankstellen entstehen. Am 17. September 2011 ruhen die Krallen der Caterpillar. Es ist Tag der Offenen Tür der Wiener Polizei: Es spielt das Polizeimusikorchester unter der Leitung von Ernst Zehetner. (Foto: Plakat)

(Wien, im September 2011) Zur Polizei haben viele ein unterschiedliches Verhältnis. Die Leser des Readers Digest zum Beispiel bewerten die „Polizei“ regelmäßig gut. Diese Umfragen dringen dann nach Außen und werden von der Pressestelle der Wiener Polizei mit Genuß in einer Aussendung verwertet. Dabei wundert man sich, dass es den Readers Digest überhaupt noch gibt. Und deren Leser.

Andere stehen zur Polizei nicht gut. Die Tierschutzaktivisten des VGT werden laut eigenen Angaben nach wie vor telefonberwacht. Bei einer jüngsten Demonstration, die schlagartig die Route änderte, griff die harte Truppe der Wega ein und „räumte die Demo“. Im Anschluss mussten alle Mitgeher Ausweisleistung machen. Man kann sagen, dass diese Gruppen eher den Satz von Ulrike Meinhof unterschreiben würden, die da einst auf ihre sympathische Weise sagte (am 15. Juni 1970): „Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine. Wir sagen, der Typ in Uniform ist ein Schwein, kein Mensch. Und so haben wir uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden.“ Sie fügte in diesem legendären Nachdruck eines Tonbandgesprächs hinzu: „Und natürlich kann geschossen werden.“

Mit der Polizei ist es so eine Sache. Im Grunde genommen ruft sie jeder, wenn er in einer Notlage ist oder sich in einer undurchsichtigen Lage vermeint. Zum Beispiel: Wenn man in der Nacht etwas wahrnimmt. Damit und mit diesem Schritt delegiert man zweierlei an Fremde: Eigenverantwortung und Zivilcourage. Es ist stets einfach einen „Polizeinotruf“ zu wählen und fünf Minuten zu warten, bis vielleicht eine Polizeistreife kommt. Komplexer ist es, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Doch man ist bequem und deshalb gibt es die Polizei, die derzeit das größte Nachkriegsbudget in Österreich seit Bestehen hat.

Linear-vertikale Organisation

Grundlegend ist die Polizei ein Uniformbetrieb oder wie man es anders auch nennt: Eine linear-vertikale Organisation. Rang und Namen sind gekennzeichnet, Uniformen gleich. Zivilisten haben kaum Einfluss auf eine linear-vertikale Organisation. Man bleibt unter sich. Das erzeugt mitunter das Fremdeln bei Teilen der Bevölkerung. In autokratischen Zeiten (Ständestaat 1934-38, Drittes Reich 1938-45, Besatzungszeit 1945-55) war die „Polizei“, nebenbei gesagt, immer die erste Einheit, die zur Stelle der Mächtigen war. Das Fremdeln baut sich in letzter Zeit wieder ab. Man schreibt 2011.

Mit der Zunahme von NGO-artigen Vereinen wie dem „Kuratorium Sicheres Österreich“ (KSÖ) oder niederschwelligen Zeitschriften wie „Polizei“, „Öffentliche Sicherheit“, „Die Kriminalisten“, „kripo.at“ oder „Kriminalistik“ (ein deutsches Fachblatt) und eine Neuausrichtung der Wiener SIAK (Sicherheitsakademie) in den letzten zwei Jahrzehnten baute sich das Monolithische etwas ab. Wer diese Zeitschriften und Veranstaltungen nur ansatzweise regelmäßig durchblättert und aufsucht, merkt, dass es im Polizeibetrieb viele erwachsene, politische, analytische Köpfe gibt, die sich der langen Geschichte des Polizeibetriebes bewusst sind und die es – durchaus selbstkritisch – immer wieder neu formulieren und durchdenken.

Die schlechteste Polizei ist eine mit allergrößten Kompetenzen. Das ist kein geflügelter Satz von irgendeinem Prominenten, sondern einfache Wahrheit. Eine Polizei hat theroetisch unendlich viele Maßnahmenmöglichkeiten und einen Satz voller Sanktionen im Verwaltungs- und Sicherheitspolizeibereich. Diese Gesetze werden laufend geändert und erweitert, kaum einer überblickt sie. Die schlechteste Polizei ist eine mit absolutem Durchgriffsrecht. Gerade in autokratischen Staaten (etwa auf der südlichen Halbkugel der Welt) mit simplen Erlässen ist die Polizei Dienerin der Macht und gefällt sich in dieser Rolle. In einer pluralen Demokratie wie Deutschland, Schweiz oder Österreich ist die Polizei mit weit vielfältigeren Aufgabe konfrontiert.

In 3 D-Zeiten Gummiwurscht abgeschafft

Wer Demonstrationen, gleich welcher Gruppen in Wien, mag, stellt fest, wie sattelfest in diesem Punkt die Wiener Polizei geworden ist. Stand bei „Opernball-Demos“ Anfang der 1990er Jahre bei Wiener Polizeibeamten die Gummiwurscht auf halb Sechs, also griffbereit zum Einsatz, wurde in diesem Punkt der verfassungsmäßigen Versammlungsfreiheit die Gummiwurscht komplett abgeschafft. Stattdessen wurde die sinnvolle „3 D“-Philosophie entwickelt, die da lautet: Dialog, Deeskalation, Durchsetzung. Es ist beeindruckend, wie diszipliniert sich Demonstrationsbegleiter der Polizei daran halten. Egal, ob Kurden für Özalan, Chilenen für ein besseres Bildungssystem (in Chile!) oder Iraner für Religionsfreiheit auf die Straße gehen. Und natürlich auch bei den üblichen typisch Wiener Brennpunkten wie Burschenschafteraufmärschen oder solche, die sich für Ferkel in Käfigen (Schweine) einsetzen.

Die Polizei in Wien hat viele Aufgaben und je höher der Rang, desto gebildeter und angenehmer der Polizist. Problematisch ist es im unteren Bereich wie in jedem Unternehmen. Hier gibt es in Wien den Bezirkspolizisten und solche der Sondereinheiten. Die einen sind die Praktiker, die anderen die Sportler. Eine eigene Abteilung ist die Kriminalpolizei mit ihrem Spitzeldienst. Am Sichtbarsten ist die Verkehrspolizei, die jeder kennt, weil Unfälle immer passieren. In Summe ist es schwer zu sagen, ob es eine Einheit wie „die Polizei“ überhaupt gibt. Und es ist auch schwer zu sagen, ob man die Polizei als System-Einheit der Gesellschaft mag oder mögen muss. Es gibt viele Unschärfen im Getriebe.

Es gibt im übrigen auch Menschen der Gesellschaft, die mit diesem Satz aufhorchen lassen: „Ich habe nie mit der Polizei zu tun.“ Das ist ein ganz interessanter Satz von diesen Menschen. Wer nämlich „nie etwas mit der Polizei zu tun hat“, lebt entweder völlig strukturangepasst, unsichtbar oder er nimmt „die Polizei“ nie Wahr. Er wird offenbar nie perlustriert, nie angehalten, fährt nie schwarz, kommt nie in ein Planquadrat. Der Autor dieser Zeilen verhehlt nicht, dass ihm solche Personen suspekt sind. Zu angepasst im Leben, heißt nichts. Man muss es nicht übertreiben – siehe Ulrike Meinhof im Zitat oben.

Polizei muss Reibebaum bleiben

Aber die Polizei solle stets ein Reibebaum sein, denn ihre Stellung in der Gesellschaft wandelt sich mit dieser und sie muss sich in ihren Kompetenzen stets aufs Neue hinterfragen, neu definieren und erfinden. Die Leitideen gibt ein Minister vor, praktisch umgesetzt werden sie in Österreich von 30.000 Mitarbeitern, alleine in Wien 11.000.

Am 17. September 2011 findet ein Tag der offenen Tür statt. Traditionell zeigt sich die Polizei an diesem Tag familienfreundlich, von der weichen Zuckerseite. Strategisch sind an einem solchen Tag viele Beamtinnen im Einsatz, weil auch für Kinder etwas geboten wird. Von den Diensthunden, Sandra Pires bis Rolf Rüdiger. Die Politik, die Diskussion, was die zweite Säule der Gesellschaft, die Exekutive, ist, was sie darf, was sie sein soll, bleibt an einem solchen Aktion-Tag im Innenhof der Rossauer Kaserne draußen. Es ist Zivilisten-Tag. Zivilisten haben in der Polizei nichts mitzureden.

Marcus J. Oswald (Ressort: Termindienst, Polizei Wien)

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August Baumühlner schrieb Ratgeber zu Ladendiebstahl

Posted in Bundespolizei, Detektive, Diebstahl, Polizei Wien by sicherheitwien on 5. April 2011

August Baumühlner (li.) ist als Polizist oft als Testdieb unterwegs und schrieb nun ein Buch zum Thema Ladendiebstahl, das im Verlag der Wirtschaftskammer herausgekommen ist. (Foto: Oswald, 2005)

(Wien, im April 2011) Mit einem Co-Autor (Roman Seeliger) schrieb der Leiter für Kriminalprävention im Landeskriminalamt Wien August Baumühlner einen Ratgeber zum Thema Ladendiebstahl.

Darin wird eine These aufgestellt: „Die wichtigste Maßnahme ist die Schulung der Mitarbeiter. Der falsche Ansatz ist, wenn Kaufhausdetektive so viele Ladendiebe wie möglich erwischen und im Namen der Unternehmen den Erfolg in der Bekämpfung allein darin sehen.“ Und weiter: „Schließlich ist jeder verhinderte Diebstahl – nicht nur für Kaufleute – besser als ein gelöster Kriminalfall. Der Unternehmer erspart sich nämlich vor allem eine Störung der Einkaufsatmosphäre.“

Riskante These

Das ist eine riskante und gewagte These: Sie will nichts anderes, als Prävention vor Verbrechensaufklärung reihen. Das ist zumindest der Denkansatz der beiden Autoren des Buches „Dauerthema Ladendiebstahl“, das nun im Verlag Service GmbH der Wirtschaftskammer Österreich erschienen ist (19 Euro).

Ganz durchdacht ist diese These nicht. Denn selbstredend werden Kaufhausdetektive deshalb engagiert, um Langfinger zu überführen. Begleitend wird natürlich das Verkaufspersonal – vor allem in größeren Supermärkten – zur Umsicht geschult. Doch im Alltag liegt es an der Fachkraft des Detektivs in Zivil, ob jemand überführt wird oder mit vollen Taschen nach Hause geht. Der Detektiv steht auch unter Erfolgsdruck.

Kein Einheitstyp

Die Hauptproblematik erkennen die beiden Buchautoren: „Den typischen Dieb gibt es nicht.“ Man kann ihn weder am Aussehen, Alter, Geschlecht, Herkunft oder Stand eingrenzen. Die Autoren sind überzeugt, dass Experimente mit dem Ziel, den typischen Ladendieb schon beim Betreten des Geschäfts zu suchen scheitern müssen, da man Gefahr läuft, Vorurteile zu aktivieren. Das kann zu Falschverdächtigungen führen, die künftige Kunden verprellen.

Charakterlich und psychologisch könnte man den Ladendieb sicher eingrenzen: Er ist entweder psychisch auffällig oder ausnehmend ruhig und selbstbeherrscht. Dann gibt es die Ausnahmen, dass nicht jeder Junki und nicht jede hysterische Mutter mit Kleinkind die Seitentaschen voll hat und auch nicht jeder Beamte im seriösen Auftritt das Risiko sucht und prüft wie schlau er ist. Der Weg zur Kassa führt durch ein Geschäft.

„Hot Products“ begehrt

Die Autoren meinen zu wissen, dass jedes Geschäft „Hot Products“ (heiße Produkte) hat. Sie meinen auch zu wissen, dass 80 % der Diebstähle auf 10 – 15% der Produkte fallen, die besonders begehrt sind. Hier ein aktuelles Beispiel aus der Praxis: Der Zielunkt-Supermarkt in der Rotenlöwengasse in Wien 9 hat seit März 2011 sämtliche „Red Bull“-Dosen aus dem Regal entfernt und nur noch unter dem Sitz der Kassa, weil extremer Schwund bei Red Bull war. Der Billa-Supermarkt in der Klosterneuburgerstraße in Wien 20 hat seit Februar 2011 sämtliche „Red Bull“-Dosen aus dem Regal entfernt und nur noch unter dem Sitz der Kassa. Gleicher Grund.

In Parfümerieketten (BIPA, DM) sind teure und kleine Parfüms begehrt, weniger heiß sind Müsliriegel. In Elektrofachgeschäften, vor allem Kleinfilialen, sind Digitalkameras nicht mehr so begehrt, weil der Preis verfiel, hingegen teure Handies. Kleinfilialen (Niedermeyer, Hartlauer) sind meist schlecht gesichert.

Tausende Milka-Schokoladen zum Weiterverkauf in Rumänien

Kürzlich wurde in Wien ein Rumänen-Trio verhaftet, das mehrere tausend lila „Milka-Schokoladen“ in der Wohnung hatte. Allesamt gestohlen und zum Abtrtansport nach Rumänien vorbereitet. Die Männer, die Ladendiebstahl gewerbsmäßig begingen, wurden sofort verhaftet!

Die Autoren Baumühlner und Seeliger haben eigene Gegenstrategien entwickelt. Im Mittelpunkt steht die Information des Mitarbeiters und seine begleitende Ausbildung.

  • Maßnahme 1: Personalschulung schafft Wissen und erhöht die Sicherheit. Schüren von Instikten ohne Schüren von Vorurteilen.
  • Maßnahme 2: Kunden immer direkt ansprechen und höflich nach Wünschen fragen. Baumühlner: „Gleichgültigkeit des Personals verleitet zu Diebstahl und verstimmt auch ehrliche Kunden.“ Oft erstickt die höfliche Ansprache die geplante kriminelle Tat im Keim, so der Präventionsbeamte.
  • Maßnahme 3: Mitarbeiter, die Inventurdifferenzen verringern, gehören prämiert und belobigt. Das motiviert für das nächste Mal.
  • Maßnahme 4: Informationen der Sicherheitsbehörden lesen! Falls es SMS-Dienste der Sicherheitsbehörden gibt, mitmachen.
  • Maßnahme 5: Videoüberwachung nur in Absprache mit Datenschutzkommission. Nicht alles ist filmreif (etwa: Umkleidekabine, auch nicht Gehsteige und anderes).

Mit Ex-ÖFB-Teamchef Johann Krankl könnte man sagen: „Wir haben keine Chance, aber diese wollen wir nutzen.“ Bekämpfung von Ladendiebstahl ist „schwierig, aber nicht unmöglich“, formulieren es die Autoren.

500 Millionen Euro Schwund im Jahr

Der Handel in Österreich setzt pro Jahr 53,3 Mrd Euro um (2009). Man errechnete, dass 1 – 1,5 % Warenschwund besteht, der sich nicht erklären lässt. Umgelegt auf Zahlen wären das laut Interessensvereinigung Wirtschaftskammer Österreich Warenwerte in der Höhe von 500 bis 800 Millionen Euro pro Jahr.

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl, Detektive, Bundespolizei, Polizei Wien)

548 Verkehrstote 2010 – Tendenz fallend

Posted in Bundespolizei by sicherheitwien on 3. Januar 2011

Statistik ist rückläufig aber noch nicht bei Null: Die Verkehrstoten. (Quelle: BMI)

(Wien, im Jänner 2011) Jahreswechsel sind die Zeiten der Statistiker und Zahlentüftler. Es ist auch die Zeit des Kassasturzes beim Thema Verkehrssicherheit. Zu Jahresbeginn 2011 werden die Totentafeln in Tabellen gepresst und zu Grafiken verarbeitet.

Die Statistik der Verkehrstoten macht in Österreich das Innenministerium, da dieses Amt die Unfallstatistiken im heimischen Straßenverkehr genau dokumentiert. Damit zu zwei Tendenzen.

Erstens: Es gibt nach wie vor Verkehrsunfälle mit Toten. Das wird sich vermutlich nicht so schnell ändern und wenn, dann vielleicht mit der Durchsetzung des Elektroautos. Im E-Auto sehen Idealisten große Chancen. Die Frage der Geschwindigkeit löst sich dann von selbst. Elektroautos fahren tendenziell langsamer, sie haben weniger PS. Das Fahren würde sich auf das reduzieren, was es eigentlich ist: Ein Hilfsdienst für den Menschen, um von A nach B zu kommen. Das E-Auto könnte zu einer generellen Verlangsamung des Straßenverkehrs führen und damit zu noch weniger Unfällen. Man wird beim Reisen im Individualverkehr mehr Geduld und Umsicht brauchen. Doch das ist Zukunftsmusik.

Zweitens: Es gibt weniger Verkehrstote in Österreich als je zuvor. Diese Nachricht ist die gute Nachricht. Doch sie hat eine schlechte Seite. Das Weniger ist noch zu wenig Reduktion. Verkehrsunfälle mit Toten sind nach wie vor Schreckensereignisse, die viel Leid anrichten, Freundskreise zerstören, Familien erledigen. 548 Mal ist das in Österreich im Jahr 2010 im Straßenverkehr geschehen. Man merkt beim täglichen Durchblättern der Zeitungen, dass es weniger wurde, aber der Teufel schläft nicht. Er ist noch da. Reduziert auf blanke Zahlen ohne die Schicksale dahinter heißt die Zahl 548 den absoluten Tiefstwert seit der Messung der Verkehrstoten, also seit 40 Jahren.

Analyse und Details

Im Detail sind 548 Verkehrstote 13 Prozent weniger als im Jahr 2009 (nominell: 84 Personen weniger). Das ist der stärkste Rückgang seit 14 Jahren. Das ist erfreulich. Nur 1996 fand ein stärkerer Rückgang zum Vorjahr (1995) statt: Es waren 15,1 Prozent. 2010 sind bei 511 tödlichen Unfällen insgesamt 548 Personen verunglückt.

Das allerstärkste Jahr der Verkehrsunfälle fand 1972 in Österreich statt. Es war ein Horror-Jahr mit 2.948 Toten! Damit verglichen beträgt der Wert anno 2010 nur mehr ein Fünftel zu diesem schwärzesten Verkehrsjahr in Österreich. Das ist deswegen interessant, weil sich der Bestand der angemeldeten Fahrzeuge in Österreich seither verdoppelt hat!

Das Bundesministerium für Inneres hat sich eine Zielvorgabe gesteckt: Man will unter 500 kommen. Dieser Wert kommt von dieser Gleichung: 1999 beklagte Österreich das letzte Mal mehr als 1.000 Tote Verkehrstote (1.079). In der Folge merkte man einen Rückgang und entwickelte ab 2001 ein groß angelegtes „Österreichisches Verkehrssicherungsprogramm 2002 – 2010“. Dieses stand auf mehreren Pfeilern, darunter Überwachung und Kontrolle sowie Prävention und Bewusstseinsbildung. Man legte damals einen Grundwert mit 1.006 Toten fest und beabsichtige, diesen Wert in zehn Jahren bis 2010 zu halbieren. Das gelang noch nicht ganz, wurde aber mit 45 Prozent Reduktion ordentlich erarbeitet.

Unfallort: Bei Bundesländern nur in Kärnten Plus, sonst Rückgang

Die Länderstatistik aus 2010 ergibt dieses: Alle Länder haben den Fuß vom Pedal gelassen, nur Kärnten drückte drauf. Acht Bundesländer verzeichnen Rückgänge, am Stärksten Niederösterreich, allerdings auf hohem Niveau.

Die Details (Land/Verkehrstote 2010, Vorjahr 2009):

  • Burgenland 20 (24)
  • Kärnten 42 (40)
  • Niederösterreich 162 (189)
  • Oberösterreich 116 (122)
  • Salzburg 41 (62)
  • Steiermark 79 (91)
  • Tirol 39 (44)
  • Vorarlberg 22 (29)
  • Wien 27 (32)

Niederösterreich führt die Statistik der Toten an. Alle Länder bauten ab, nur Kärnten legte zu. (Quelle: BMI/2010)

Art der Vehikel

Welche Fahrzeuge 2010 verwickelt waren, zeigt die Statistik auf, es starben:

  • 288 PKW-Insassen
  • 23 Lkw-Insassen (davon 16 in Klein-LKW)
  • 71 Motorrad-Fahrer (davon 4 Quad)
  • 7 Autobus-Insassen
  • 18 Moped-Fahrer (davon 2 Quad)
  • 32 Radfahrer
  • 94 Fußgänger (davon 14 auf Schutzwegen)
  • 5 Traktor-Lenker/Mitfahrer
  • 3 Microcar-Lenker/Mitfahrer
  • 7 Sonstige

Einen Zuwachs gab es 2010 nur bei Bus-Reisenden im Vergleich zu 2009. Zu den absolut niedrigsten Werten brachten des die toten Pkw-Insassen, die Mopedfahrer, Radfahrer und Fußgänger (seit 2005 erstmals wieder unter 100 Leichen!). Ferner starben wenige Motorradfahrer (Zahl bewegte seit 1992 immer zwischen 84 und 112).

Altersgruppen

Zwei Altersgruppen haben bei den Verkehrstoten die Nase vor: Die „unter 30-Jährigen“ (176) und die „über 60-Jährigen“ (166).

Bei den Fußgängern sticht die Gruppe der Senioren heraus: 60 Prozent der Verkehrstoten waren über 60 Jahre alt. Vielfach ist Unachtsamkeit die Ursache.

Bei den Kindern gab es 10 Tote (0-14-Jährige). Das ist absolut gesehen seit 40 Jahren der Tiefststand (2009: 15, 2008: 12). Vier starben als PKW-Mitfahrer (drei davon im Kindersitz). Vier starben als Fußgänger, eines war Radfahrer-Kind, eines starb auf einer Arbeitsmaschine. Zwei Unfälle fanden auf dem Schulweg statt.

Art des Unfalls

Laut Statistik waren 186 der 548 Verkehrstodesfälle (36,4 Prozent) Alleinunfälle, an denen nur ein Fahrzeug beteiligt ist. Auto gegen Baum, Auto gegen Brückenpfeifer, Auto von Brücke und so weiter.

Zehn Personen starben in Straßentunneln (2009: sieben), davon fünf im sogenannten „hochrangigen Straßennetz“ wie Autobahnen und Schnellstraßen. Was beweist, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und sich in Ausnahmesituationen falsch verhält.

Besonders uneinsichtige Fälle geschahen 2010 wieder an Eisenbahnkreuzungen. 13 Unfälle mit 14 Toten gab es an Bahnübergängen (2009: 15). Davon kollidierten 12 Tote mit dem Zug auf Gemeindestraßen, drei davon bei Schrankenanlagen. Bei vier Unfällen hatte die Schrankenanlage „rot“ und der Lenker fuhr noch drüber. Zu spät!

Alk am Steuer (unfallkausal) lag bei 5,3 % Prozent aller Todesfahrten vor (2009: 5,6 Prozent).

Generell waren die meisten Ursachen: Rasen (36,2 Prozent), Vorrangverletzung (14,3 Prozent), Unachtsamkeit (11,0 Prozent), Überholen (10,2 Prozent), Fehlverhalten von Fußgängern (6,7 Prozent), Übermüdung (5,1 Prozent) und Herz-/Kreislaufversagen/Krankheit (1,8 Prozent).

Die meisten Verkehrsunfälle findet nicht auf der Autobahn, sondern auf Bundes- und Landstraßen statt. (Foto: Marcus J. Oswald)

Art der Straße

Von den 548 Verkehrstoten ließen 62 (2009: 65) ihr Leben auf Autobahnen, 16 (2009: zehn) auf Schnellstraßen. Das sind 14 Prozent aller Todesfahrten.

Das Gros geschieht woanderes: Bundesstraßen, ehemalige Bundesstraßen (229 Tote), Landesstraßen (143) und Gemeindestraßen (83). Private Güterwege (8) und sonstige öffentliche Verkehrsflächen (7). An Baustellen ereigneten sich 2010 fünf Todesfälle (2009: 8), davon 3 auf Autobahnen und Schnellstraßen.

Neun Unfälle (davon sieben auf Autobahn) führten zu Karambolagen mit neun Toten. Vier Personen starben durch Unachtsamkeit am Pannenstreifen. (2009: 14 Unfälle/16 Tote bei Vorausunfällen, davon 3 auf Pannenstreifen).

Tot zu Fuß

Vierzehn Fußgeher wurden auf Schutzwegen an Kreuzungen überfahren, davon sieben bei ungeregelten Kreuzungen und sieben bei Ampelkreuzungen. Ein Toter war ein „Rotgeher“. Er ging bei Rot und landete im Himmel. Die Zahl der Fußopfer bei Schutzwegen ist rückläufig (2009: 19 Tote).

Seitenmerkmale 2010

Andere Marker: 65 Tote waren nicht angegurtet. Fünf Todeslenker machten Fahrerflucht. Drei Todeslenker hatten keinen Führerschein. Drei Motorradlenker starben ohne Sturzhelm. Zwölf Mal brannte ein Auto nach dem Unfall. Das Geisterfahreraufkommen ist rückläufig: Es gab 2010 einen in der Steiermark, der starb (2009: 2). Der schwerste Unfall war 2010 ein Busunfall: Am 21. Februar starben in Niederösterreich sechs Personen.

Inland – Ausland

Die Quote Inländer zu Ausländer beträgt bei den Verkehrsopfern 86 zu 14. Von 548 Verkehrstoten waren 77 Ausländer (14 Prozent). Bei der Verursacherquote von tödlichen Unfällen verhält es sich 84 zu 16. Von den 511 Unfällen die zu 548 Toten führten, verursachten 79 Ausländer das Blechknäuel am Schlachtfeld Straße.

Man wartet auf die Abschaffung des Autos und das E-Auto. Dann wird alles anders.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundespolizei)

Punschstreifen und Planquadrate gegen Alkoholmissbrauch

Posted in Bundespolizei by sicherheitwien on 23. Dezember 2010

Im Advent 2010 wurden österreichweit 88.657 Verkehrskontrollen durchgeführt und 2.483 Trinker angezeigt. Manche verloren ihre Lenkerberechtigung für ein halbes Jahr. (Foto: BMI)

(Wien, im Dezember 2010) Laut Verkehrsstatistik des abgelaufenen Jahres 2010 macht der kausale Zusammenhang zwischen schwersten Unfällen und Saufen nur knapp fünf Prozent aus. Diese Statistik trügt, da sie nur schwere Fälle mit Todesfolge beziffert.

Alkohol weit verbreitet

Bei kleinen Unfällen mit Sach- und Personenschäden ist der Alkoholeinfluss stark verbreitet, schafft es aber nicht in die Medien und damit nicht zu „Aufmerksamkeit“. Saufen gilt in Österreich immer und seit jeher als Kavaliersdelikt. Daher setzte die Kavallerie in Österreich im Dezember 2010 auf verstärkte Verkehrsüberwachung und Kontrollen. Das geschah an stark befahrenen Straßen, aber auch rund um Punschzentren. Damit sollte die „Trunkenheit am Steuer“ bekämpft werden.

Die Aktionen begannen ab 27. November 2010 in mehreren Bundesländern und nannten sich „Punschstreifen“ und „Planquadrate“. Das Ergebnis liegt nun vor.

Rigoroses Blasen in die Röhre

So wurden im Advent 2010 insgesamt 88.657 Alkoholkontrollen durchgeführt. 2.483 Alkolenker wurden ertappt und angezeigt. Im Einsatz waren 1.200 Vortestgeräte und 1.600 Alkomaten. Das ist eine deutliche Erhöhung des Einsatzes zu 2009. Im Dezember 2009 wurden rund 50.000 Alkoholkontrollen durchgeführt und 1.400 Alkolenker ertappt und angezeigt.

Wie rigoros das Durchgreifen im Advent 2010 war, konnte auch der Herausgeber dieser Seite verspüren: Er fuhr nächtens um 2 Uhr früh mit dem Rad bei Rot über eine leere Kreuzung. Leider kam von links ein Polizeiauto und stoppte das Fahrrad. Der Herausgeber war gut gelaunt, aber nüchtern. Dennoch vermuteten die Polizisten Alkohol im Spiel und der Herausgeber musste in die Röhre blasen: 0,00 Promille! Für das Rotfahren gab es 36 Euro Strafe!

Halbes Jahr Führerscheinverlust droht

Andere hatten tatsächlich doppelte Sicht. Im Advent 2010 wurden österreichweit einige schwer alkoholisierte Fahrzeuglenker mit weit mehr als zwei Promille aus dem Verkehr gezogen. Führerscheinverlust von sechs Monaten ist normal, dazu Nachschulungen und Geldstrafen zwischen 1.600 und 5.900 Euro.

Laut Statistik von Jänner bis September 2010 reduzierten sich Autounfälle, bei denen Alkohol im Spiel ist, um 9,5 Prozent, 12,1 Prozent bei Verletzten und 32,4 Prozent bei Alkoholtoten (von 37 auf 25) zum Vorjahr. Allein im Dezember 2009 ereigneten sich fünf tödliche Verkehrsunfälle, 2010 waren es nur mehr zwei.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundespolizei)

Franz Mikschl und Josef Kohl derzeit im Infight

Posted in Bundespolizei by sicherheitwien on 6. November 2010

Franz Mikschl (re.) liefert sich derzeit mit dem Bürgermeister von Drösing ein hartes Match. (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im November 2010) Franz Mikschl gegen Josef Kohl, das ist Brutalität. Immer wenn der Wiener nach Drösing fährt, stattet er dem Gemeindeamt einen Besuch ab. Oder der Polizeiinspektion Berhardsthal. Denn dort sitzt jeweils Josef Kohl. Er ist Bürgermeister und Polizeikommandant in Einem. Als Bürgermeister von Drösing steht er der SPÖ vor, als oberster Polizeichef von Bernhardsthal mehreren Beamten.

Templeton Fonds

Daneben geht er noch für eine Finanzberatung mit dem Templeton Funds von Haus zu Haus. Wer veranlagen will, wird von ihm beraten. Das ist der Grund, warum Franz Mikschl oft in Drösing ist. Dort wohnt seine Tochter. Und diese hat 2008 bei Josef Kohl angelegt. Man kennt sich schon lange und das Beratungsgespräch war kurz. Es ist eine kleine Anlage, die gemacht wurde, 200 Euro im Monat Ansparen.

Vorab waren auf ein Raika-Konto 1.800 Euro zu überweisen. Das war die Provision für Josef Kohl. Laut den Unterlagen verrechnete er die Provision dem Kunden weiter und die Tochter von Franz Mikschl zahlte das.

1.800 Euro Provision zum Start

Doch ihr Vater hat etwas dagegen. „Das kanns ja net sein, dass man sich jahrelang kennt und dann sind 1.800 Provision für ein minimales Ansparmodell zu bezahlen“, so Mikschl. Immer, wenn er nach Drösing fährt, stattet er Josef Kohl nun einen Besuch ab und fordert ihn auf, die 1.800 Euro zurückzuzahlen. Er wirft ihm indirekt auch vor, dass er seine Machtposition ausnützt: Bürgermeister sein, Polizeikommandant sein und für Franklin Templeton Investment Funds gehen, das sei zuviel des Guten.

Bürgermeister, Polizeikommandant, Franklin Templeton Investment Funds-Vertriebsmensch: Josef Kohl. (Foto: Drösing)

Ob Josef Kohl seine Machtposition ausnützt, wenn er Ortsoberhaupt, Polizeichef und Strukturvertriebler in Einem ist, kann noch nicht gesagt werden. Seine Machtposition hat er zumindest bereits ins Spiel gebracht: Er hat Franz Mikschl angezeigt, und zwar nach drei Dingen: Drohung, Nötigung und Erpressung. Diese Dinge sind in Schwebe, zuständig ist das Landesgericht Korneuburg.

Machtfülle in Drösing

Franz Mikschl will sich an die Nachfolgeorganisation der BIA, das BAK wenden, weil er nicht einsieht, dass jemand in politischen und polizeilichen Funktionen daneben auch für einen Fonds Finanzvertrieb macht und Provisionen einnimmt. In Drösing indessen ließ man Franz Mikschl wissen, dass er sich nicht mehr blicken lassen soll.

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Im Web: Drösing
Im Web: Franklin Templeton Investment Funds

Marcus J. Oswald (Ressort: Bundespolizei)

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